Süddeutsche Zeitung: Antisemitismus seit mehr als 70 Jahren

Immer wieder fällt die Süddeutsche Zeitung mit antisemitischen Entgleisungen auf. Der aktuelle Fall um eine hakennasige Karikatur des auf jüdische Wurzeln zurückgreifenden ukrainischen Präsidenten Selenskyi ist nur die Spitze des Eisbergs. Tatsächlich kann die Zeitung aus München auf mehr als 70 Jahre gedruckten Judenhass zurückblicken. Ob Karikaturen, üble Auschwitz-Vergleiche, Nazi-Sprech in Leserbriefen oder antisemitische „Israelkritik“: Die SZ ist fast immer dabei.

© WIKIPEDIA

Von Julian Plutz

Einigen Lesern, die bereits 1949 Zeitung lasen, dürfte es bei dem Namen „Adolf Bleibtreu“ schaudern. Bei diesem Pseudonym handelte es sich um den Verfasser eines Leserbriefs, den die Süddeutsche Zeitung (SZ) abdruckte und damit eines der erschreckendsten, aber auch eindrücklichsten Beispiel in Sachen Judenhass in sogenannten Qualitätsmedien an den Tag legte. Was war passiert?

Alles begann mit einem Leitartikel des damaligen leitenden Redakteures für Politik, Wilhelm Emanuel Süskind. Der Text erschien kurz vor der ersten Bundestagswahl im August 1949 mit dem Titel: „Judenfrage als Prüfstein“. Dort plädierte er, dass man die wenigen zurückgekehrten jüdischen Flüchtlinge, nicht vergraulen, sondern „halten“ sollte.

Jedoch argumentierte Süskind nicht etwa damit, dass diese Juden zurück in ihre Heimat kehren sollten, von der sie flohen oder von der sie deportiert wurden. Sein Kalkül war perfider. Für ihn war der Jude das Gegenstück eines deutschen „Wir“, wodurch sich der Deutsche separieren konnte.

„Ungewöhnlich starker Widerhall“ aufgrund von lupenreinem Judenhass

Süskind bezog sich in seinem Text auf den Schwarzmarkt an der Möhlstraße in Bogenhausen. Hier handelten viele jüdische Flüchtlinge, was ihm und viele Anwohner ein Dorn im Auge gewesen war. Und so forderte Süskind von seinen deutschen Landsleuten, "dass wir - moralisch - eine besondere Rücksicht und Zartheit den Juden gegenüber walten lassen wollen, auch wenn der einzelne Jude Rücksicht und Zartheit nicht herausfordert. Dass wir - intellektuell - unser Urteil nicht bestimmen lassen von Fehlern einzelner Juden und auch nicht von Fehlern, die das ganze Volk in seiner Durchgezüchtetheit besitzen mag." Purer Antisemitismus, ausgerechnet von der progressiven Süddeutschen Zeitung? Das geht.

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