Warum ich den DJV verlassen habe

Der Deutsche Journalistenverband, der Berufsverband der „vierten Gewalt”, gefällt sich ganz ungeniert als linkes Aktionsbündnis und Büttel der Regierung.

Frank Überall ist Vorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes DJV.© WIKIPEDIA

Von Oliver Driesen

Man schrieb das Jahr 1967, als die regierungsfromme Springer-Presse gegen die antiautoritären Demonstranten der APO hetzte. Die Reaktionäre in den Redaktionen von „Welt“ oder „Bild“ frohlockten damals und in den Folgejahren geradezu, wann immer es diesem rebellischen Pack einmal richtig gezeigt worden war.

So auch, als am 2. Juni 1967 studentische Demonstranten in Berlin gegen den Besuch des Schahs von Persien protestierten, der in seiner Heimat politische Gegner foltern und töten ließ. Unter die Demonstranten hatte sich eine Gruppe von Persern gemischt, die vermeintlich ihrem Staatsoberhaupt zujubeln wollte, dann aber urplötzlich viele der Studenten mit Dachlatten und Totschlägern attackierte. Es kam zu schweren Gewaltexzessen.

Ein Großteil der Berliner Presse versuchte damals, diese Gewalt den Studenten anzuhängen. Auf einem Pressefoto war eine verletzte Augenzeugin zu sehen. Sie sei „Opfer des studentischen Terrors“, hieß es dazu auf den Titelseiten von Springer-Publikationen – während die Frau in Wahrheit von einem Polizeiknüppel verletzt worden war. Die Veröffentlichung des Fotos eines prügelnden „Jubelpersers“ mit Totschläger in der Hand hingegen wurde von allen Zeitungen Westberlins abgelehnt. Kein Wunder, dass die Studenten der Springer-Presse vorwarfen: „Statt ihrer Informationspflicht zu genügen und wahrheitsgemäß über die Unruhe der Studenten zu berichten, hat sie die Bevölkerung systematisch gegen die Studenten aufgehetzt.“ Später kam zudem heraus, dass die militanten Jubelperser zur Diskreditierung des Studentenprotests vom persischen Geheimdienst engagiert worden war.

 

Geschichte wiederholt sich

Geschichte hat die Tendenz, sich zu wiederholen – auch die Geschichte der Medien. Nur manchmal mit umgekehrten Vorzeichen. Unter der Überschrift „Na also, geht doch“ lobte am 12. April 2021 ein Kommentar im Blog des Deutschen Journalistenverbandes schon im Vorspann: „Am Sonntag hatte die Polizei in Frankfurt die Lage unter Kontrolle und ließ den Demonstranten nichts durchgehen.“ Gemeint waren diesmal keine Studentenproteste – sondern der Versuch einer Kundgebung von „Querdenkern“ auf dem Platz vor dem Hessischen Rundfunk in Frankfurt. Der Ort war nicht zufällig gewählt, denn gerade von den aus Gebühren fast aller Bürger finanzierten Öffentlich-Rechtlichen fühlen sich die Maßnahmengegner journalistisch genauso diskreditiert wie die APO-Aktivisten von 1967 durch den Springer-Verlag.

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