Pro-Israel Demo-Aktivistin Karoline Preisler: „Ich werde bis zu meinem letzten Atemzug gegenhalten“

Karoline Preisler hält ein Blatt mit dem Worten „Vergewaltigung ist kein Widerstand“ hoch.
Die Berliner Volljuristin und Mutter Karoline Preisler geht als Demokratie Aktivistin auf alle „Palästina“-Demos in Berlin – allein. Sie hält dort Bilder der israelischen Geiseln hoch oder A4-Seiten mit den Worten „Vergewaltigung ist kein Widerstand“, und diskutiert mit den Anwesenden. Sie wurde schon mehrfach körperlich angegriffen, wird regelmäßig massiv bedroht und steht oft unter Polizeischutz. Warum sie das macht, was ihr Aktivismus mit ihrem Opa, dem Dritten Reich und der Stasi zu tun hat und wie sie die Gefahr eines Kalifats bewertet, erzählt sie im Interview mit der Jüdischen Rundschau. (JR)
JR: Sind Sie akut bedroht?
Karoline Preisler: Ja, ständig. Ich erhalte Drohbriefe mit schrecklichen Inhalten, oder Leute kommen zu uns nach Hause. Aber diejenigen, die an unseren Wohnort kommen, sind immer noch die kleinere Personengruppe. Die größere Gruppe sitzt irgendwo anonym an Rechnern, das übernimmt der Staatsschutz.
Es wird immer unterschieden zwischen Nahdelikt und Ferndelikt. Aktiv werden die Behörden nur, wenn es ein Nahdelikt ist, wenn Leute vor der Tür stehen. Wenn die Bedrohungen aus der Ferne kommen, haken wir die genauso ab, wie die Behörden.
Aber es ist eine akute Bedrohung da. Ich habe auch heute Morgen Polizei vor der Tür stehen. Berlin-Neukölln hat ja Probleme mit Islamismus und einer schlimmen misogynen Szene. Da gibt es eine Gruppe junger Männer, die standen letztens sehr nah an meinem privaten Umfeld…
JR: Misogyn? Also bewusst gegen Frauen?
KP: Ja. Vorgeblich haben sie ein Problem mit selbstbestimmten, westlichen Frauen. Sie haben in ihren kulturellen Entwürfen eine Idealvorstellung von der unsichtbaren Frau als Mutter. Als selbstbestimmte Frau mit vier Kindern, die trotzdem politisch aktiv ist, bin ich genau der Gegenentwurf. Ich stehe für Gleichberechtigung und -verpflichtung, das macht sie ganz nervös.
Wenn sie mich auf Versammlungen ansprechen, dann sprechen sie mich nicht auf humanitäre Hilfe für Gaza an, sie sprechen mich auf Themen an, die Frauen betreffen. Zum Beispiel, dass die sexualisierte Gewalt vom 7. Oktober gerechtfertigt war, weil es schlechte Frauen waren.
JR: ‚Erstens, die sexuelle Gewalt hat gar nicht stattgefunden. Zweitens, sie war gerechtfertigt.‘
KP: Genau, oder noch schlimmer: Shani Louk wurde nicht vergewaltigt, weil sie zu hässlich war. Das habe ich jetzt schon zwei Mal gehört und könnte immer noch schreien. Dann sprechen sie mich darauf an, dass ich hier nicht stehen solle. Erstens, ich solle mich um meine Kinder kümmern. Zweitens, ob ich nichts im Haushalt zu tun hätte. Außerdem höre ich sehr oft das Wort „Schlampe“ in verschiedenen Sprachen. Dabei geht es ihnen um alles, was Sie und ich für ein ganz normales, selbstbestimmtes Leben halten. Ich bin nicht bereit, einen Zentimeter davon abzurücken.
Ich komme aus der DDR. Ich erinnere mich, wie schrecklich es war, nicht frei zu sein. Jetzt kommen wieder Leute, wollen alle Freiheitsrechte beschneiden und Frauen einen Platz zuweisen. Da spiele ich nicht mit.
JR: Wie sind Sie zu Ihrem Aktivismus gekommen?
KP: Antisemitismus ist schon seit 40 Jahren mein Thema. Und zwar seit genau 40 Jahren. Das Datum weiß ich deshalb so genau, weil die Stasi 1985 angefangen hat, meinen Briefkontakt zu kontrollieren. Ich war damals schon eine engagierte Liberale. Und evangelische Christen waren starke Antreiber der friedlichen Revolution in der DDR. Wir hatten die Jungen Gemeinden, die Umweltbibliothek und die Kirche von Unten. Da war ich zum Teil dabei. 1985, kurz vor meinem 14. Geburtstag, begann die Briefüberwachung.
Mein Großvater Karl, der auch Jurist war, hatte im Nationalsozialismus Kontakt zur Bekennenden Kirche, die Widerstandsbewegung der evangelischen Kirche. Als Soldat kam er später in russische Kriegsgefangenschaft. Nach dem Krieg wurde er Jurist bei der evangelischen Kirche und von der Stasi überwacht, zu Hause, am Schreibtisch, sogar auf der Toilette. Daher weiß ich, dass er bereute, nicht mehr gegen den Nationalsozialismus getan zu haben, weil es innerhalb der Kirche Menschen gab, die wie Dietrich Bonhoeffer und Martin Niemöller etwas unternommen hatten.
Aus seiner Stasiakte geht hervor, dass er nach seiner Rückkehr aus der russischen Kriegsgefangenschaft in der jungen DDR alles getan hat, um den Kampf gegen Antisemitismus auszufechten. Damals wurden Gotteshäuser beschmiert, Religionsfreiheit wurde unterdrückt.
JR: Wie war das Verhältnis zu Juden und zu Israel in der DDR?
KP: Die frühere SED-Diktatur war straff antizionistisch. Sie sagten nicht offen „Wir hassen Juden“, sondern setzten antisemitische Erzählungen der Nationalsozialisten teilweise fort, waren gegen Zionismus, Imperialismus und in der Folge gegen Israel. Es gab Prozesse gegen Juden in der SED, die sich für Entschädigungen enteigneter Juden eingesetzt hatten, weil das angeblich Zionismus war.
Die DDR hat Waffen an Ägypten geliefert, die RAF und den Krieg gegen Israel unterstützt. Dazu kam in der DDR noch ein Antisemitismus von rechts, denn da war nichts antifaschistisch. Die Faschisten waren in die staatlichen Organe gekommen, das Gedankengut auch.
JR: Es gab Nazis bei der SED?
KP: Auf jeden Fall, auch bei der Stasi. In meinem Buch "Demokratie aushalten" beschreibe ich einen Mann, der bei der Stasi für Folter und Zersetzung zuständig war, seine Kollegenschaft waren alte Nazis und Stalinisten.
Die waren in den Ministerien, der Polizei, in den Geheimdiensten, wie in der Bundesrepublik. Ich glaube, das ist ein gesamtdeutsches Problem. Das wurde für die DDR nicht so aufgearbeitet wie im Westen. Wir hatten ein riesiges Problem mit Skins und Nazis, überall Hakenkreuze. Es gab in Berlin einen jüdischen Friedhof, der ist vor dem Mauerfall permanent geschändet worden. Irgendwann durfte es gar keine Presse mehr dazu geben, weil es zu oft vorkam.
Deswegen ist es Augenwischerei, wer behauptet, wir hatten keine Kriminalität. Es ging dort nur einer Personengruppe gut und das waren die Eliten der SED. Ich bin jeden Tag dankbar, dass es vorbei ist.
JR: Man hat sich nach der Wende gefragt, woher diese Skinheads kamen, als es in Rostock-Lichtenhagen losging.
KP: Die waren die ganze Zeit da und hatten die Gesellschaft im Klammergriff. Ignatz Bubis vom Zentralrat der Juden stand damals in Rostock-Lichtenhagen übrigens sehr klar an der Seite der Verfolgten, die dem Mob ausgeliefert waren. Ich betone das deshalb, weil Juden ja gerne als Rassisten bezeichnet werden. Es gibt ein großartiges Buch von Anne Rabe "Die Möglichkeit von Glück". Sie lebte eher im Landesinneren und beschreibt diese sogenannten Baseballschlägerjahre in der DDR, die gesellschaftliche Akzeptanz gegenüber diesen Nazis. An der SED-Diktatur war einfach nichts Gutes. Es gab tolle Leute da. Anne Rabe ist ein gutes Beispiel. Aber an dem System, an dem Antisemitismus, gab es nichts Gutes.
Die haben ihre eigenen Leute erschossen, wenn sie das Land verlassen wollten. Jetzt fordern dieselben Leute den selben Mist, der damals schon nicht funktionierte.
Also die Partei, die Leute an der Grenze erschießen ließ und uns in Unfreiheit und wirtschaftliche Not stürzte. Daher mit Verlaub, an der DDR gab es nichts Gutes, nur in ihr, nämlich uns.
JR: In den 90er Jahren haben Sie Jura studiert und ließen nicht nach, sich politisch zu engagieren.
KP: Ja, ich bin dann 2013 in die FDP eingetreten. Ich sah die politische Krise der Demokratie und dachte, dieses Land braucht mehr Liberale.
JR: Wie begann Ihr Engagement für Israel?
KP: Mein Engagement für Israel begann am 8. Oktober 2023. Am 7. Oktober lagen wir uns noch in den Armen. Nach dem Überfall der Hamas und diesem unvorstellbaren Massaker, dem Genozid und der Entführung, gab es zeitnah eine große Israel-solidarische Mahnwache am Brandenburger Tor.
Aber es hat nur wenige Stunden gedauert, bis sogenannte Israel-Kritiker zu Wort kamen und man begann, Täter-Opfer-Umkehr zu betreiben. Dabei hatte die Hamas auf Facebook live gestreamt, wie sie in die Häuser einbrachen, Greise gefoltert und ermordet haben. Sie haben die Familien zugucken lassen.
JR: Ich bin noch traumatisiert von dem Tag. Ich habe viele Freunde in Israel und da kamen plötzlich diese ganzen Bilder auf Telegram und auf Twitter. Der Tag ist für mich wie der 11. September. Ich bin da immer noch schockiert davon. Das meiste ist ja aus dem Netz verschwunden, weil es Gewaltdarstellungen sind. Aber das hat man damals live gesehen.
KP: Erst mal sah man alles. Die alten Menschen, die in ihren Blutlachen liegen. Ich habe den ganzen Tag mit Freunden verbracht. Wir wollten gar nicht gehen, weil wir wussten, wenn wir alle nach Hause gehen, halten wir das nicht aus. Wir wissen alle, wo wir am 11. September und am 7. Oktober waren. Mein Engagement für Israel begann dann, weil diese Täter-Opfer-Umkehr für mich so unerträglich war.
Erst sagten sie, die Vergewaltigungen hätten „nicht stattgefunden“. Wenn sie doch stattgefunden haben, dann waren es Schauspieler. Und wenn nicht, haben die Frauen es ja verdient. Es gibt Zeugen, Videos, Geständnisse, alles, was auch bei einem Prozess in Deutschland zum Thema Vergewaltigung als Beweis herangezogen würde. Trotzdem leugnet man es.
Das ist klassischer Antisemitismus, jetzt eben über den „Kampf gegen Imperialismus“ oder „Zionismus“. Umwegkommunikation haben die Nazis und die DDR auch schon so gemacht. Antisemitismus war schon immer mein Thema. Bis jetzt hatte ich eher mit Neonazis zu tun, jetzt sind es die Linken und Islamisten. Das hat dazu geführt, dass ich nach Israel gefahren bin und mich mit den Geiselfamilien ausgetauscht habe.
JR: Sie waren mit der Journalistin Sarah Maria Sander, die gerade ein tolles Video über die Anti-Israel-Propaganda der „Tagesschau“ gemacht hat, in Israel.
KP: Ja, und mit dem Journalisten Alon David. Wir waren bei den Ersthelfern ZAKA, beim Nova Festivalgelände und beim Rape Crisis Center. Da habe ich von Zeugen gehört und mit eigenen Augen gesehen, was man hier in Deutschland verdreht.
JR: Hatten Sie das Gefühl, dass es organisiert war, als es mit den Pro-„Palästina“-Demos losging?
KP: In den ersten Tagen waren das noch relativ kleine Versammlungen von Menschen, die einen Palästina-Bezug hatten, recht hemdsärmelig. Aber nach wenigen Tagen lief das wie geschmiert, weil es eine starke finanzielle Beteiligung von bestimmten Akteuren gab. Dann kamen Social-Media-Influencer dazu, die vorher kaum Palästina-Bezug hatten, so wie Yasemin Acar. Ich denke, dass das organisiert ist.
Inzwischen gibt es eine ganze antisemitische Industrie von Influencern, TikTokern und YouTubern, die damit ihren Lebensunterhalt bestreiten, Hass zu säen. Jetzt sind auch die Finanzämter aufmerksam geworden. Und es gibt erste strafrechtliche Verurteilungen von Menschen, die für „Palästina“ Geld sammeln und es veruntreuen.
JR: Wie funktioniert diese Finanzierung?
KP: Es gibt angebliche Professuren, die von Katar aus bezahlt werden, so wie Thorsten Menge, der eine Assistenzprofessur über Qatar hat und - so sehe ich das - mit schwerem Geschütz fundamentalen Israel-Hass betreibt. Das sind Alibi-Sprechpuppen eines Systems, das Israel vernichten will. Dann gibt es Terrorvereine wie das verbotene Samidoun-Netzwerk.
Wir kommen als Rechtsstaat bei der Ermittlung und Ahndung der Geldwäsche und Terrorfinanzierung gar nicht hinterher. Seit Februar gibt es in Berlin den ersten Prozess gegen Terroristen, die für Hamas Waffenlager anlegen wollten. Der „Cicero“ hat thematisiert, wie sie finanziert werden, und wie das Geld für die Waffen nach Deutschland kommt. ARD „Kontraste“ hat auch darüber berichtet. Hamas und Hisbollah haben sehr stabile Geldströme nach Deutschland. Diese Influencer könnten ihr Geld auch aus diesen Quellen beziehen.
JR: Die libanesischen Clans in Berlin hängen ja mit der südamerikanischen Drogenmafia zusammen.
KP: Deutschland war schon immer anfällig für Geldwäsche, Prostitution, Drogen und Waffenschmuggel. Wenn man Terror finanzieren will, dann ist Berlin ein guter Ausgangspunkt.
JR: Wenn Sie regelmäßig auf die Demos in Berlin gehen, sehen Sie Akteure?
KP: Ja, natürlich. Das sind Influencer wie die Halbägypterin Nina Maleika Lorenz, die Deutsch-Türkin Yasemin Acar, die Leute von „Palästina spricht“, ein paar Iren, Iranerinnen mit Hang zum Mullahregime, Fuad Musa Afane aus Berlin und ein paar Leute, gegen die aktuell Ermittlungen laufen. Die Securities sind zum Teil vom Barbakh-Clan aus Gaza, der in Berlin sehr organisiert und personenstark auftritt. Barbakhs sind nach meiner Beobachtung oft die, die niedrigschwellige Straftaten gegenüber der Polizei begehen.
JR: Die Berliner Clans gehen „für Palästina“ auf die Straße?
KP: Naja, sie gehen für Destabilisierung auf die Straße. Das ja. Und, sie haben eine Arbeitsteilung, damit sich die verschiedenen Clans nicht ins Gehege kommen. Ich habe auch Vertreter des Remmo-Clans gesehen, die würden sich in der Hierarchie über den Barbakh-Clan verorten, allein wegen des Intelligenzgefälles. Die Barbakhs kommen aus Khan Yunis, was das Alibi liefert, sich für Gaza zu engagieren.
Sie organisieren – so mein Eindruck –Trauerkundgebungen, wenn in Gaza Menschen sterben, und treten deutlich in Erscheinung. Über die Farben ihrer Kufiya und Kleidung legen sie meiner Meinung nach ihr Organigramm offen, wer welche Funktionen ausübt, was bei den Remmos nicht so gut nachvollziehbar ist. Die kennt man eher durch Berichterstattung oder laufende Verfahren.
Bei diesen im Kern israelfeindlichen Versammlungen, die stark islamistisch und linksextrem ausgerichtet sind, laufen auch Menschen von der AfD und von der „Heimat“, der früheren NPD mit. Da sieht man also Leute, die ich bereits im Vorfeld rechtsextremistischer Versammlungen beobachtet habe.
JR: Da trifft sich linksextrem, rechtsextrem und islamistisch?
KP: Es ist kein Massenphänomen, aber ich besuchte in diesem Jahr auch mehrere rechtsextremistische Versammlungen: Vor allem junge Leute, Springerstiefel, Glatze, nationalistisches Auftreten. Dann verirrt sich einer mit einer Paliflagge oder mit einer Kufiya dazu. Die Schnittmenge ist der Judenhass, trotzdem will ich das nicht so gewichten. Was hier in Berlin, in Deutschland und Westeuropa aufläuft, sind astreine Antisemiten und Terrorfreunde. Dass sie Schnittmengen mit Rechtsextremisten haben, sollte ihnen peinlich sein, ist es aber nicht. Ich will mit Rechtsextremisten nichts zu tun haben. Die Judenhasser halten da weniger Abstand.
JR: Werden auf den Demos Spenden gesammelt?
KP: Ja, ich werde ab und zu von Frauen mit Spendendosen angesprochen. Man sieht auf den Demonstrationsstrecken, dass man in Geschäfte geht und mit einem Umschlag mit Geld zurückkommt. Und es werden Sachspenden aus dem Kofferraum verteilt: Wasser, Aufkleber, Goodies.
Ich war auf einem St. Martin-Fest vor dem Rathaus in Neukölln, ursprünglich ein christliches Fest, aber es wurde von der Pro-Palästina-Szene besetzt. Da haben Kinder vor allem aus der bunten Szene Berlin-Neuköllns Lampions gebastelt. Man konnte zur Jury gehen, „Kindermörder Israel“ rufen und seinen Lampion vorzeigen, etwa vierjährige Kinder! Dann bekam man einen Aufkleber oder so etwas geschenkt. Dieses Theater muss ja jemand finanzieren. Ich habe noch nie so eine krude Mischung von Verschwörungserzählungen, Missbrauch religiöser Bräuche und des Versammlungsrechts erlebt.
JR: Es ist Kindesmissbrauch.
KP: Absolut. Das machen sie auch bei Versammlungen. Sie nehmen ihre Kinder auf den Arm, schlagen einen Polizisten, um Bilder zu erzeugen, oder schieben ihre Kinderwagen in die erste Reihe und hoffen auf Wasserwerfer. Am 24. Juli 2025, also vor wenigen Tagen, fand am Checkpoint Charlie in Berlin eine israelfeindliche Kundgebung statt. Eine Mutter war mit zwei Kindern vor Ort. Ihr Fehlverhalten zog eine polizeiliche Maßnahme nach sich und zwei erschrocken weinende Kinder. Tiktok glüht und ruft Polizeigewalt. Dabei ging die einzige Gewalt von dieser Frau aus. Warum tut sie ihren Kindern sowas an?!
Es gibt einen Mann, der immer einige blutige, farbbeschmierte Plastikpuppen dabei hat, der gibt einem Kind eine Puppe und eine Palästina-Flagge in die Hand. Dann geht dieses Kind auf die Polizisten oder auf mich zu und sagt unflätige Worte oder "Free Palestine".
Die Kinder, die dort instrumentalisiert werden, haben keine Chance, Liebe zu erfahren. Das sehen wir auch in Gaza, wo Menschen stolz sind, wenn ihre Kinder Märtyrer werden. Dann gibt es Renten, Lob, eine große Party. Ich bedauere das. Jedes Kind verdient, in Frieden zu leben und geliebt zu werden. Die Situation der Kinder im Gazastreifen ist der Hamas egal. Mir ist es das nicht. Das Sterben dort muss enden.
Golda Meir hat nicht umsonst sinngemäß gesagt, dass es erst Frieden geben wird, wenn die Antisemiten ihre Kinder mehr lieben, als sie die Juden hassen.
JR: Wieso machen sie das alleine?
KP: Es gibt drei Gründe. Der allererste ist ein juristischer, denn als Einzelner darf man nicht fortgeschickt werden. Wenn man zu zweit oder zu dritt ist, ist man eine Versammlung und kann weitergeschickt werden. Dann hätte ich die Möglichkeit des Dialogs nicht mehr.
Zweitens gibt es israelsolidarische Menschen, die weniger friedlich sind. Ich bin ein sehr friedlicher Mensch. Ich möchte Rede und Gegenrede haben und der Demokratie dienen. Ich möchte keine Unruhe in die Versammlung bringen und lehne Gewalt ab. Es gibt Menschen, die eine geringere Frustrationstoleranz oder zum Beispiel rassistische Motive haben, mit denen möchte ich nicht auftreten.
Das dritte Argument hat sich erst im Laufe der Jahrzehnte herausgestellt, in denen ich auf Versammlungen gehe: Ich muss gar nichts tun, um meine Botschaft zu verbreiten, denn die Menschen vor Ort tun es auf sehr entlarvende Weise. Wenn ich alleine mit einem Blatt Papier dort stehe, rasten sie vollkommen aus. Dieses Ausrasten dokumentieren sie mit ihren eigenen Handykameras. Man ist stolz darauf, eine Frau anzuspucken, als „Hure“ und „Schlampe“ zu beschimpfen, mir Gewalt anzudrohen. Sie filmen sich dabei, weil sie unfassbar stolz darauf sind. Auf diese Weise wird meine Botschaft millionenfach im Internet geteilt.
Auf der ganzen Welt sieht man meinen Protest. Und anders als von den Terrorunterstützern beabsichtigt, ist die Welt gar nicht stolz, dass dort eine Frau wegen einer Botschaft beschimpft wird, die Konsens sein sollte: „Vergewaltigung ist kein Widerstand“.
Als ich in Israel war, konnte ich keine 50 Meter laufen, ohne dass mich jemand begrüßt hat und gesagt hat, „Danke für das, was du tust.“
JR: Wenn man sich für Israel einsetzt, bekommt man ja immer mehr Botschaften: „Warte nur, bis wir an der Macht sind, dann wirst du dran sein. Äußere dich lieber nicht.“ Bis vor wenigen Monaten konnte man sich eigentlich nicht vorstellen, dass das eine reale Gefahr sein könnte. Könnte es irgendwann sein, dass Terroristen die Macht übernehmen?
KP: Ja. Und deshalb werde ich bis zu meinem letzten Atemzug gegenhalten. Ich möchte, dass meine Kinder ein glückliches und sicheres Leben haben. Das funktioniert nicht unter einem Regime. Die Feinde der Demokratie scheren sich nicht um freie Wahlen und faire Debatten. Wer Geiseln nimmt, auf europäischen Straßen zum Dschihad aufruft, der möchte die Zukunft unserer Kinder zerstören. Deshalb werde ich nicht nachgeben. Denn ich fürchte, das Szenario, das Sie beschreiben, ist ziemlich realistisch.
JR: Vielen Dank. Und passen Sie auf sich auf.
„Demokratie aushalten! Über das Streiten in der Empörungsgesellschaft“ von Karoline Preisler ist im S. Hirzel Verlag erschienen.
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