Die Islamisierung des Antisemitismus

Wie die Opfer des Synagogen-Attentäters von Halle (Saale) von der Bundesregierung zu „Opfern einer islamfeindlichen Straftat“ umetikettiert wurden.

Die Hände, die mordeten: Zwei nicht-moslemische Menschen erschoss der Rechtsextremist Stephan Balliet am 9. Oktober 2019.© HANDOUT_TWITCH, AFP

Von Katharina Stockmann

Anliegen des Attentäters Stephan Balliet war es, in der Synagoge am Jom Kippur möglichst viele Jüdinnen und Juden zu ermorden. Trotzdem werden die beiden zufälligen Opfer dieses Anschlags von der Bundesregierung als Opfer von „Islamfeindlichkeit“ registriert. Das ergab eine „Kleine Schriftliche Anfrage“ der Bundestagsabgeordneten Ulla Jelpke (DIE LINKE), die mit eben diesen Toten das Ergebnis ihrer Anfrage zu islamfeindlichen Straftaten dramatisierte und eine tödliche Bedrohung für Musliminnen und Muslime halluzinierte. Eine Sicht, die prompt von verschiedenen Medien übernommen wurde.

 

Die „Ostküste“ als Wurzel allen Übels

Als es Stephan Balliet am 9. Oktober 2019, am Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, nicht gelang, in die Synagoge einzudringen, erschoss er eine zufällig vorbeikommende Passantin vor dem Gebetshaus und einen Kunden eines nahegelegenen Döner-Imbisses. Beide Opfer waren Deutsche. Ob sie religiös waren, ist nicht bekannt. Dass sie moslemischen Glaubens waren, darf als unwahrscheinlich angenommen werden. Die „Nahöstler“ waren Stephan Balliets Angaben zufolge Ziel zweiter Wahl, dass er zwei Deutsche ermordete, bedauerte er laut der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) vor Gericht.

Laut „Tagesschau“ sagte seine Mutter bei ihrer Vernehmung, er habe „auf alles geschimpft. Auf Greta Thunberg, den Wetterbericht oder Frauen in der Politik. Immer wieder habe er die Fernsehkanäle durchgezappt, um ihr zu zeigen, dass weiße Frauen ständig mit farbigen Männern zusammen seien. B. erklärte, in Deutschland gebe es keine Redefreiheit, das sehe man schon am Verbot der Holocaustleugnung.“

„Spiegel“-Reportern gegenüber beschrieb sie ihren Sohn als „das sensibelste Wesen, was Sie sich nur vorstellen können“. Weiter sagte sie: „Er hat nichts gegen Juden in dem Sinne. Er hat was gegen die Leute, die hinter der finanziellen Macht stehen – wer hat das nicht?“

Während seiner Vernehmungen bei einem Richter und bei Ermittlern des Bundeskriminalamtes (BKA) gab er laut „Tagesschau“ an, er habe

„zunächst überlegt, Muslime zu töten, die Ankunft der Flüchtlinge im Jahr 2015 sei für ihn eine ‚Zäsur‘ gewesen. Er habe sich entschieden, sich zu bewaffnen, wenn keiner etwas tue, dann müsse er es tun. Schließlich habe er sich aber für einen Anschlag gegen Juden entschieden, diese seien schließlich für Leute wie ihn das größte Problem.

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