Personalrochade in der deutschen Botschaft Tel Aviv: Nur Israelfeinde werden Steffen Seibert vermissen

Alexander Graf Lambsdorff soll Steffen Seibert im Amt des deutschen Botschafters in Israel folgen.© Superbass /WIKIPEDIA; ABDULHAMID HOSBAS / ANADOLU AGENCY / ANADOLU VIA AFP
Mit dem gleichzeitigen Wechsel im Amt des Bundesantisemitismusbeauftragten und auf dem Botschafterposten in Tel Aviv steht die deutsche Israel-Politik an einem neuralgischen Punkt. Personalrochaden sind nie bloß Verwaltungsakte – sie sind Richtungsentscheidungen. Besonders irritierend wirkte der Umgang des scheidenden Botschafters Steffen Seibert mit Meldungen aus dem Gazastreifen während des Krieges gegen die Terror-Bande Hamas, wo er auch ungeprüfte Berichte öffentlich kommentierte. Ein deutscher Botschafter in Israel sollte diese Mechanismen kennen und ihnen nicht auf den Leim gehen. Mit Alexander Graf Lambsdorff rückt nun ein erfahrener Diplomat nach. Doch Erfahrung allein garantiert noch keine klare Linie. Nach dem 7. Oktober und der beispiellosen Täter-Opfer-Umkehr im westlichen Diskurs braucht es in Tel Aviv einen Diplomaten mit einem festen moralischen Kompass. (JR)
Antisemitismusbeauftragte, deutsche Diplomaten in Israel und Forrest Gumps Schachtel Pralinen besitzen eine Gemeinsamkeit: Man weiß nie, was man kriegt. Das wird vor allem dann interessant, wenn auf diesen Posten ein Wechsel ansteht und man auf die in der Vergangenheit geleistete Arbeit jener Beauftragten und Diplomaten zurückschaut. Vor allem die deutsche Diplomatie tut sich oftmals schwer mit der „deutschen Staatsräson“, die doch nach allgemeinem Bekunden Israel unter den besonderen Schutz Deutschlands stellen soll, wie immer dieser aussehen mag. Falls es dabei eine Bevorzugung des jüdischen Staates gegenüber anderen Staaten der Welt geben sollte, mit denen die Bundesrepublik Umgang pflegt, so ist diese nur schwer zu erkennen. Um auch noch dem Rest „Staatsräson“ den Todesstoß zu versetzen, schrecken die Gegner Israels auch nicht davor zurück, Falschmeldungen über das Vorgehen der israelischen Armee in Gaza oder Judäa und Samaria zu verbreiten, denn sie können sich auf das Unwissen und die Aufnahmebereitschaft ihres Publikums verlassen.
Von Antisemitismusbeauftragten, Außenministern und Diplomaten muss man einen besonders aufmerksamen Blick auf diese Meldungen erwarten können – aber einige Zwischenfälle in den letzten Jahren haben gezeigt, wie wenig immun auch diese „Spezialisten“ gegen „Fake-News“ sind. Gewiss, die Aufgabe eines Botschafters in Israel ist es, zunächst einmal die deutschen Interessen vor Ort zu vertreten – aber ist es im deutschen Interesse, es sich mit einem zuverlässigen Handelspartner zu verderben? Staatsräson hin, Gedenkkultur her: Allein schon die Vernunft sollte es gebieten, Schmutzkampagnen mit Vorsicht zu genießen.
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