Jiddisch: Die sprachliche Tochter eines Edikts von Kaiser Konstantin

1700 Jahre jüdischen Lebens in Deutschland: Wie sich das Jiddisch vor allem am Rhein zur Zeit des Frankenreiches bildete.

Im östlichen Teil des Frankenreiches, am Rhein, entwickelte sich das Jiddische.
© WIKIPEDIA

Von Philipp Ammon

Als Kaiser Konstantin vor 1700 Jahren die Existenz jüdischen Lebens in der Hauptstadt der Germania secunda (vor Diocletian „Germania inferior“) Colonia Claudia Ara Agrippinensium am 11. Dezember 321 in einem Edikt beurkundete, in welchem er die Berufung von Juden in Ämter gestattete und die Reparatur einer Rheinbrücke durch einen Kölner Juden namens Isaac ermöglichte, gab es noch kein deutsches Land oder eine deutsche Sprache. Was es aber bereits schon damals gab, war ein Zusammenleben von römischen zivilen und militärischen Kolonialverwaltern, ihren örtlichen Hilfstruppen, jüdischen, germanischen und keltischen Bewohnern der Kolonialstädte entlang des Rheins und ihres Hinterlandes und entlang der durch die Römer angelegten und ausgebauten Verkehrswege.

Es ist davon auszugehen, dass die Juden bereits im ersten nachchristlichen Jahrhundert – insbesondere nach der zweiten Tempelzerstörung im Jahre 70 – mit den Römern in die Germania inferior zugewandert sind. Dort trafen sie auf Reste keltischer Eburonen und die von dem Schwiegersohn des Augustus Marcus Agrippa im Jahre 18 v. Chr. auf dem linken Rheinufer angesiedelten Ubier, die auf seinen Befehl auf einem Hügel am Rheinufer eine Siedlung errichtet hatten, deren Namen die Stadt Köln als oppidum ubiorum bis zur Erhebung zur Veteranenkolonie Colonia Claudia Ara Agrippinensium im Jahre 50 n. Chr. zunächst trug. Die Ubier galten bereits Caesar zu Zeiten des gallischen Krieges durch die Nähe zum Rhein und die sich daraus ergebenden Handelskontakte als kultivierter als die anderen Germanen.

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