„East Side Story – A German Jewsical” am Maxim-Gorki-Theater in Berlin

Szene aus "East Side Story - A German Jewiscal" am Maxim-Gorki-Theater in Berlin. Die Schwestern Renate (Sesede Terziyan) und Gerda (Nairi Hadodo) kehren nach Berlin zurück. © Foto: Ute Langkafel MAIFOTO

Mit „East Side Story – A German Jewsical“ wagt das Maxim-Gorki-Theater ein ebenso ungewöhnliches wie kluges Unterfangen: jüdisches Leben in der DDR als Musical zu erzählen. Regisseurin Lena Brasch und Autor Juri Sternburg verdichten die Erfahrungen jüdischer Remigranten nach 1945 zu einer vielschichtigen Familiengeschichte zwischen Hoffnung, Anpassung und innerem Widerstand. Getragen von eingängiger, zeitgenössischer Musik und starken schauspielerischen Leistungen verbindet die Inszenierung historische Motive mit emotionaler Unmittelbarkeit. So entsteht ein ebenso unterhaltsamer wie anregender Abend, der ein selten beleuchtetes Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte selbstbewusst auf die Bühne hebt. (JR)

Von Sabine Schereck

Die ersten Nachkriegsjahre waren im sowjetischen Sektor und der frühen DDR von den Idealen geprägt, eine bessere, gerechtere Welt zu schaffen. Viele jüdische Exilanten, die sich der deutschen Kultur heimatlich verbunden fühlten und zurückkehrten, zogen bewusst dorthin, um ein neues Deutschland aufzubauen. Wie sich ihr Leben dort entfaltete, ist erst in den letzten Jahren Gegenstand der Forschung worden, beispielsweise brachte das Jüdische Museum Berlin 2023 die groß angelegte Ausstellung „Ein anderes Land. Jüdisch in der DDR”. Es waren vielfach jüdische, kommunistisch gesinnte Intellektuelle, die im sozialistisch ausgerichteten Staat eine Chance sahen. Darunter Horst Brasch, Kulturminister der DDR. Wie kompliziert sich das Leben dort gestaltete, insbesondere als seine Söhne Thomas, Peter und Klaus dem Regime kritisch gegenüberstanden, ist wunderbar in Marion Braschs autobiografischen Roman „Ab jetzt ist Ruhe” eingefangen. Sie ist das jüngste Geschwisterkind. Ihre Tochter Lena brachte nun als Regisseurin „East Side Story – A German Jewsical” auf die Bühne des Maxim-Gorki-Theaters in Berlin. Jüdisches Leben in der DDR als Musical zu präsentieren, ist eine brilliante Idee. Das von Juri Sternburg geschriebene Stück, zu dem Paul Eisenach die Musik schuf, bündelt anhand einer imaginären Familie die Geschichten vieler jüdischer Remigranten.

Hier kehren die Schwestern Renate (Sesede Terziyan) und Gerda (Nairi Hadodo) kurz nach Kriegsende nach Berlin zurück. Renate erhofft sich eine bessere Zukunft in der DDR, Gerda träumt von einer Karriere als Sängerin in New York. Den Namen der dritten Schwester, Dora (Jasna Fritzi Bauer), bekommt Renate kaum über die Lippen. Man glaubt, sie sei im Holocaust umgekommen. Sie begleitet die Story kommentierend, ihr modernes schwarzes Kleid verweist auf die 1980er Jahre. Die Mutter (Lindy Larsson) war vor dem Krieg Gastgeberin von Salons. Sie nimmt diese Tätigkeit wieder auf – wird erzählt. Nun finden sich auch Vertreter der vier Besatzungsmächte ein, um informell das zu besprechen, was ihre Uniform nicht zulässt. Der Vater (Edgar Eckert), d.h. Stiefvater, denn er ist mit den jüdischen Ritualen der Familie weniger vertraut, ist Schriftsteller. Dank ihrer politischen Eingebundenheit in den Staat werden sie von der sowjetischen Bestatzungsmacht privilegiert behandelt: sie erhalten im zerbombten Berlin ihre ehemalige Wohnung zurück und zusätzliche Lebensmittel. Auch der Schwarzmarkt ist Thema, doch seine sonderbare Darstellung entspringt eher der Fantasie. Regisseurin Brasch erklärte in einem Interview, dass historische Genauigkeit nicht ihr Anliegen war, das wird insbesondere bei der Ausstattung sichtbar. Für ein älteres Publikum, das mit den dargestellten Epochen vertraut sein dürfte, und Geschichtskenner, mag dies schwer zu schlucken sein – trotz interessanter Referenzen zu Hildegard Knef, Marlene Dietrich und Fritz Bauer, der Anwalt, der in Westdeutschland NS-Verbrechen zur Rechenschaft zog.

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