Wie Serbien seine Juden verlor

Die serbischen Juden zählten zu den frühen Opfern der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik. Wehrmacht und SS vollstreckten auch an ihnen, was bald darauf in nahezu ganz Europa folgen sollte.

Nur noch der Wachturm legt Zeugnis von den Schrecken ab, die einst in Sajmište geschahen© FELIX LEHMANN

Von Felix Lehmann

Der Todesstoß für das Königreich Jugoslawien und damit für die Juden des Landes erfolgte am 6. April 1941. Dem Mehrfrontenangriff der Achsenmächte, angeführt vom Deutschen Reich und mit Italien, Ungarn und Bulgarien im Schlepptau, konnte das Land gerade einmal zehn Tage lang standhalten. Belgrad fiel dem Bombenterror zum Opfer. Die „Operation Strafgericht“, angeordnet von Adolf Hitler persönlich, entfaltete ihre volle Wirkung: In fünf Angriffswellen bombardierten rund 500 bis 600 Sturzkampfbomber vom Typ „Junker“ und schwere Bomberflugzeuge die Metropole. Für die Wehrmacht war die Stadt am Zusammenfluss von Donau und Save ein leichtes Ziel. Wegen unzureichender Verteidigung, insbesondere fehlender Luftabwehr, war Belgrad zur offenen Stadt erklärt worden. Nach der Haager Landkriegsordnung galt die „Weiße Stadt“ damit als militärisch unberührbar. Hitler entschied sich dennoch für die Vergeltung.

 

Jugoslawien wäre beinahe ein Verbündeter Deutschlands geworden

Für das Dritte Reich war das Land zunächst gar nicht Ziel der Expansionsgelüste. Was also war geschehen? Noch am 25. März war das Königreich dem Dreimächtepakt beigetreten – dem ursprünglich als Achse Berlin-Rom-Tokio konzipierten Bündnis der faschistisch-militaristischen Mächte. Doch nur zwei Tage später putschte das jugoslawische Militär und ersetzte den willfährigen Prinzen Paul durch Peter II. in der Hoffnung, die Neutralität des Königreiches wahren zu können. Die Reaktion folgte prompt. Auf den gnadenlosen Angriff folgte am elften Tag, dem 17. April, die bedingungslose Kapitulation. Damit war auch das Schicksal der 82.500 Juden im Land besiegelt.

Wie in allen anderen von der Wehrmacht besetzten Ländern wurden auch die Juden Jugoslawiens Ziel der antisemitischen Repression. Unmittelbar auf den Beginn der deutschen Besatzung folgten Plünderungen und Beschlagnahmungen jüdischer Geschäfte. Widerstand erfuhr die Wehrmacht durch die Kommunistische Partei, aus dem Untergrund angeführt von Josip Broz Tito, der nach dem Zweiten Weltkrieg Staatschefs des sozialistischen Jugoslawiens werden sollte.

Die Kommunisten begannen mit einer Serie von Partisanenangriffen auf Repräsentanten der serbischen Marionettenregierung, die von den Quislingen Milan Aćimović und Milan Nedić geführt wurde. Schon bald eroberten Titos Verbände Stadt für Stadt von der Wehrmacht zurück. Doch aus dem Rückspiegel der Geschichte betrachtet wirkte der serbische Aufstand von 1941 nur als Brandbeschleuniger für die Vernichtungspolitik der Besatzer.

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