Mariella Cingoli: Eine Kindheit im faschistischen Italien

Ein Interview mit einer italienischen Jüdin, die 1943 nur mit viel Glück ihre Deportation überlebt hat.

Mariella Cingoli

Ich treffe sie in dem Garten ihrer kleinen Sommerwohnung an der Küste der Marken. Die nur wenige Meter entfernte Bahnlinie unterbricht von Zeit zu Zeit den Fluss der Erinnerungen. Mariella Cingoli, geboren im September 1941, hat einige der schmerzlichsten Kapitel unserer Geschichte hautnah miterlebt: „Ich war sehr jung, als wir der Deportation entkamen. Die Schilderung der Tatsachen stammt von meiner Mutter, die eine sehr sachliche Frau war und nicht zu Übertreibungen neigte, ja, ich würde sagen, sie war leicht selbstironisch. Was sie mir erzählte, ist eine vorsichtige und schlichte Schilderung der Ereignisse.“

Die Familie Cingoli-Fuà war eine bekannte jüdische Familie in Ascoli Piceno, in der Region Marken. Diskriminierung, Demütigung, Tod, Flucht und Angst sind die Worte, die in der Erzählung von Mariella Cingoli am häufigsten vorkommen. Dabei betont sie, dass sie „zu den Überlebenden gehört, zu denen, die durch Zufall und mit Hilfe Einiger vor dem Untergang gerettet wurden“.

 

JÜDISCHE RUNDSCHAU: Wer war die Familie Cingoli-Fuà und welcher Beschäftigung gingen sie nach?

Mariella Cingoli: Wir hatten ein Geschäft im Stadtzentrum, das nicht sehr groß, aber sehr bekannt war, auch in der Umgebung. Wir verkauften edle Stoffe, Haushaltswäsche und Konfektionen. Es war ein florierendes Geschäft, das auch nach den Rassengesetzen weiterlief, aber nachdem die Familienmitglieder verhaftet wurden, beschlagnahmt und später geplündert wurde.

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