Der Triumph und die Tragödie des „Ältesten von Zion”

Am 24. Juni 1922 ermordeten Rechtsextremisten den jüdischen Außenminister der Weimarer Republik Walther Rathenau. Sein Leben stellte der Jude und vielbegabte Patriot in den Dienst seines deutschen Vaterlandes. Doch mit seiner Entspannungs- und Annäherungspolitik war der liberale und weltläufige Politiker nationalistischen Kreisen in Deutschland ein Dorn im Auge. (JR)

Walther Rathenau© WIKIPEDIA

Von Dr. Alexander Gordon

Alle warteten auf diesen Mord. Franz Kafka war überrascht, dass es noch nicht passiert war. Es war jedoch nicht notwendig, Kafkas atemberaubende Vorstellungskraft zu besitzen, um sich vorzustellen, dass dieser außergewöhnliche Mann sicherlich und bald getötet werden würde. Der Hass tobte um ihn herum. Überall gab es Rufe nach seinem Mord. Es schien, dass die Hälfte des Landes ihn als den Schuldigen für alle Unglücke hielt. Er wurde dreifach gehasst, als Jude, als reicher Mann und als Herrscher. Seine Mörder wurden sofort gefasst. Ihre Namen sind bekannt, ihre Motive werden ausführlich beschrieben, aber trotzdem habe ich mir immer wieder die Frage gestellt: Wer hat ihn wirklich getötet? Einer der reichsten, gebildetsten, originellsten und talentiertesten Menschen des zwanzigsten Jahrhunderts?

Im Nachkriegsdeutschland führte die demütigende Last riesiger Entschädigungen zu einer kolossalen Wirtschaftskrise, Hyperinflation und Verarmung. Der Werteverfall schritt voran und auch der Antisemitismus wuchs. In der Weimarer Republik wurde häufiger veröffentlicht, dass die Juden das Land in den Krieg gedrängt hätten. Im Jahr 1922 war der passende Kandidat für solche Anschuldigungen der Jude Walter Rathenau.

Er war einer der gebildetsten Männer seiner Zeit: Ein bedeutender Industrieller, Schriftsteller, Philosoph, Publizist, Doktor der Wissenschaften, Elektrochemiker, Präsident der General Electricity Company, Minister für Wiederaufbau und schließlich Reichsaußenminister.

Der berühmte englische Historiker Norman Cohn schrieb über Rathenau: "Gleich zu Beginn des Krieges sagte er die tödliche Bedrohung voraus, die die britische Blockade darstellen könnte. Um dies zu verhindern, schuf er in überraschend kurzer Zeit eine mächtige Organisation, die es tatsächlich ermöglichte, Deutschland während des gesamten Krieges mit Rohstoffen zu versorgen. Nach dem Krieg arbeitete er unermüdlich daran, Deutschland aus der Isolation zu holen und die Last der Wiedergutmachung zu erleichtern. Im April 1922 unterzeichnete er als Außenminister den Friedensvertrag von Rapallo mit Sowjetrussland, dank dem beide Seiten auf gegenseitige Ansprüche verzichteten. Der Vertrag von Rapallo führte Russland und Deutschland aus der internationalen Isolation heraus.

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