175. Geburtstag von Joseph Pulitzer: Ein Journalist mit jüdischen Wurzeln, der zur Institution wurde

Joseph Pulitzer© WIKIPEDIA


Joseph Pulitzer kämpfte im amerikanischen Bürgerkrieg, arbeitete als Totengräber und schaffte es als jüdisch-stämmiger Einwanderer zum einflussreichen Zeitungsverleger. Heute steht der Name des amerikanisch-ungarischen Journalisten für die höchste Auszeichnung, die an Schriftsteller und Medienschaffende vergeben wird. (JR)

Von David Shimanowsky

Als amerikanischer Medienmagnat mit jüdischen Wurzeln, Schöpfer und Former einer neuen Art von Journalismus, gilt er noch immer als Kämpfer für Meinungsfreiheit, Gewissenhaftigkeit und Inbegriff der „vierten Gewalt“. Die höchste Auszeichnung für Journalisten, Schriftsteller und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens trägt seinen Namen.

 

Entdeckung Amerikas

Als ältester Sohn eines wohlhabenden jüdischen Getreidehändlers wurde Joseph (Joe) Pulitzer am 10. April 1847 in der Stadt Mako im Südosten Ungarns geboren. Nach der Pensionierung zog sein Vater mit der Familie nach Budapest, wo seine beiden Söhne eine gute Ausbildung in einer deutschen Privatschule erhielten und bei Privatlehrern Französisch lernten. Joseph wollte das Familienunternehmen nicht weiterführen. Stattdessen träumte er von einer Militärkarriere und entschied sich im Alter von 17 Jahren, Soldat im österreichischen Bundesheer zu werden. Aber wegen seiner schlechten gesundheitlichen Verfassung und Sehschwäche wurde er abgelehnt. Seine Versuche, sich in der französischen Fremdenlegion für eine Expedition nach Mexiko und für den britischen Armeedienst in Indien zu melden, waren nicht von Erfolg gekrönt. Aber in Hamburg gelang es ihm, bei der US-Unionsarmee anzuheuern, die mit den Konföderierten des Südens kämpfte. Über Boston gelangte er nach Amerika, wo es ihm gelang, im 1. New Yorker Kavallerieregiment, das hauptsächlich aus Deutschen bestand, am Finale des Bürgerkriegs teilzunehmen.

Am Ende des Krieges beschloss Joe, nicht in seine Heimat zurückzukehren. In einem fremden Land ohne Geld und Verbindungen, ohne anständige Englischkenntnisse und vor allem ohne klares Lebensziel wanderte er von Stadt zu Stadt, bis er sich in St. Louis (Missouri) niederließ, wo es viele Einwanderer aus Europa gab. Ihm blieb nichts anderes übrig, als irgendwelche Gelegenheitsjob anzunehmen. In der Stadt brach eine Cholera-Epidemie aus, und Joe wurde beauftragt, die Toten zu begraben. Drei Jahre lang arbeitete er als Maultiertreiber, Lader, Kellner, Träger am Bahnhof und Steward auf einem Schiff, das den Mississippi entlangfuhr.

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