Die jüdischen Falken des deutschen Kaisers

Über 100.000 Juden dienten in der Reichswehr dem deutschen Kaiser im Ersten Weltkrieg, was überproportional zu ihrem Bevölkerungsanteil stand. Unter ihnen der Meisterflieger Wilhelm Frankl. Nur 18 deutsche Piloten waren mit dem Ritterkreuz des Königlichen Hausordens von Hohenzollern ausgezeichnet worden. Und drei von ihnen waren die Juden Wilhelm Frankl, Fritz Beckhardt und Edmund Nathanael. (JR)

Leutnant Wilhelm Frankl

Von Josef Turowski

Am 8. April jährt sich zum 105. Mal der Todestag des deutschen Meisterfliegers des Ersten Weltkriegs, Wilhelm Frankl. Doch seine Lebensgeschichte hätte wohl niemals eine so breite Masse erreicht, wären da nicht vor gut einem Jahr diese zwei Berliner Luftfahrtfans aufgetaucht, mit deren Hilfe Frankl ein Ehrengrab erhielt.

Nach diesem erfolgreichen Aktivismus erinnerte sich die jüdische Presse blitzartig an Frankls jüdische Wurzeln und an die vielen anderen jüdischen Soldaten der Reichswehr im Ersten Weltkrieg.

Bei dieser Gelegenheit möchten wir den Leserinnen und Lesern einen kurzen Überblick über das Schicksal einiger dieser jüdischen Piloten bieten, die tapfer für das deutsche Vaterland ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben. Und wir wollten erzählen, welche Art der „Dankbarkeit“ sie später für ihren Heldenmut und Patriotismus bekommen haben.

Im Deutschen Kaiserlichen Heer dienten zwischen 1914 – 1918 rund 100.000 Juden (jeder fünfte jüdische Deutsche). Von diesen kämpften 80.000 an der Front, 12.000 fielen im Kampf oder gelten als vermisst. 10.000 deutsche Juden meldeten sich freiwillig zum Eintritt in die Armee, darunter zwei Reichstagsabgeordnete. 2000 Juden wurden zu Offizieren befördert, 19.000 zu Unteroffizieren. Es gab sogar 30 Rabbiner im Militärdienst.

Lassen sie uns vorab zwei wichtige Dinge klarstellen: Die Juden in der Diaspora haben das talmudische Prinzip Dina-de-Malchuta-Dina („das Gesetz des Landes ist Gesetz“) befolgt, das ihnen vorschreibt, die Gesetze des Landes, in dem sie leben, zu respektieren, wie es sich für einen loyalen Bürger gehört. Und in Deutschland lebten zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine halbe Million, vorwiegend bestens integrierte Juden, die eine wichtige Rolle in der Wirtschaft und Kultur des Landes spielten.

Und: Unsere Recherchen beziehen sich auf den Ersten Weltkrieg und dürfen keinesfalls mit einer Art Verschwörungstheorie von angeblich jüdischen Wehrmachtssoldaten verwechselt werden.

Mehreren Quellen zufolge waren 135 bis 200 jüdische Piloten in der Reichswehrfliegerei aktiv, 52 von ihnen starben einen Heldentod. Wir werden im Folgenden die Berühmtesten von ihnen genauer unter die Lupe nehmen.

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