Frankfurter Kino lehnt Beteiligung an den Jüdischen Filmtagen ab

© ERIC BERACASSAT / HANS LUCAS / HANS LUCAS VIA AFP

Ein Frankfurter Innenstadtkino sagt die Teilnahme an den Jüdischen Filmtagen aus offensichtlich fadenscheinigen und widersprüchlichen Gründen ab. Der Eindruck drängt sich auf, dass hier zurückgewichen wird – vor einem juden- und israelfeindlichen Klima, in dem jüdische Präsenz als Risiko erscheint. Wer unter solchen Umständen „Neutralität“ reklamiert, entscheidet sich faktisch gegen Sichtbarkeit und Normalität jüdischen Lebens und macht sich zum Erfüllungsgehilfen judenfeindlicher Akteure. (JR)

Von Stefan Frank

Bei den 6. Jüdischen Filmtagen, die im Oktober in Frankfurt am Main stattfinden, will die Astor Film Lounge an der Zeil nicht mehr Spielort sein. Die dafür gegebene Begründung der Kinobetreiber sorgt für Kontroversen. „Die Situation ist uns aktuell zu heiß“, schrieben sie in einer E-Mail an die Jüdische Gemeinde Frankfurt, über die die Hessenschau des Hessischen Rundfunks berichtete. Außerdem, so hieß es darin weiter, müsse es „in einem Land wie Deutschland noch erlaubt sein, sich als Kino neutral zu verhalten“.

Die Jüdischen Kulturwochen und die Jüdischen Filmtage finden im jährlichen Wechsel statt, in Zusammenarbeit der Jüdischen Gemeinde mit dem Kulturamt und dem Kulturdezernat der Stadt Frankfurt.

Welche „Situation“ ist der Astor Film Lounge „zu heiß“? Gegenüber welchen Kräften ist es vermeintlich besser, „neutral“ zu bleiben? Die Kinobetreiber standen für eine Anfrage von Mena-Watch nicht zur Verfügung und schickten lediglich eine vorbereitete Presseerklärung.

Darin findet sich eine völlig andere Argumentation. Es sei eine „unternehmerische Entscheidung“, die „keine Entscheidung gegen jüdische Menschen, jüdische Kultur oder jüdische Präsenz“ sei, sondern „rein wirtschaftliche Gründe“ habe: Bei den Jüdischen Filmtagen im Jahr 2024 seien „gerade 40 bis 60 Gäste“ zu den beiden Vorführungen im Haus gekommen, damit habe sich die Veranstaltung „wirtschaftlich nicht getragen“. Dann wird ein weiteres Argument beigefügt: das „Bedauern“ darüber, „dass bei uns entsprechende (sic!) Veranstaltungen bereits unter Polizeischutz stattfinden mussten“.

Dem widerspricht Marc Grünbaum, Vorstand der Jüdischen Gemeinde Frankfurt. „Wir hatten überhaupt keinen Polizeischutz“, sagt er im Gespräch mit Mena-Watch. Er vermutet, dass die Verantwortlichen der Astor Film Lounge in ihrer Argumentation die Jüdischen Filmtage mit zwei anderen Veranstaltungen jüdischer Vereine, die in der Vergangenheit in den Astor-Kinos stattgefunden haben, „in einen Topf“ werfen. „Hier wurden einfach zwei ganz unterschiedliche Veranstaltungen miteinander vermengt, was ich für schon durchaus beachtenswert halte.“

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