Deutsch-jüdische Künstler im Stillstand des Exils

„Kabarett der Namenlosen“ heißt Susanne Schädlichs Roman über die deutsch-jüdischen Emigranten aus dem Berliner Theatermilieu, die sich meist ihrer kreativen Identität beraubt, irgendwie in Hollywood durchlagen mussten und im German Jewish Club of 1933 eine Anlaufstelle fanden. Ihr streng dokumentarisches Buch zeichnet mit kühler Präzision die Lebensläufe jüdischer Exilanten nach, die vor der Verfolgung der Nationalsozialisten flohen und in den USA um ihre künstlerische Anerkennung kämpften. Im Zentrum steht Leopold Jessner, dessen Schicksal exemplarisch für eine Generation steht, die in Europa vertrieben und in Amerika nur geduldet war. Gerade der nüchterne Ton macht deutlich, wie wenig Glamour das Exil kannte und wie sehr Erinnerung, Verlust und religiöse Verwurzelung den Alltag dieser jüdischen Vergessenen bestimmten. (JR)
„Kabarett der Namenlosen“ nennt Susanne Schädlich ihren Roman, in dem sie von Exilanten aus dem Berliner Theatermilieu berichtet, die sich meist ihrer kreativen Identität beraubt, irgendwie in Hollywood durchlagen mussten und im German Jewish Club of 1933 eine Anlaufstelle fanden.
Der Titel bezieht sich auf Erich Lowinskys „Kabarett der Namenlosen“, der dieses zwischen 1926 und 1933 in Berlin betrieb. Es ist ein schöner Titel, denn „namenlos“ sind sie in der Fremde geworden und einige sind heute kaum noch bekannt wie Erich Lowinsky, genannt Elow, oder Walter Weinlaub, der seinen Namen im Laufe seiner Karriere der Umgebung anpasste und zuletzt Wicclair hieß. Allerdings gleicht der oft letzte Abschnitt ihrer Leben eher einem Trauerspiel als einem Kabarett. Zahlreiche Lebensläufe werden nachgezeichnet, sie entstammen größtenteils aus dem Schaffenskreis des renommierten Theaterdirektors und Regisseurs Leopold Jessner, der in den 1920er Jahren das Berliner Schauspielhaus leitete und sich durch moderne Inszenierungen von Klassikern als auch von Gegenwartsautoren hervortat. Er kristallisiert sich als Hauptfigur heraus und sein Schicksal zieht sich wie ein roter Faden durch die Narrative, mit dem die seiner Mitstreiter verflochten sind.
Realitätsnahe „Dokufiktion“
Obwohl als „Roman“ klassifiziert, zögert man im Zusammenhang mit dem Buch die Worte „Geschichte“ oder „Erzählung“ zu nutzen, da der nüchterne, dokumentarische Ton einem Sachbuch gleicht, was etwas verwirrend und gewöhnungsbedürftig ist. Die Autorin selbst spricht von „Dokufiktion“, was sehr angemessen ist, denn es wurde viel recherchiert, um die Geschehnisse möglichst akkurat wiederzugeben. Entsprechend ist es sehr interessant, einen detaillierten Einblick in das Dasein der Emigranten zu erhalten, die abseits des Rampenlichts standen und deren Leben nicht bereits Bücherregale füllen wie die von Thomas Mann, Alfred Döblin, Bertolt Brecht oder Leon Feuchtwanger, die hier nur im Hintergrund auftauchen. Regelmäßig in Erscheinung treten hingegen Fritz Kortner, Ernst Deutsch, Alfred Polgar, Bruno Frank, Ludwig Marcuse, Elisabeth Bergner und Alexander Granach.
Sie können diesen Artikel vollständig in der gedruckten oder elektronischen Ausgabe der Zeitung «Jüdische Rundschau» lesen.
Vollversion des Artikels
Sehr geehrte Leserinnen und Leser!
Hier können Sie
die Zeitung abonnieren,
die aktuelle Ausgabe oder frühere Ausgaben kaufen
oder eine Probeausgabe der Zeitung bestellen,

in gedruckter oder elektronischer Form.
Sehr geehrte Leser!
Die alte Website unserer Zeitung mit allen alten Abos finden Sie hier:
alte Website der Zeitung.
Und hier können Sie:
unsere Zeitung abonnieren,
die aktuelle oder alte Ausgaben bestellen
sowie eine Probeausgabe bekommen
in der Druck- oder Onlineform

Werbung














