Kolumne des Herausgebers Dr. Rafael Korenzecher

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

gerade haben wir die hohen jüdischen Feiertage Rosch Haschana, Yom Kippur und Sukkot zusammen mit unseren Familien und Freunden begangen. Wir saßen beieinander, sprachen die vertrauten Gebete, teilten das Festmahl. Doch an vielen Festtagstischen in Israel blieben Stühle leer. Dort fehlen Töchter und Söhne, Eltern, Geschwister und Freunde, die am 7. Oktober 2023 von der Mörderbande Hamas aus dem Leben gerissen wurden.

Drei Jahre sind seit jenem entmenschten Massaker vergangen. Für die Familien der Ermordeten aber endet der 7. Oktober nicht mit einem Datum im Kalender. Er kehrt wieder, jeden Tag, wenn der Tisch gedeckt wird und der Mensch fehlt, der immer dort saß.

Es ist ein altes Kalkül: Man überfällt die Juden, wenn sie beten. 1973 wählten Ägypten und Syrien den Jom Kippur, den höchsten unserer Feiertage; fünfzig Jahre später fiel der Massenmord auf Simchat Tora, das Fest der Tora-Freude. Geändert hat sich nur, dass damals reguläre Armeen antraten und 2023 eine Mörderbande, die sich an Zivilisten verging.

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