Antisemitische Attacken auf den jüdischen Maler Cyrus Overbeck

Es ist ein Skandal für sich, dass bis jetzt kaum bekannt geworden ist, dass der Stadtrat der nordfriesischen Kleinstadt Esens erst 2011 Adolf Hitler die Ehrenbürgerschaft entzogen hat. Bei der Reichstagswahl vom 5. März 1933 hatte die NSDAP 56,8 % der Stimmen erzielt. Nachdem der deutsch-persisch-jüdische Künstler Cyrus Overbeck dort ein neonazistisches Netzwerk aufgedeckt hatte, bekam er den real-existierenden Rechtsextremismus hautnah zu spüren: Hassmails mit Gewaltdrohungen, das Fenster an seinem Atelier mit „Judensau“ beschmiert, tätliche Angriffe und gefährliche Manipulationen an seinem Auto bis zu Morddrohungen waren bis zu seinem derart erzwungenen Wegzug seine alltäglichen Begleiter. (JR)

Cyrus Overbeck an der Staffelei: „Auf der Flucht“ © © Cyrus Overbeck

Von Theodor Joseph

Esens ist eine Kleinstadt im ostfriesischen Landkreis Wittmund, Verwaltungssitz der Samtgemeinde Esens. Historisch gehört die Stadt zum Harlingerland sowie zur Grafschaft Ostfriesland. Das beschauliche Städtchen hat etwa 7.000 Einwohner. Es gibt jedes Jahr ein Schützenfest: 2002 feierte die Stadt Esens das 425-jährige Bestehen der Schützencompagnie Esens e. V., die 1577 als Bürgerwehr und Garant der bürgerlichen Ordnung gegründet wurde. Tradition wird hier von jeher großgeschrieben. Nachgerade normal, harmonisch, und zumeist gemütlich geht es in Esens zu. Gemütlich: Das ist ein Adjektiv, das angeblich eine typisch deutsche Wesensart bezeichnet und sich etymologisch von „das Gemüt betreffend“ ableitet in der Bedeutung von „gleichen Sinnes, angenehm, lieb“.

Bei der Reichstagswahl vom 5. März 1933 errang die NSDAP 56,8 % der Stimmen. Die unter dem Namen „Kampffront Schwarz-Weiß-Rot“ angetretene Deutschnationale Volkspartei erzielte 21,1 %. SPD und KPD erhielten 13,8 % bzw. 2,9 %.

Nach der Kommunalwahl am 12. März 1933 wurde in der Stadt ein neues Bürgervorsteherkollegium gebildet, das als eine der ersten Maßnahmen den Ausschluss von Juden bei der Auftragsvergabe für Lieferungen an die Stadt beschloss. Der Boykott jüdischer Geschäfte begann in Esens am 28. März 1933, bereits vier Tage vor dem „offiziellen“ Judenboykott im gesamten Reich. Am 12. April 1933 berichtete die ostfriesische Tageszeitung aus Esens: „Juden gehören nicht in deutsche Schützenvereine. In der letzten Mitgliederversammlung wurden sämtliche Ausländer einschließlich Juden von der Mitgliedschaft ausgeschlossen.“

Fragwürdige Vergangenheitsbewältigung

Die jüdische Gemeinde in Esens bestand über einen Zeitraum von rund 300 Jahren. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann der Exodus der Esenser Juden. Am 9. März 1940 meldeten sich das letzte Gemeindemitglied bei der Stadtverwaltung ab. Während des Holocaust wurden mindestens 46 Mitglieder der jüdischen Gemeinde Esens Opfer der Verfolgungen; 56 Personen entgingen den Deportationen durch Emigration ins Ausland. Am 16. April 1940 vermeldete der Wittmunder Landrat dem Regierungspräsidenten in Aurich: „Die Städte Esens und Wittmund sind judenfrei.“

66 Jahre nach seinem Tod wurde Adolf Hitler vom Esenser Stadtrat im Februar 2011 die Ehrenbürgerschaft entzogen. 77 Jahre nach dem Erkalten der Krematorien von Auschwitz wurden 2022 in Erinnerung an jüdische Familien in Esens die ersten Stolpersteine verlegt.

In Esens bleibt man gerne unter sich. Und auf die eigenen Bürger lässt man nichts kommen – schon gar nicht, wenn es um die Nazi-Vergangenheit geht. Man hält zusammen, es herrscht ein gewisser Korpsgeist. Fremde werden beargwöhnt, vor allem dann, wenn sie unbequeme Fragen stellen. Dann heißt es vielsagend und doppeldeutig: „Fremden bekommt unser Reizklima nicht.“ Das musste auch der Künstler Cyrus Overbeck mit seinem deutsch-persisch-jüdischen Hintergrund erfahren.

Das Wohnhaus Westerstraße 9, „Bürgermeister Becker Haus“, erbaut 1861 ist ein repräsentatives privates Wohnhaus in Esens. In diesem Haus wohnte und arbeitete der aus Duisburg stammende international renommierte Künstler Cyrus Overbeck von 2003 bis 2020. (Vgl. JR 7/2022, S. 38f.) Man hatte ihn - Mitglied der Europäischen Akademie der Künste Salzburg – eingeladen, die Stadt Esens mit Leben und Kunst zu füllen, um die Stadt aufzuwerten.

In Esens traf Cyrus Overbeck auf Hans-Christian Petersen, der hier eine Galerie betreibt, die sich auch dem Erbe des Nazi-Malers Wilhelm Petersen verpflichtet fühlt. Hans-Christian Petersen ist Maler, Grafiker und Objektkünstler. Er ist der Sohn Wilhelm Petersen, der, von Heinrich Himmler zum „Kriegsmaler der SS“ ernannt, zur gefeierten Künstlerprominenz während des Nationalsozialismus gehörte, und von dem Menschenverachtende und unmissverständliche antisemitische Äußerungen überliefert sind. Indem Hans-Christian Petersen 1993 (Neuauflage 2008) zusammen mit Uwe Christiansen und Alain de Benoist (als Reihenherausgeber) eine Biografie seines Vaters im vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften Grabert-Verlag herausgab, positionierte er sich selbst im neo-nazistischen Milieu und steht damit in der politisch-ideologischen Kontinuität seines Vaters.

Der NS-Rassemaler Wilhelm Petersen

Der Grabert-Verlag ist nicht irgendein Verlag. Er steht für Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus. Wer im Hohenrain-Verlag (Wigbert Grabert hatte 1985 als Tochterunternehmen des Grabert Verlags den Hohenrain Verlag gegründet) oder Grabert Verlag publiziert, hat eine bewusste ideologisch-politische Entscheidung getroffen und sich damit zu den Verlagszielen bekannt, d.h. als rechtsextrem zu erkennen gegeben. Seit den 1960er Jahren gilt dieser Verlag und seine Autoren, des nationalistischen und völkisch-rassistischen Denkens wegen, als „Standard-Verlag der Holocaustleugner“. Das Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg zählte den Grabert Verlag und seine assoziierten Unternehmen 2012 zu den „bedeutendsten organisationsunabhängigen rechtsextremistischen Verlagen in Deutschland“. Wegen der ideologischen Ausrichtung des Verlagsprogramms kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Indizierungen und Verurteilungen seitens des Bundesgerichtshofes oder des Amtsgerichts Tübingen.

Hans-Christian Petersen bewegt sich als Nachlassverwalter und Besitzer der Urheberrechte seines Vaters in rechtsextremen Foren (Galleria d’Arte Thule Italia; Deutsches Warenhaus, Nordlandverlag u.a.) und teilt diese Kombattantenschaft mit Vertretern der Neuen Rechten und der völkisch-identitären Bewegung wie Alain de Benoist, Thorsten Heise, Eric Kaden oder Pierre Krebs, die für antisemitische, kriegsverherrlichende und nationalsozialistische Inhalte stehen. (Auf der Internetseite von Thule Italia war und ist Hans-Christian Petersens Galerie-Adresse in Esens mit sämtlichen persönlichen Koordinaten – Telefon; Fax; Email – hinterlegt mit dem in holprigem Deutsch verfassten Kommentar: „Der Sohn des Künstlers (Wilhelm Petersen – LJH) er auch geschickter Maler, erstellt die Webseite … hingebungsvoller Vater bei der Arbeit...“)

Schulwandtafel Wilhelm Petersen („Altgermanische Bestattung“) mit retuschierten Hakenkreuzen (Swastika)© © Sammlung C. Overbeckr

Der NS-Rassemaler Wilhelm Petersen (von Hitler persönlich zum Professor ernannt und vom Reichsführer SS, Heinrich Himmler, gelegentlich in Kunstfragen kontaktiert), der Vater von Hans-Christian Petersen, war glühender Nationalsozialist, Mitglied der SS und Kriegszeichner für das Propaganda-Ministerium. Wilhelm Petersen blieb, als Maler des „Nordens“, der Ideologie des Nationalsozialismus stets treu, und auch nach 1945 Antisemit und Rassist, NPD-Mitglied. Wilhelm Petersen hat seine Gesinnung nie bereut, bis zum Ende seines Lebens nicht. Er starb 1987.

Inhaltlich versammelt der Bildband „Wilhelm Petersen. Der Maler des Nordens“ ein ganzes Arsenal kriegsverherrlichender Zeichnungen und auch die vorausgeschickte biographische Skizze lässt keine Distanzierung zu faschistischem Gedankengut erkennen. Im Gegenteil: Hier wird durch bewusstes Beschweigen einem historischen Revisionismus das Wort geredet, wenn es z.B. heißt, Wilhelm Petersen habe als freiwilliges Mitglied der „Brigade Ehrhardt“ bei „allen Unternehmungen dieser 2. Marine-Brigade“ mitgewirkt und sei im „Auftrag eines anderen berühmten Freikorpsführers, Manfred von Killinger“ tätig gewesen. Alle Unternehmungen? Berühmter Freikorpsführer? Dieser Brigade ging der Ruf besonderer Brutalität voraus, die ihren vorläufigen Höhepunkt im konterrevolutionären Kapp-Lüttwitz-Putsch vom März 1920 erlebte. Das gemeinsame Band dieser marodierenden und mordenden Truppe mit einem Hakenkreuz auf dem Helm war der antirepublikanische, völkisch-identitäre Geist. Und Killinger, u.a. Auftraggeber am Mord an Matthias Erzberger und in den Rathenau-Mord verwickelt, befahl die vollständige Entfesselung menschlicher Grausamkeiten. „Mit den Köpfen werden wir noch einmal die Straßen pflastern“, schwelgte er, ein Vorgesetzter von Petersen. Kein Wort darüber von seinem Sohn.

Aufklärer unerwünscht

Cyrus Overbeck ist ein Aufklärer, stammt aus einer Familie, die aktiven Widerstand gegen Hitler geleistet hat, dem es nach den Attentaten von Mölln, Hanau und Halle, den NSU-Morden, dem Mord an Walter Lübcke darum geht, nationalsozialistische Kontinuitäten auszumachen und zu demaskieren. 2018 hatte er in einer Kanzelrede in der Esenser St. Magnus-Kirche - Eli Wiesels Satz, dass das Gegenteil von Liebe nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit sei, zitierend - die dunkle Vergangenheit Esens angeprangert und angemahnt, sich dieser zu stellen. Und damit hatte er Unruhe in die Esenser Gesellschaft gebracht. Unter Verbalinjurien wurde er von der Kanzel gebuht. Overbeck stand in der St. Magnus-Kirche an eben jenem Ort, an dem Sara Oppenheimer (1840-1906), aus einer alteingesessenen jüdischen Familie Esens stammend, eine der bedeutendsten Altistinnen ihrer Zeit, 1864 ein Auftritt als Sängerin verwehrt worden war. Auch der gegen sie gerichteten antijüdischen Vorurteile wegen verließ sie Esens.

Nachdem Overbeck ein neonazistisches Netzwerk aufgedeckt hatte - darunter die Tatsache, dass Hans-Christian Petersen die Nazi-Kunst seines Vaters über rechtsextreme Foren wie die in Deutschland verbotene Thule-Gallerie vertreibt, beantragte er, in seinem demokratischen Selbstverständnis herausgefordert, 2019 beim Esenser Stadtrat die Entfernung der Werke Hans-Christans Petersens aus dem öffentlichen Raum, insbesondere dessen Objekte vor der Künstlersozialkasse in Wilhelmshaven, die alle Künstler vertritt – auch Cyrus Overbeck. Es folgte ein regelrechter Shitstorm gegen Overbeck, der den real-existierenden Rechtsextremismus hautnah zu spüren bekam: Hassmails mit Gewaltdrohungen, das Fenster an seinem Atelier mit „Judensau“ beschmiert, tätliche Angriffe und gefährliche Manipulationen an seinem Auto bis zu Morddrohungen waren seine alltäglichen Begleiter. Er wurde durch die Straßen Esens gejagt. Angesichts dieser Bedrohungen gab Overbeck nach 16 Jahren auf. Hals über Kopf floh er aus Esens.

Demokratie ist ein fragiles Gebilde, das immer aufs Neue verteidigt werden muss. Cyrus Overbeck ist ein Mensch, der sich nicht an antidemokratische und antisemitische Attacken gewöhnen mag, jemand, der in seinem Leben als Mensch und Künstler vehement für demokratische Werte eintritt. Er beschuldigte Mitglieder des Esenser Stadtrates sowie zwei weitere Personen, die neonazistischen Aktivitäten von Hans-Christian Petersen zu decken und sich damit zu Eigen gemacht zu haben.

„Nordische“ Ideologie

„Maler des Nordens“ haben die beiden Herausgeber Uwe Christiansen und Hans-Christian Petersen ihren Bildband über Wilhelm Petersen betitelt und als Band 2 in der von Alain de Benoist herausgegebenen Reihe „Kleine Bibliothek der deutschen Kunst“ der Öffentlichkeit vorgelegt. Der Titel ist mit Bedacht gewählt, und damit das malerische Schaffen Wilhelm Petersen aus ihrer Sicht treffend benannt. Maler des „Nordens“: Das versteht sich gewiss nicht allein als eine geografische Zuschreibung wie etwa eine Windrichtung. Der „Norden“ lässt Raum für assoziative Überlegungen und es lohnt sich, einen fokussierten Blick auf diese Bezeichnungen zu werfen, einen etymologischen Exkurs über die Begriffe „Norden“ oder „nordisch“ zu unternehmen. Diese Begriffe hatten in der NS-Terminologie Konjunktur. Die Nazis hatten es mit „Blut“ und „Rasse“ – und mit einem Nordizismus.

„Norden“ oder „nordisch“ sind Begriffe mit einer von den Nationalsozialisten gekaperten Nebenbedeutung für „arisch“. In den 1920er und 30er Jahren bekam das Adjektiv „nordisch“ in Deutschland eine rassenbiologische Konnotation. Im Mittelpunkt der NS-Ideologie steht der Traum vom Norden, in dem die nordische Rasse als Spitzenexemplar der germanischen Rasse gilt. Der Norden bedeutete im Dritten Reich die Heimat des germanischen Geistes. „Germanisch(-arisch)“ und „nordisch“ wurden in der NS-Ideologie synonym als positiv konnotierte Fahnenwörter verwendet. Sven Hedin, der in Deutschland viel gelesene schwedische Geograph und Entdeckungsreisender, ein Bewunderer des Dritten Reichs und dessen Führer, der von einer pan-germanischen Vision besessen war, gebrauchte die Begriffe „germanische Rasse“ und „nordische Rasse“ in der Regel synonym. Meyers Lexikon verzeichnete 1936 das Lexem mit der folgenden Definition: „Das Bestreben in einem aus mehreren Rassen gemischten Volk den Anteil der nordischen Rasse zu erhöhen.“

„Skandinaviertum ist gleichsam gereinigtes Deutschtum oder gesteigertes Deutschtum; der Norden ist das, was wir sein sollten oder werden müssen.“ So schrieb 1942 Otto Höfler, germanistischer und skandinavistischer Mediävist, in einem Bericht an den SS-Reichsführer Heinrich Himmler. Und dieser ergänzte: „Unser Volk steht und fällt damit, ob es genügend nordisches Blut hat, ob dieses Blut sich vermehrt oder zu Grabe geht, denn geht es zu Grabe, so bedeutet es das Ende des ganzen Volkes und seiner Kultur“, so Himmler 1938 in einer Rede vor der Auslandsorganisation der NSDAP.

Anders der Romanist, Philologe und unbestechliche Chronist über die Zeit des Nationalsozialismus, Victor Klemperer, der nur unter äußerst schwierigen Bedingungen die NS-Diktatur überlebte, die er sprachlich dokumentierte, und analysierte: „Man kann von dieser Idee [einer verfälschten Europa-Idee] sagen, es sei mit ihr das geschehen, was die Rassenpolitiker mit der deutschen Bevölkerung zu tun bemüht waren: sie wurde ‚aufgenordet‘. Alles Europäertum ging nach der nazistischen Doktrin von nordischen Menschen oder Nordgermanen aus, alle Schädigung, alle Bedrohung kam aus Syrien und Palästina … auch Christus (war) blondhaarig-blauäugig-nordisch-germanischen Ursprungs.“

„Jud bleibt Jud“

Genau dieses Niveau vertrat die in den Schulen vermittelte „Rassenkunde“ des Hitlerstaates – und man muss zugeben: mit blutigem Ernst. Hören wir die Stimme Friedrich Reinöhls in seiner für Lehrer verfassten „Abstammungslehre“ von 1940: „Der nordischen Rasse und ihren nächsten Verwandten, die das deutsche Volk zusammensetzen, kommt nach unserer Überzeugung der höchste Wert unter den menschlichen Rassen zu. Durch natürliche Auslese hat sie im Kampf im Laufe ihrer Entwicklung ihre heutige Höhenlage erreicht.“ Und wenige Zeilen weiter heißt es dann, „nordischer Herrenmensch“ bleibt „nordischer Herrenmensch“ - und „Jud bleibt Jud“. Und damit sind wir zurück bei Wilhelm Petersen – der „Maler des Nordens“.

Auch die von Wilhelm Petersen gestalteten die germanische Welt verklärenden Wandbilder waren als didaktische Hilfsmittel im Schulunterricht allgegenwärtig und haben auf ganze Schülergenerationen identitätsstiftend gewirkt. Diese Wandtafeln waren sogar noch nach 1945 - freilich mit übermaltem Hakenkreuz! -im pädagogischen Einsatz.

Wohin man fasst, überall ist dieses „rassisch“ untermauerte Weltbild falsch, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte. Weder hat die deutsche Kultur dort ihre Maxima an bedeutenden Menschen und Leistungen, wo „nordische Rasse“ annähernd rein (im Sinne der NS-Rassenkunde) vorhanden war, also etwa längs der friesischen Küste, noch konnte die Führergarnitur jener Zeit auch nur eine Gestalt aufweisen, die den eigenen rassischen Forderungen nicht geradezu ins Gesicht geschlagen hätte.

Das beschriebene biografische Petersensche Umfeld – Verlagskooperation und Editionsgemeinschaft mit Vertretern der Rechtsextremen – in dem sich Hans-Christian Petersen bewegt(e), weist diesen als einen in nationalsozialistischer Kontinuität stehenden Künstler aus und lässt damit keinen Zweifel an dessen rechtsextremer Gesinnung zu.

Naives Wegschauen

Der Esenser Stadtrat hielt den Overbeckschen Antrag auf Entfernung der Petersen-Werke in seiner Ratssitzung im Juni 2019 für „nicht nachvollziehbar“, wollte keine Hinweise auf Rechtsradikalismus erkennen und verwies auf seine „konstruktive Zusammenarbeit“ mit Petersen. Über alle Parteigrenzen hinweg lehnte der Stadtrat - im Wissen um die Petersensche Gesinnung! - den Antrag ab und machte sich damit mit Petersen gemein. Die städtischen Repräsentanten hielten die Reihen fest geschlossen. Es war ausgerechnet der Vorsitzender des Arbeitskreises Juden und Christen in Esens, der Petersen wider besseres Wissen deckte und mit der Chuzpe aufwartete, der Arbeitskreis habe „überhaupt keine negativen Erfahrungen“ mit Hans-Christian Petersen gemacht, weil dieser „bei Ausstellungen geholfen“ habe und deswegen seien die gegen ihn gerichteten Vorwürfe „absurd“. Diese Bemerkung lässt die bedenkliche Nähe Petersens zu einem erklärtermaßen rechtsextremen Verlag und zu Repräsentanten der Neuen Rechte auf fatale Weise außer Acht. Wer eine publizistische Zusammenarbeit mit einem mehrfach wegen rechtsextremer Tendenzen rechtskräftig verurteilten Verlag leugnet und ignoriert, der exkulpiert den rechtsextremen Zusammenhang gleichermaßen.

Zwei Esenser, denen Overbeck vorgeworfen hatte, Petersens rechtsextreme Haltung zu leugnen und damit zu decken, hatten Anzeige gegen ihn erstattet. Am 18. Juli 2022 verhandelte das Amtsgericht Duisburg-Ruhrort die Causa Overbeck. Verhandlungsgegenstand: Üble Nachrede. Doch es ging um weit mehr – Umgang mit der deutschen NS-Vergangenheit, um Grundfragen der Demokratie. Das Gericht war zu klein, um ein großes Urteil zu fällen - und hat sich zunächst vertagt. Cyrus Overbecks Geschichte ist alles andere als eine Provinzposse. Seine Geschichte reiht sich in ein aktuelles düsteres gesamtdeutsches Gesellschaftsbild ein.

Aus- oder Einfahrt Esens, Nordring, aus Esens kommend, erstes Haus rechts, weht eine Flagge der „Reichsbürger“ fröhlich im Wind, sie flattert der Stadt geradezu voran. „Uns're Fahne ist die neue Zeit. Und die Fahne führt uns in die Ewigkeit!“ Keine juristisch-politische Autorität war bislang willens oder in der Lage, dieses verfassungsfeindliche Symbol aus der Öffentlichkeit zu verbannen. Was Esens betrifft, so ist diese Stadt nicht bereit oder fähig, sich mit ihrer Vergangenheit hinreichend kritisch auseinanderzusetzen. Der NS-Geist ist längst nicht verflogen, der Schoß ist fruchtbar noch.

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