Holocaustgedenktag verkommt zum moralischen Ablasshandel

Gedenken an den Holocaust, ohne das Leben der deutschen Juden zu schützen, ist heuchlerisch.© BEATA ZAWRZEL / NURPHOTO / NURPHOTO VIA AFP

Der 27. Januar wird auch in diesem Jahr pflichtschuldig begangen werden. Dann erklingt das routinierte, längst entkernte „Nie wieder“ – von Klassenzimmern bis in den Bundestag, diese moralische Gedenkkathedrale der Deutschen. Statt sich auf ritualisierte Schuldpflege zu beschränken, auf Besuche bei „toten Juden“, auf betretene Minen in Gedenkstätten und das symbolische Polieren von Stolpersteinen, wäre es geboten, das lebendige Judentum im eigenen Land wirksam zu schützen. Doch genau daran scheitert Deutschland: Hier gedeihen ungehindert eine mörderische Allianz aus muslimisch-linkem und grün-wokem Judenhasser-Mob, der von den Straßen bis tief in die Hörsäle der Universitäten und in den Kulturbetrieb hineinwirkt. Gedenken ohne Konsequenz ist kein moralischer Fortschritt, sondern eine bequeme Form der Selbsttäuschung. (JR)

Von Julian M. Plutz

Sicher kennen Sie den Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Bill Murray spielt hier einen zynischen Wettermoderator, der in einer Kleinstadt gefangen ist und denselben Tag wieder und wieder durchlebt: das Weckerradio spielt Sonny & Cher, draußen dasselbe winterliche Volksfest, dieselben Gesichter, dieselben dummen Sprüche – nichts ändert sich, ganz gleich, was er tut. Ein komisches, fast philosophisches Kammerspiel über Wiederholung ohne Erkenntnis.

Genau so absurd und zynisch wirkt das deutsche Holocaustgedenken. Jedes Jahr, am 27. Januar, steht die Republik auf, schaltet ihr Betroffenheitsprogramm ein. Wieder und wieder dieselben Trauerreden, dieselben Gedenkminuten, dieselben Gesten. Und am nächsten Tag beginnt alles von vorn, als hätte niemand dazwischen irgendetwas gelernt.

Diese seltsame Form staatlich verwalteter Buße wirkt inzwischen wie ein moralischer Automatismus. Das „Nie wieder“, das am Jahrestag aus Bundestagsmikrophonen und Klassenzimmern ertönt, ist zur Leerformel geworden. Man spricht so routiniert über Auschwitz, Dachau und die Höllenmäler, dass die Worte jede Dringlichkeit verloren haben. Das Land pflegt ein Gedenken, das seine eigene Ohnmacht kaschiert. Es geht überhaupt nicht um die Opfer, vielmehr um die Selbstvergewisserung derer, die sich gern „bewusst“ nennen. Der Holocaust wird verwaltet, wie einst die Lager verwaltet wurden: kalt, emotionslos, unmenschlich.

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