Späte Ehrung: Antonin Kalina, „Gerechter unter den Völkern“

Antonin Kalina wurde von den Nationalsozialisten in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert. Dort rettete er mehr als 900 Kindern das Leben. Unter ihnen den Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel. Erst 2012 wurde ihm posthum dafür der Titel „Gerechter unter den Völkern“ verliehen.

Antonin Kalina© WIKIPEDIA

Von Esther Ginzburg

„Damals herrschte überall die Finsternis. Es schien, dass im Himmel wie auch auf Erden alle Tore der Barmherzigkeit geschlossen waren. Die Mörder mordeten, und die Juden starben, und die Außenwelt war entweder mitschuldig oder blieb fern. Nur wenige hatten den Mut, nicht gleichgültig zu bleiben... Was unterschied sie von ihren Mitbürgern? Warum waren es so wenige? Vergessen Sie nicht: Was das Opfer am meisten schmerzt, ist nicht die Grausamkeit des Unterdrückers, sondern die Gleichgültigkeit des Beobachters... Man darf nicht vergessen, dass es immer einen Moment der Wahl gibt... Und deshalb müssen wir über diese guten Menschen Kenntnis erlangen, die Juden während des Holocaust geholfen haben. Wir müssen von ihnen lernen und uns mit Dankbarkeit und Hoffnung an sie erinnern.“

Eli Wiesel

 

Elie Wiesel war Schriftsteller, Journalist, Friedensnobelpreisträger; Imre Kertész - Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger; Felix Jiří Weinberg war Verbrennungsphysiker und Mitglied der Royal Society of London. Diese und viele andere Namen vereint eines: Diese Menschen haben als Kinder während des Holocaust den Schrecken des Konzentrationslagers Buchenwald durchgemacht und nur dank einem auf den ersten Blick gewöhnlichsten Menschen überlebt - dem tschechischen politischen Häftling Antonin Kalina, einem Schuhmacher aus der Stadt Trebič.

Antonin Kalina, der Barackenälteste des Kinderblocks, konnte in Buchenwald mehr als 900 Kinder aus ganz Europa retten, und sie betrachten ihn zu Recht als ihren „Vater“. In seiner Heimat, der Tschechischen Republik, wusste fast sieben Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg fast niemand von seiner Heldentat. Und erst nach seinem Tod wurde Kalina von der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem posthum der Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern“ verliehen. Er tat alles, um seine "Söhne" zu retten, und riskierte ständig sein Leben.

Antonin Kalina wurde am 17. Februar 1902 in Trebič geboren, einem der Zentren des jüdischen Lebens in Mähren (oder Morawien, heute Gebiet der Tschechischen Republik). Die dortige jüdische Gemeinde war noch größer als in Prag. Möglicherweise war das der Grund, warum Antonin Kalina die jüdische Umgebung von Kindheit an als ganz natürlich empfand, und unter seinen Freunden gab es sicherlich jüdische Kinder.

Antonin wuchs in einer armen Familie auf und war das zweite von zwölf Kindern. Sein Vater war Schuhmacher, seine Mutter - Hausfrau. Schon früh begann er zu arbeiten und half seiner Familie. Er erhielt keine Ausbildung, war jedoch wissbegierig, lernte mehrere Fremdsprachen, darunter Deutsch. Er arbeitete in einer Schuhfabrik.

Mit einem gesteigerten Gerechtigkeitssinn ausgestattet, sorgte Antonin für ständige Konflikte mit der Leitung der Fabrik. 1923 trat er, dem Beispiel seines Vaters folgend, der Kommunistischen Partei bei und wurde bald ein aktives Mitglied, indem er eine Reihe von Demonstrationen zur Verteidigung der Arbeiterrechte organisierte.

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