Der Zentralrat – für Juden wenig hilfreich

Die Bilanz des Zentralrats ist katastrophal: Jahr für Jahr treten Menschen in erheblicher Zahl aus den ohnehin geschwächten Gemeinden aus. Was trägt dieser „Zentralrat“, was tragen die von ihm gelenkten Gemeinde-Funktionäre zum öffentlichen Diskurs über importierten islamischen Antisemitismus bei, außer diesen auszublenden, zu relativieren und brav zu repetieren, was ihnen die Bundesregierung vorgibt? (JR)

Zentralratschef Josef Schuster: Immer auf Regierungslinie.

Von Chaim Noll

Immer wenn ich nach Deutschland komme, werde ich auf den „Zentralrat der Juden“ angesprochen. Von Juden und anderen Deutschen, die fast täglich von ihm in den Zeitungen lesen. Denn dieses Gremium macht sich ständig in der Tagespolitik bemerkbar, und das immer im Sinne der politisch-korrekten Linie der Bundesregierung. Zuletzt durch Erklärungen, welche Parteien man wählen dürfe und welche nicht. Solche Auftritte gehören nicht zu den Aufgaben eines jüdischen Verwaltungsgremiums. Und sie sind, taktisch gesehen, ein Fehler. Sie provozieren Fragen, was diese Einrichtung eigentlich soll, was sie bedeutet, wer sie unterhält und wozu.

Schon der Name steht heute für ein antiquiertes, zentralistisches Programm. Der „Zentralrat der Juden in Deutschland“, gegründet 1950, war als Übergangslösung gedacht, um im fast „judenreinen“ Nachkriegs-Deutschland Juden zu helfen, die Hilfe benötigten: tausende heimatlose und entwurzelte Menschen, meist Überlebende der Konzentrationslager, im damaligen Sprachgebrauch „Displaced Persons“ oder „DPs“ genannt. Der Zentralrat bot ihnen den institutionellen Rückhalt, um in einer wenig freundlichen Umgebung überleben zu können und ihre Ansprüche auf „Wiedergutmachung“ anzumelden. Hier liegt das historische Verdienst des „Zentralrats“.

Die meisten der „Displaced Persons“ lebten in sogenannten DP-Lagern, wo sie von der UN-Flüchtlingsagentur und jüdischen Organisationen wie dem Joint Distribution Committee versorgt wurden. Das letzte dieser Lager, Föhrenwald in Oberbayern, wurde erst 1958 geschlossen. Die in Israel lebende Schriftstellerin Lea Fleischmann hat 2006 in dem Buch „Meine Sprache wohnt woanders“ ihre Kindheit im Lager Föhrenwald beschrieben. Sie betont darin die oft feindselige Haltung der deutschen Mitbürger und Behörden gegenüber den DPs. Der Judenhass der NS-Zeit war noch längst nicht überwunden, den Restitutions-Ansprüchen der jüdischen Rückkehrer und Einwanderer, die sich entschlossen, in Deutschland zu bleiben, standen die staatlichen Stellen offen oder insgeheim ablehnend gegenüber, und es brauchte eine gut mit der Regierung vernetzte deutsch-jüdische Organisation, um sich in diesem Dickicht zurechtzufinden.

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