Pazifismus war gestern – Deutschland will wieder kriegstüchtig werden

Männer ab dem Geburtsjahrgang 2008 müssen an der Wehrerfassung teilnehmen.© INA FASSBENDER / AFP
Der Übergang von der Verachtung der Bundeswehr zur Kriegsbegeisterung erfolgte im grün-linken Milieu im zackigen Stechschritt. Es blieb noch nicht einmal die Zeit, jungen Menschen zu erklären, warum der enorme CO₂-Ausstoß eines Panzers weniger klimaschädlich ist als jener der zum Feindbild erklärten SUVs, denen Aktivisten noch vor gar nicht langer Zeit mit Duldung der Politik die Reifen aufgeschlitzt haben. Deutschlands neue Wehrdebatte ist vor allem ein Spiegel politischer Unaufrichtigkeit. Eine Armee, die noch gestern organisatorisch und materiell versagte, soll heute zum Symbol nationaler Entschlossenheit stilisiert werden, während jede Skepsis moralisch sanktioniert wird. Parallel dazu misst man mit zweierlei Maß: Israel wird zur Nachgiebigkeit gegenüber der Mörder-Bande Hamas gedrängt, während die verbrecherischen Gazaner als politische Projektionsfläche westlicher Selbstentlastung firmieren. (JR)
Eine seltsame Schlagzeile erregte 2021 kurzfristig ein Stirnrunzeln in der Öffentlichkeit: Die Bundeswehr sei gezwungen, die Hilfe des ADAC anzufordern! Nun war nicht etwa ein Panzer mit überhitztem Motor auf dem Seitenstreifen der A40 liegengeblieben, was den Normalbürger veranlassen würde, die „Gelben Engel“ herbeizurufen. Vielmehr klebten die Helikopter der Bundeswehr wegen technischer Mängel am Boden. Dagegen war auch der ADAC machtlos – jedoch drohte den Hubschrauberpiloten der Bundeswehr der Verlust ihrer Lizenz, sollte es ihnen nicht gelingen, die dazu erforderliche Anzahl von Flugstunden zu absolvieren. Deshalb wurde ein Leasing-Vertrag mit dem ADAC geschlossen: Die Bundeswehr mietete fünf Helikopter an, Wartung inklusive. Das sei ein „ganz normaler geschäftlicher Vorgang“, wiegelte damals die Presse rasch ab, so als habe sich der Kasernenkoch kurzfristig eine Tasse Zucker in der Nachbarschaft ausgeborgt.
Erst Pazifismus, jetzt Kriegstüchtigkeit
Schaut man sich die Debatte um den frisch eingeführten Wehrdienst an, scheint es, als ob die marode Bundeswehr im Schnelldurchlauf zur Elitetruppe gemacht werden solle. Eine Zahl steht im Raum: 2029 – dann soll Vladimir Putin imstande sein, nach Mitteleuropa, also auch nach Deutschland vorzurücken. Das sagen Militärexperten, der Countdown tickt. Die Politik veranstaltet parallel dazu ein wenig „Pilpul“, also Wortklauberei, rund um das unpopuläre Thema der Wehrpflicht: Lediglich zur Musterung sei aufgerufen worden. Eine junge Generation, welche in den letzten Jahrzehnten zu einem unbedingten Pazifismus erzogen wurde, reibt sich verwundert die Augen. Plötzlich steht die sehr konkrete Möglichkeit im Raum, im Einsatz für ein Land sterben zu müssen, welches einst dem frisch gebackenen Kino-Star Robert Habeck gar Brechreiz verursachte.
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