Die dpa-Lemminge: Falschmeldungen und ihre willigen Verbreiter

Was die mächtige Deutsche Presseagentur meldet, übernehmen Deutschlands Journalisten oft ungeprüft. Nun hat die dpa den Besuch eines Politikers auf der griechischen Insel Lesbos frei erfunden. Und die Medienmacher der halben Republik schreiben ab, was ihrer politischen Einstellungen entspricht und was sie glauben wollen.

Zuwanderer, die auf der griechischen Insel Lesbos ankommen© ARIS MESSINIS , AFP

Von Alexander Wendt (Tichys Einblick)

„Der Besuch auf Lesbos war dann doch nicht so erfreulich, wie AfD-Politiker Oliver Kirchner ihn sich vorgestellt hatte“, berichtete die „taz“ am Sonntag über einen angeblichen Besuch des AfD-Manns auf der griechischen Insel, die Ziel vieler Migranten ist: „Der AfD-Fraktionschef in Sachsen-Anhalt hatte mit dem rechten Blogger Oliver Flesch auf einer antifaschistischen Demo in der Inselhauptstadt ‚agitiert‘ und wurde daraufhin von Antifaschist*innen eingekesselt. Retterin in der Not: die griechische Polizei. Voller Dankbarkeit zeigt sich der AfD-Politiker für seine Befreiung aus den Fängen der Antifa.“

„Stern Online“ machte aus dem Vorfall eine größere Geschichte mit der der Überschrift „Lesbos: AfD-Politiker gerät bei Demo mit Linken aneinander“. Und der Unterzeile: „Die Krise an der EU-Außengrenze zieht Rechte und Rechtsextreme aus Deutschland an. Ein AfD-Politiker berichtet nun, er sei von antifaschistischen Demonstranten ‚eingekesselt‘ worden.“

Ähnliche Beiträge veröffentlichten auch „Zeit Online“, „Merkur“, „NOZ“, der „Mitteldeutsche Rundfunk“ und andere. Die „Stern“-Geschichte las sich („ein AfD-Politiker berichtet nun“) zumindest in der Unterzeile so, als hätte der „Stern“ mit Kirchner gesprochen, und verfüge über Informationen aus erster Hand.

Hatte er allerdings nicht. Die Geschichte von der Kirchner-Visite auf Lesbos ist falsch. „Ich war noch nie in meinem Leben in Griechenland“, sagt der Politiker auf Nachfrage von „Tichys Einblick“. Er habe inzwischen rechtliche Schritte gegen verschiedene Medien eingeleitet. Die dpa zog die Meldung mittlerweile zurück. Kirchner sagte, eine dpa-Mitarbeiterin habe ihn angerufen und sich bei ihm entschuldigt.

Wie kam es überhaupt zu der Falschmeldung? Aus Lesbos hatte der Videoblogger Oliver Flesch mit Kameramann Stefan Bauer gefilmt, Migranten und Einwohner interviewt und mit der Polizei gesprochen. Flesch steht der „Identitären Bewegung“ und generell der Rechtsaußen-Szene nah, er wurde tatsächlich von linken Demonstranten auf Lesbos erkannt und zusammen mit Bauer nach eigenen Angaben umringt, konnte aber mit Hilfe der Polizei unbeschadet abziehen. Davon berichtete Flesch in seinem Video-Blog. Kameramann Bauer ähnelt dem AfD-Mann Kirchner, wenn auch nur sehr entfernt. Bei beiden handelt es sich um mittelalte Männer mit Kahlkopf.

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