Streifzug durch das Exilnetzwerk Londons

Betrachet man den heute grassierenden Juden-Hass auf Londons Straßen, so fällt es schwer zu glauben, dass gerade London für viele deutsche Juden, die in den 1930er Jahren vor dem NS-Regime flohen, ein Exilort der Sicherheit war. Zahlreiche jüdische Intellektuelle und Künstler wie Sigmund Freud, Alfred Kerr oder Mischa Spoliansky fanden dort Zuflucht und bereicherten das britische Kulturleben. In ihrem Buch „Exil London“ zeigt die Kunsthistorikerin Burcu Dogramaci, wie stark jüdische Emigranten durch Architektur, Fotografie, Grafik und Presse die Moderne in England prägten. Es ist an der Zeit, London, die älteste Demokratie der europäischen Neuzeit, durch konsequente Reaktion auf islamischen Juden-Hass und Beschränkung der islamischen Migration wieder zu einem sicheren Ort für seine Bürger und vor allem auch für den jüdischen Populationsanteil zu machen. (JR)
Der Begriff Exil steht in den 1930er Jahren oft gemeinsam mit den Orten Prag, Palästina, Paris, Amerika – dort suchten die vom NS-Regime Bedrohten Sicherheit. Selten ist von London die Rede, wobei die Stadt viele namenhafte Flüchtlinge beherbergte, darunter Siegmund Freud, Walter Gropius, Alfred Kerr, Gabriele Tergit, Mischa Spoliansky und Lucia Moholy. Sogar im 1941 vom Meister des Kabaretts Friedrich Hollaender geschriebenen Buch „Those Torn From The Earth“, das Einblicke in das Panorama der verschiedenen Exilorte festhält, spielt London eine Rolle. Anzumerken ist allerdings, dass das Buch erst 1995 ins Deutsche übersetzt wurde und hier unter dem Titel „Menschliches Treibgut“ erschien.
Abgesehen von Hartmut Krugs Ausstellungskatalog zu „Kunst im Exil in Großbritannien 1933-1945” von 1986, steht London erst seit kurzem im Blick der Forschung. Bisher nur im Englischen vorliegend sind Daniel Snowmans Beobachtungen, die 2002 im Buch „The Hitler Emigrés – The Cultural Impact on Britain of Refugees from Nazism“ zusammengefasst wurden. 2022 blickte Doris Hermanns auf deutschsprachige Schriftstellerinnen im britischen Exil in „Und alles ist hier fremd“. Nun veröffentlicht ist das umfassende Werk der Kunsthistorikerin Burcu Dogramaci „Exil London – Metropole, Moderne und künstlerische Emigration“. Ihre vorausgegangene 20-jährige Forschung zum Thema wird am breiten Spektrum der Themen und an der Tiefe, mit der sie präsentiert werden, deutlich. Während Snowman auch den Künsten wie Musik und Theater Raum gibt, erfasst Dogramaci das Visuelle in seinem Facettenreichtum und seinem ganzen Kosmos samt Verlagen und der Arbeit von Sammlern und Kunsthistorikern.
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