Deutschlands Hoffnung: Gas-Käufe aus Israel

Israels Gasfelder Leviathan und Tamar rücken angesichts des Russland-Ukraine-Kriegs geopolitisch in den Focus deutscher Energie-Interessen. Auf der Suche nach neuen Gas-Lieferanten reiste Wirtschaftsminister Robert Habeck auch nach Jerusalem. Er musste aber unverrichteter Dinge wieder abreisen. Den Deal an Deutschland vorbei macht dafür, ausgerechnet die von Deutschland in den Chef-Posten hinein gedrückte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Sie unterzeichnete einen Vertrag, der Erdgaslieferungen aus Israel über Ägypten nach Europa vorsieht. (JR)

In Robert Habecks Partei gibt es genügend Israel-Gegner, die den jüdischen Staat liebend gerne boykottieren würden. © GIL COHEN-MAGEN / AFP

Von Jürgen Th. Müller

Robert Habeck präsentiert sich bei seiner Nahostreise als Macher. Der 54-Jährige tritt in Israel als Vizekanzler auf, der das Zeug hat, den blassen Olaf Scholz zu beerben. Er wirbelt geradezu durch eine Flut von Terminen. Im Gegensatz zu seiner grünen Parteifreundin Annalena Baerbock, die sich in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem mit einem verschwurbelten Instagram-Post blamierte, bleibt der Politprofi stets souverän. Der wahrscheinlich beste Darsteller der aktuellen Bundesregierung absolviert seine Auftritte unfallfrei. Ganz Staatsmann betont er mehrfach die besonderen Beziehungen zwischen Israel und Deutschland. Dass sein Besuch in Israel keine Schlagzeilen macht, liegt an den äußeren Umständen: Israel hat gerade mit einer Terrorwelle zu kämpfen, die Regierung Bennett ringt – letztlich vergebens - um ihr politisches Überleben, US-Präsident Joe Biden kündigt einen Besuch in Jerusalem an. Da bleibt für den ambitionierten deutschen Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz kaum eine Spalte auf den ersten Seiten der Tageszeitungen.

Habeck hat es eilig

Er will die Abhängigkeiten von russischen Energieimporten beenden, und das so schnell wie möglich. „Ich habe deutlich gemacht, dass Deutschland jetzt Erdgas braucht, um sich von den russischen Lieferungen zu diversifizieren“, doziert er zum Auftakt seiner Nahostreise in Jerusalem. Israel verfügt über erhebliche Mengen an Erdgas: Die beiden Gasfelder Leviathan und Tamar befinden sich westlich von Haifa, etwa drei Kilometer unter dem Meeresboden. Tamar verfügt über schätzungsweise 240 Milliarden Kubikmeter Erdgas, Leviathan über 450 Milliarden. Israel produziert rund 70 Prozent seines Stroms aus Erdgas. Doch der Binnenmarkt ist für die teure Erschließung der Felder zu klein. Jerusalem versucht deshalb seit Jahren, den Rohstoff international zu vermarkten.

Die Erwartungen an Habeck waren deshalb groß. Die Israelis hofften, der deutsche Macher würde Schwung in das Projekt „EastMed-Pipeline“ bringen, durch die über Zypern und Griechenland Erdgas nach Mitteleuropa transportiert werden soll. Doch Habeck verpasst diesen Vorstellungen rasch einen Dämpfer: Deutschland brauche das Gas sofort. Fachleute rechnen für den Bau der Pipeline mit einer Bauzeit von sieben bis neun Jahren. Viel zu lange für den Grünen-Politiker, der sich schnellstmöglich von fossilen Brennstoffen verabschieden möchte.

Links-grüne Befindlichkeiten

Man merkt Habeck an, dass er unter Druck steht. In seiner Heimat explodieren die Energiepreise, der Ausbau von Wind- und Solarenergie kommt nicht im gewünschten Tempo voran, der Tankrabatt der Ampel-Regierung erweist sich als Flop. Das begehrte Gas aus Israel soll nach Deutschland fließen, aber nicht durch ein 3000 Kilometer langes Rohrsystem. Die Lösung liegt in Ägypten. Dort gibt es ein Flüssiggas-Terminal, von dem aus das Gas nach Europa verschifft werden könnte.

Auf links-grüne Befindlichkeiten nimmt Habeck keine Rücksicht mehr: In seiner Partei gibt es genügend Israel-Gegner, die den jüdischen Staat liebend gerne boykottieren würden. Aber wer die totalitären Unrechts-Regime in Saudi-Arabien und Katar hofiert, kann Israel nicht aus angeblich moralischen Gründen ausschließen.

Habeck trifft Regierungschef Bennett, der sich eine ganze Stunde Zeit nimmt für den deutschen Vizekanzler. Außerdem spricht er mit Außenminister Jair Lapid, Wirtschafts- und Industrieministerin Orna Barbivai sowie Energieministerin Karine Elharrar, die auch für Klimaschutz zuständig ist. Konkrete Ergebnisse werden nicht bekannt. Habeck muss weiter, absolviert einen kurzen Pflichtbesuch bei den „Palästinensern“ und reist in die jordanische Hauptstadt Amman. Dort nimmt er an einer Energie- und Klimaschutz-Tagung teil. Hier ist er in seinem Element: Sicherheits- und Klimapolitik gehören zusammen, die Welt brauche internationale Kooperationen, Wind- und Solarenergie, Wasserstoff: Hauptsache erneuerbar!

Nägel mit Köpfen macht schließlich nicht Habeck, sondern EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Sie kommt nach dem deutschen Minister nach Israel, um in Beersheva die Ehrendoktorwürde der Ben-Gurion-Universität entgegenzunehmen. Sie unterzeichnet einen Vertrag, der Erdgaslieferungen aus Israel über Ägypten nach Europa vorsieht. Genaue Zahlen über den Umfang des Geschäfts sind nicht bekannt, aber Israel soll nach Medienberichten etwa eine Milliarde Schekel pro Jahr daran verdienen (etwa 275 Millionen Euro). Deutschlands Energieprobleme werden dadurch nicht gelöst. Aber das Gas aus dem jüdischen Staat hilft der unter Druck stehenden Regierung in Berlin.

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