„Kein Jude mit zitternden Knien“: Vor 30 Jahren starb Menachem Begin

Dreizehn Ministerpräsidenten haben die Regierung des Staates Israel in den fast 74 Jahren seines Bestehens geführt aber nur einer wurde mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. (JR)

Von Juri KRAMER

1982 kam der israelische Premierminister Menachem Begin zu einem Besuch in die Vereinigten Staaten. Es folgte eine Reihe offizieller Treffen, unter anderem mit dem Kongressabgeordneten Joe Biden. In einem sehr scharfen Gespräch drohte der demokratische Senator dem Premierminister: Wenn Sie nicht auf uns hören, werden wir die Hilfen kürzen. Der ehemalige Anführer der jüdischen paramilitärischen Untergrundorganisation Irgun antwortete: „Drohen Sie uns nicht, Ihre Hilfe einzustellen. Es wird nicht funktionieren. Ich bin kein Jude mit zitternden Knien. Ich bin ein stolzer Jude mit einer Zivilisationsgeschichte von 3.700 Jahren. Niemand kam uns zu Hilfe, als wir in Gaskammern und Öfen starben. Niemand kam uns zu Hilfe, als wir versuchten, unser Land zu gründen. Wir haben dafür bezahlt. Wir haben dafür gekämpft. Dafür sind wir gestorben. Wir werden unseren Grundsätzen treu bleiben. Wir werden sie beschützen. Und wenn es sein muss, werden wir wieder für sie sterben, mit oder ohne Ihre Hilfe.“

 

Der einzige unter dreizehn

Dreizehn Ministerpräsidenten haben die Regierung des Staates Israel in den fast 74 Jahren seines Bestehens geführt, fünf von ihnen wurden zweimal gewählt. Sie alle waren auf die eine oder andere Weise herausragende Politiker ihrer Zeit, aber nur einer der dreizehn, Menachem Begin, wurde mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Er war der sechste Premierminister Israels, über den der erste Premierminister, der legendäre David Ben Gurion, in der Öffentlichkeit sehr deutlich und kritisch sprach, ihn aber immer mit Respekt behandelte, weil sein politischer Gegner in Momenten ernsthafter Wendepunkte für das Land bereit war, seine persönlichen Ambitionen zugunsten eines gemeinsamen Ziels zu opfern. Schon in jungen Jahren, mit einem starken Charakter und Führungsqualitäten ausgestattet, widmete er sein Leben dem Dienst an Israel, leitete in verschiedenen Jahren die Untergrundorganisationen Beitar und Irgun. Die Briten nannten ihn „Terrorist Nr. 1“, die israelische Linke übertraf die Briten und nannte ihn einen „Faschisten“, und seine Mitstreiter, diejenigen, die den Weg Schulter an Schulter mit ihm gingen, schätzten ihren Kameraden für Wahrhaftigkeit, Fairness, Ehre und Würde.

 

An der Spitze von Beitar

Menachem Begin, der zukünftige sechste Premierminister Israels und Friedensnobelpreisträger, wurde am 16. August 1913 in die Familie des Sekretärs der jüdischen Gemeinde der Stadt Brest-Litowsk (heute Brest in Weißrussland) Wolf Begin (Biegun) und seiner Frau Hassia Kossovski hinein geboren. 1913, am Vorabend des Ersten Weltkriegs, als ein Neugeborenes mit seinem ersten Schrei die Ankunft in dieser von Widersprüchen zerrissenen Welt ankündigte, lebten etwa 40.000 Juden in der Stadt. Sie handelten, heilten, bauten und beteten inbrünstig in Synagogen, die es in Brest ebenso wie jüdische Schulen und Geschäfte in Hülle und Fülle gab. Aber kein Gebet rettete die Juden vom Antisemitismus, der die meisten Anwohner ansteckte, seien sie Weißrussen, Ukrainer, Polen oder Russen. Es gab auch Pogrome, besonders die Kosaken waren dabei eifrig.

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