„Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“: Judenfeindlichkeit zur Primetime

Oliver Pocher und Stefan Raab haben Satire mit Antisemitismus verwechselt. 
© Sven Mandel/Wikipedia Daniel Kruczynski/Wikipedia

Es beginnt mit einem schalen Witz zur besten Sendezeit und endet in der schamlosen Wiederbelebung uralter judenfeindlicher Ressentiments. Moderator Stefan Raab hat ausgerechnet am Holocaust-Gedenktag bei RTL antisemitische Klischees über Gil Ofarim in ein Millionenpublikum gestreut. In einem Einspieler fiel der Begriff „Betrüger-Gen“, begleitet von stereotypen Bildern orthodoxer Juden und der Darstellung eines „orientalischen“ Diebes. Wer von einem „Gen“ spricht, verlässt die Ebene individueller Verantwortung und bedient ein biologisierendes Denkmuster, das historisch verheerende Folgen hatte. Genau darin liegt der Kern des Vorgangs: Nicht ein misslungener Witz, sondern die Normalisierung eines eindeutig antisemitischen Codes, der Juden erst als Gruppe markiert und in weiterer Folge ihre Ausgrenzung rechtfertigt. (JR)

Von Thilo Schneider

Es beginnt im Kleinen. Harmlos. Meist mit dem Satzanfang: „Ich habe nichts gegen Juden…“, bei den ganz Schlauen ergänzt mit einem Komma und dann: „Meine besten Freunde sind Juden“, um schließlich zu dem eigentlichen Kernsatz zu kommen, der mit einem „aber“ beginnt: „Aber was die Juden/Israelis/Zionisten da machen…“ und dann geht es los. Der ganz normale Alltagsrassismus gegen Juden. Denn merke: Was Juden tun oder nicht tun, ist immer falsch, schlicht, weil es von Juden kommt.

Nehmen wir das Beispiel Malca Goldstein-Wolf. Manche bezeichnen sie halb anerkennend, halb verächtlich als „Aktivistin“. Sie erhebt ihre Stimme gegen offensichtliche Ungerechtigkeit und sammelt gelegentlich Spenden für Keren Hayesod. Sie hat Mut und tritt als Bürgerin mit offenem Visier auf – was erstaunlicherweise mittlerweile wirklich mutig ist und sie Anfeindungen aussetzt. Nun könnte sachliche Kritik ja darin bestehen, dass man sie – aus welchen Gründen auch immer – ihr Tun verurteilt oder für falsch hält. Oder sie schlicht nicht leiden kann, weil sie keinen Nasenring trägt oder weil sie intelligent und schlagfertig ist. Aber Nein: Die Kritik an ihr und ihrem Handeln dampft sich an einem Punkt zusammen: Sie ist Jüdin.

Da schreibt ihr beispielsweise ein „Biber Basti“ auf Facebook unter seinem Klarnamen: „Und Ihr habt jetzt die Verantwortung für die Verbrechen von Epstein, die in Eurem Namen passiert sind. Daran werden wir Euch Juden messen.“ Wussten Sie das, liebe Leser? Dass Sie für die Verbrechen von Epstein verantwortlich sind? Weil Sie möglicherweise jüdischen Glaubens sind?

Klaus W. Ensinger, einst Geschäftsführer der Ensinger GmbH und im „Who is who“ als „bedeutende Führungspersönlichkeit im deutschen Familienunternehmensranking“ aufgeführt, klebt Frau Goldstein, ebenfalls mit Klarnamen und sympathischem Familienbild nebst lachender Ehefrau, ein „Wie wäre es, wenn alle Juden nach Israel gehen und die Welt in Ruhe lassen würden?“ unter ein Posting.

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