Kolumne des Herausgebers Dr. Rafael Korenzecher

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

 

wir schreiben Mai des Jahres 2020. Das ist gerade in diesem geschichtlich ohnehin wichtigen Jahr ein geschichtlich überaus wichtiger Monat. Wichtig für Deutschland, wichtig für die Welt, wichtig auch besonders für uns Juden.

Markieren doch dieses Jahr und dieser Monat 75 Jahre seit dem Ende der deutschen Nazi-Barbarei und des grauenvollen, von deutscher Großmanns-Sucht angezettelten Zweiten Weltkriegs, der Europa und der Welt Zerstörung, Verelendung, Entwurzelung und zig-millionenfachen Tod – darunter den von 6 Millionen willkürlich, systematisch und bestialisch ermordeten jüdischen Kindern, Frauen und Männern – hinterlassen hat.

75 Jahre seit der Rettung der wenigen, kaum noch lebenden jüdischen Überlebenden der zahlreichen deutschen Mord-Konzentrationslager, 75 Jahre seit dem Ende der Nazi-Tyrannei und der endgültigen und bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reichs – das sind auch 75 Jahre der Befreiung Deutschlands und der uns allen besonders von den USA und den westlichen Siegermächten gewährten Chance auf einen Neubeginn in Freiheit und Demokratie.

Sowohl das damalige Geschehen als auch die seither keinesfalls geradlinige und unbedenkliche Entwicklung unserer Republik, besonders im Hinblick auf ihre jüdischen Bürger und den Staat Israel, gäben ausreichend Stoff um mehrere 75-Jahres-Kolumnen unserer JÜDISCHEN RUNDSCHAU zu füllen.

Aber ich sitze in meinem Home-Office, einem der wenigen Orte, an dem ich keine Maske tragen muss, und setze bereits zum dritten Mal zu einer Einleitung an. Nichts in diesem Jahr ist, wie es vorher war. Das Corona-Virus hat von der gesamten Welt Besitz ergriffen und undenkbarerweise vieles von dem, was unser bisheriges Leben und Denken beherrscht hat, in den Hintergrund gerückt.

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