Der politische Islam zu Gast in der Jüdischen Gemeinde Berlin

Ein Augenzeugenbericht für starke Nerven aus der Oranienburger Straße

Bernd Seemann filmte beim Auftritt von Fereshta Ludin (kleines Bild).© FOTODIENST

Von Paul Möllers

Mit der „Berliner Erklärung bürgerschaftlicher Solidarität“ will die Jüdische Gemeinde auch dem wachsenden Antisemitismus begegnen. Im Rahmen der Vorstellung des Bündnisses kamen zu einer Gesprächsrunde zusammen:

Sigmount Königsberg, der Antisemitismusbeauftragte der Jüdischen Gemeinde zu Berlin

Rabbiner Yehuda Teichtal, Chabad Berlin

Lorenz Korgel, Ansprechpartner für Antisemitismus im Senat

Fereshta Ludin, Berliner Forum der Religionen

Überraschend der Auftakt: Moderator Dr. Christian Staffa von der Evangelischen Akademie fragte zunächst Fereshta Ludin nach ihren Erlebnissen mit Anfeindungen, denn „die Erfahrung von Frauen mit Kopftuch ist ja nicht so sichtbar in den Medien“. Frau Ludin hatte nun Gelegenheit, über die aus ihrer Sicht dramatische Lage von „Muslimas“ in Deutschland zu sprechen. Aus dem Publikum gab es dazu einen Zwischenruf, „Warum darf eine Islamistin hier auf dem Podium sitzen?“

Was könnte es mit diesem Vorwurf auf sich haben?

Fereshta Ludin ist bekannt seit dem Kopftuchstreit Ende der 1990er Jahre, und Alice Schwarzer schrieb über sie:

„Bei ihrer Verfassungsklage argumentierte die gebürtige Afghanin Fereshta Ludin, die qua Heirat Deutsche wurde, mit dem Grundrecht der Glaubensfreiheit und dem Recht auf freie Berufswahl. Dem hält die beklagte Ministerin Anette Schavan das strikte Neutralitätsgebot des Staates sowie das demokratische Grundprinzip der Trennung von Staat und Religion entgegen. Darüber hinaus vertritt die CDU-Ministerin die Auffassung: Das Tragen des Kopftuches gehört nicht zu den religiösen Pflichten einer Muslimin. Die Mehrheit der Frauen trägt weltweit kein Kopftuch. Vielmehr wird das Kopftuch auch in der innerislamischen Diskussion als Symbol für politische Abgrenzung gewertet.

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