Gedanken zu Tu BiSchwat

Premierminister Benjamin Netanjahu beim Pflanzen eines Baums an Tu BiSchwat.© MENAHEM KAHANA AFP
An Tu BiSchvat, dem „Neujahrsfest der Bäume“, wird der Natur und ihren Gaben gedankt. Der Feiertag geht auf den landwirtschaftlichen Kalender im alten Israel zurück. An diesem Tag ist es sogar verboten zu fasten. Traditionell wird der Tisch mit sieben Früchten gedeckt: Weintrauben, Oliven, Granatäpfel, Nüsse, Feigen, Datteln und Getreide. Überall in Israel wird an diesem Tag der ruralen Ursprünge des Judentums gedacht und dafür neue Bäume gepflanzt.
Die Früchte des Baumes
Die Tora lehrt uns, dass die Früchte eines neu gepflanzten Baumes drei Jahre für uns verboten sind.
Im vierten Jahr können wir seine Früchte nutzen, aber nur wenn wir sie nach Jerusalem bringen und auch dort essen. Nur nach alldem können wir, im fünften Jahr, von dem Baum nach unserem Verlangen essen.
Die meisten Juden heutzutage arbeiten nicht mehr als Bauern, aber wir sind alle Gärtner der Herzen. Wir versuchen den Samen G-ttes in der Gegenwart in unsere Herzen, die unserer Kinder und in unsere Heime und Umgebungen zu pflanzen.
Auch die Früchte unserer Arbeit genießen wir in drei Phasen. So leben wir auch in den drei Phasen des Tages: Jeden Tag beginnen wir mit Gebeten. Während wir beten, sind unsere Gedanken nur auf G-tt gerichtet. Die Zeit des Gebetes ist keine Zeit für schlechte Gedanken, Lästereien oder Egoismus. Nach dem Gebet studieren wir die Tora. Dabei beschäftigen wir uns mit der Welt der physischen Objekte und Ereignissen und werden intellektuell dadurch stimuliert und alles unter dem Banner von Jerusalem, die Atmosphäre der Heiligkeit und Jirat Schamayim (Erfurcht vor dem Himmel). Schließlich verlassen wir unseren spirituellen Kokon und wagen uns in unsere Welt zurück.
Hier können wir die Früchte unserer Arbeit genießen, während wir unseren täglichen Geschäften nachgehen. Wir machen dieses für unser eigenes Vergnügen, aber unter dem sichtbaren Zeichen des morgendlichen Einflusses.
Das Training, Der Prozess, und das Ziel: Die erste Phase gehört G-tt. Wir sind nur Dank seiner Duldung hier. Diese Phase wird durch die drei Jahre symbolisiert, denn wir beten drei Mal am Tag. Die zweite Phase wird gleichermaßen von G-tt und uns geteilt.
Es ist Seine Tora, mit der sich unser Geist beschäftigt. Das wird symbolisiert durch das Verzehren des Essens für unser eigenes Vergnügen, aber nur in der heiligen Stadt Jerusalem. Die dritte Phase gehört nur uns.
Phase eins und zwei sind Voraussetzungen für die dritte Phase. Diejenigen die die ersten zwei Phasen abgeschlossen haben, werden herausfinden, dass es nicht angenehm ist, sich in Phase drei allein zu fühlen. Sie laden G-tt selbstverständlich ein, ihnen Gesellschaft zu leisten.
Ein Rosen-Bouquet
Ich gebe zu, dass ich Blumen sehr gerne habe.
Ich liebe – so kitschig es klingt – langstielige, frisch geschnittene rote Rosen. Aber ein jegliches Bouquet – Orchideen, Petunien, Paradiesvögel – hat die magische Kraft, meine Stimmung zu heben.
Mein Mann weiß von dieser Vorliebe. Er nutzt sie zu seinen Gunsten, wann immer er mein Herz gewinnen möchte – oder Vergebung für eine der Missetaten, für die Ehemänner bekannt sind.
Unlängst, als mein Mann in der Früh das Haus verließ, erinnerte ich ihn an sein Versprechen, heute Abend pünktlich um 7:30 Uhr zurück zu sein. Ich sollte um 8 Uhr einen Kurs unterrichten und wollte vorher noch etwas erledigen. Ich wollte das Haus zeitgerecht verlassen und bat ihn, nur ja nicht seine Armbanduhr aus den Augen zu lassen.
Um Punkt 7:31 stand ich ungeduldig bei der Eingangstür, während ich auf unsere Straße hinunterschaute, um unser graues Auto zu entdecken. Um 7:45 rannte ich im Vorzimmer verzweifelt Kreise und um 7:53, als mein Mann endlich auf unser Haus zukam, konnte ich mich vor Wut und Enttäuschung kaum mehr halten.
Ein exklusives Bouquet in den Armen, verkündete er beim Eintreten, dass er an einem Stand mit wunderschönen Blumen vorbeigekommen sei. Um meine Vorliebe für Blumen wissend, habe er beschlossen, anzuhalten und „in diesem ganzen Ablauf“ sei leider eine kleine Verspätung entstanden – „Hier, das ist für dich.“
Hätte ich es nicht so verrückt eilig gehabt, hätte ich ihm erklärt, wie aufgebracht und wütend ich war. Stattdessen schnappte ich wortlos die Autoschlüssel, ließ die Blumen liegen und stürmte aus d
An meine Pläne für irgendwelche Erledigungen dachte ich nicht einmal mehr, einige Verkehrsschilder auf dem Weg ignorierte ich vorsätzlich und so kam ich bei meinem Vortrag an, völlig außer Atem, mit zerrütteten Nerven… gerade noch geschafft.
Es dauerte einige Minuten, bis ich mich beruhigt hatte und mit dem Unterricht beginnen konnte. Die Teilnehmer an dieser Vortragsreihe waren Frauen, die mehr über die Lehren von Tora und Chassidismus erfahren wollten.
Als der Vortrag zu Ende war, fragte eine Teilnehmerin, Diana, warum organisierte Religion so wichtig sei. „Warum kann ich nicht einfach an G-tt im Herzen glauben und Gutes tun – auf meine persönliche Art? Wozu brauche ich all diese Vorschriften und Gebote des Judentums?“
Ich dachte für einen Moment nach. Dann dämmerte mir eine Antwort.
Ich erzählte den Frauen von den Ereignissen des Abends, bevor ich zum Kurs gekommen war. Ich fragte, ob ich recht gehabt hätte, meinem Mann den Blumenkauf übel zu nehmen. Natürlich, sagten sie, sein Verhalten sei völlig unpassend gewesen.
„Warum das?“ fragte ich. „Er wollte doch nur etwas tun, was mir Freude bereitet? Was ist daran so schlecht?“
„Du hast ihm doch gesagt, dass du ihn zu einer gewissen Zeit zu Hause brauchst. Er hat das einfach ignoriert.“ erklärte eine Teilnehmerin geduldig. „Er war zu selbst-orientiert, um deine Bedürfnisse zu verstehen. Er hat es einfach nicht mitgekriegt.“
„Ja, aber er kam zu spät, weil er mir eine Überraschung mitbringen wollte. Beweist das nicht, dass er meine Bedürfnisse versteht?“ fragte ich.
Diana gab nicht nach. „Stimmt, er wollte dir eine Freude bereiten. Aber unter seinen Bedingungen, nicht deinen.“
„Und darum geht’s bei den Vorschriften des Judentums.“ sagte ich „Die Tora ist G-ttes explizite Kommunikation – und sie sagt uns: Das ist, was du tun kannst, um eine funktionierende Beziehung mit Mir zu haben. Klar, wir können Seine Wünsche umgehen – und sogar etwas tun, was wundervoll und wohltätig ist. Wir haben Ihn vielleicht sogar im Sinn. Aber handeln wir da nicht schlussendlich zu unseren Bedingungen und missachten Seine?“
Als ich später am Abend nach Hause kam, waren die Rosen hübsch in einer Vase am Küchentisch arrangiert. Am Fuß der Vase lag eine kleine Karte.
Es war eine aufrichtige Entschuldigung.
Ich schätze, sogar Ehemänner kriegen’s manchmal mit.
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