Jitzchak Katzenelson: „Dos Lid funm Ojsgehargetn Jidischn Folk“

Der in Auschwitz ermordete Dichter Jitzchak Katzenelson hat als Augenzeuge seine Erlebnisse des Warschauer Ghetto-Aufstandes in eigene, jiddische Worte gegossen.

Jitzchak Katzenelson© WIKIPEDIA

Von Simone Schermann

Es war in der ersten Nacht von Pessach, am 19. April 1943, als Juden im Ghetto von Warschau sich im bewaffneten Kampf der Selektionsmaschinerie und dem Deportationsapparat der SS-Truppen entgegenstellten. Das war der Beginn des Warschauer Ghettoaufstands, der bekanntermaßen nicht erfolgreich ausgehen konnte, als jüdische Männer, Frauen und Kinder im erbitterten Gefecht gegen deutsche Einheiten ihr Leben ließen und sich eben nicht mit ihrer Deportation abfinden wollten. Juden wagten einen Aufstand, von dem sie wussten, dass er nicht zu gewinnen war, und der dennoch über einen Monat anhielt, bevor er sein vorhersehbares Ende fand. Eine jüdische Revolte, von der die Ghettokämpfer wussten, dass sie schließlich zwar dasselbe Schicksal wie ihre Glaubensgenossen teilen würden, aber eben nicht das gleiche. Ein Aufstand, bei dem sie die Entscheidung für ihre Art zu sterben in die eigene Hand nahmen, um letztlich für sich selbst und die Nachgeborenen nicht wehrlos aus dem Leben zu gehen. Juden wurden zu Widerstandskämpfern: nicht in Prag, in Wien oder Paris. Es war in Warschau, wo sie sechs Wochen lang der Ausrottung ihres Volkes mit Waffengewalt Einhalt geboten.

Für die Nachwelt ist hier etwas Verneigenswertes geschehen. Mit Ehrfurcht und zugleich in tiefer Trauer blicken wir heute auf die Beherztheit dieser Juden und Zionisten, die das deutsche Deportationsinferno nur temporär, dafür aber mit jüdischer Hand aufhielten. Wir blicken aber auch auf ein Szenario, in dem Juden mit ihren Peinigern abrechneten.

Einer von ihnen, der für die Verteidigung einer heute ausgelöschten Welt kämpfte, war der Dichter Jitzchak Katzenelson. Als Teil des Warschauer Ghettoaufstands 1943 war ihm der Untergang der Widerstandskämpfer der Untergang seines Volkes selbst. Diese Vernichtung des jüdischen Volkes vor seinen Augen und um ihn herum beschreibt er so:

Wej mir, nito kejner schojn … gewen a folk, gewen, un schojn nito … gewen a folk, gewen, un schojn … schojn ojs!

„Weh mir, nichts niemand mehr! Es war einmal ein Volk, es war einmal, schon nichts mehr davon da. Es war ein Volk gewesen, es war einmal. Und schon: Aus!“

 

Untergangsgesang

Katzenelson verfasst einen Untergangsgesang, bestehend aus 15 Liedern, der als die wichtigste ostjüdische Widerstandsdichtung gilt. Es ist ein Klagegesang im Gedenken an den Widerstand im Ghetto und ein Totengesang für das ausgelöschte Ostjudentum; verfasst in der ebenso markanten und wortgewaltigen wie auch zärtlichen Sprache der Ostjuden, dem Jiddischen: Dos Lid funm Ojsgehargetn Jidischn Folk – „Das Lied vom ausgerotteten jüdischen Volk“.

Dieser Untergangsgesang, der das Leid von Millionen besingt, scheint wie im Fiebertraum oder einem Rauschzustand geschrieben. Da Katzenelson sein Werk nicht aus der sicheren Entfernung des Exils verfasst, besitzt es keine ästhetisch stilisierte und ausgefeilte Lyrik. Es zeichnet sich durch sein Zustandekommen aus, genährt von kaum zu schildernden Erlebnissen und Bildern, aus der Intention heraus gezeugt, dem Entsetzen eine Beschreibung zu entreißen. Mal liest es sich wie ein Selbstgespräch, mal wirkt es wie ein unerwartetes Blitzlichtfoto, radikal, unzensiert, unretouchiert und wie unter einem Brennglas verfasst, dann verdichtet und festgehalten für die Ewigkeit. Und doch ist es ein Schrei an die Welt und der Dichter zwingt uns, beim Lesen mit ihm hinzusehen. Er beschwört uns lautstark, nicht wegzusehen.

Jitzchak Katzenelson wird in 1886 in Karelicz, heute Weißrussland, geboren. Den größten Teil seines Lebens verbringt er in Lodz, wo er als Lehrer und Direktor des damals berühmten Hebräischen Gymnasiums wirkt. Er ist Autor und Poet, veröffentlicht Theaterstücke in jiddischer und hebräischer Sprache und ist der eigentliche Begründer des hebräischen Dramas. Er schreibt auch für Mordechai Spektors „Yidishe Folkstsaytung“, und sein Schauspiel „Anu chajim umetim“ („Wir leben und wir sterben“) ist das erste hebräische Stück der Habima, des in Moskau gegründeten und später von New York bis Tel Aviv etablierten jüdischen Theaters, dessen expressionistisches und „spukhaftes Spiel“ Marc Chagall entscheidend beeinflusst hat.

 

Palästina-Plan scheitert

Er besucht das britische Mandatsgebiet Palästina und träumt davon, sich in Erez Jisroel niederzulassen; es bleibt ein Traum. Mit Beginn des Krieges flüchtet er mit seiner Familie nach Warschau, wo er mit seiner Frau und den Kindern ins Ghetto kommt. Dort wird er Augenzeuge der Vernichtung der Warschauer Juden und tritt der jüdischen Partisanengruppe Dror bei.

Nur notdürftig bewaffnet, liefern sich die durch Hunger und Leid geschwächten Aufständischen im Ghetto erbitterte Kämpfe mit der SS und der Polizei. Am 16. Mai 1943 endet der Widerstand, der sich der Auflösung des Ghettos, auch als „Aktion Reinhardt“ bekannt, entgegengestellt und die grausame Routine, bestehend aus der täglichen Deportation von 6.000 Menschen in die Vernichtungslager, unterbrochen hat. Diesem Inferno haben die Kämpfer eine temporäre jüdische Antwort gegeben.

Über den Ghettoaufstand schreibt Katzenelson im 14. Gesang:

Sej hobn nit gewust, sich nit gericht – „die Juden schießen!“. A schtojnen wist un ojsterlish un umgericht asoj: „die Juden schießen!“, o, nisch alejn fun im, (…)

s’is a ruf gewesn fun a merder-folk, fun achzik-milion: sej oich! di jidn machen ojch wi mir, wi jeder dajtsch.

„Das haben sie nicht gewusst, wahrhaftig auch Juden schießen. Unerwartetes Staunen darüber, dass die Juden schießen. Es war kein Einzelner, (…) es wurde der Ausruf von einem Mördervolk, das sich wundert. Seht, die Juden schießen, so wie ein Deutscher schießt.“

Die 15 Gesänge sind nicht nur ein Dokument verbrecherischen Leids, das seinem Volk zugefügt wird, sondern auch der schmerzvollen Erfahrung der Abwesenheit Gottes. Es erscheint wie eine Anklageschrift nach innen und nach außen; an eine entmenschlichte Welt, in der die Ghettohäftlinge sich nicht nur zur Verwunderung der Nazis tatsächlich wehren. So fährt der 14. Gesang fort:

Dem achzentn erschtn hob ich gesen finf tojnst fun majn folk genumen un gefirt zum tojt, un dajtsche zwej nor, rozchim zwej,

hob ich gesen fun di in jenem tog awekgelejgte zwelf, nor zwelf! Un s’hot ojf sej, ojf di bawofnte pchodnim, farzitert kalt di hojt, „die Juden schießen!“ und sej hobn salbezwejt in undsere baheltenischn sich nit mer bawisn, nor machnes’ wajs wi welf.

„5000 meines Volkes wurden im Januar in den Tod geführt, von zwei Deutschen nur. Nicht mehr. Wieso nur zwei? An einem Tag haben wir zwölf Deutsche umgelegt. Nur zwölf. Und doch zitterte dem bewaffneten Deutschen kalt die Haut: Die Juden schießen! Zu zweit zeigten sie sich in unserem Versteck nicht mehr, nur rudelweise, wie die Wölfe es tun.“

Der erste Gesang in Katzenelsons Sterbeepos ist zwischen dem 3. und 5. Oktober 1943 entstanden und trägt die Überschrift Sing!.

Bereits in der ersten Strophe fordert er alle Juden zu ihrem letzten Gesang auf. Es ist ein Mahnruf an die Lebenden und die Toten, zu ihrem eigenen Grabesgesang zu erscheinen.

Sing, nem dajn harf in hant, hojl, ojsgehojlt un gring (…) dos lid dos lezte sing, sing fun di lezte jidn aif ejropes erd.

„Sing, nimm deine hohle, ausgehöhlte leichte Harfe in die Hand und sing das Lied, ein letztes Mal. Sing, sing von den letzten Juden auf Europas Erde.“

Sing, sing, hejb ojf zewejtikt un gebrochn hojch dajn shtim. Such, such im ojf dort ojbn, ojb er is noch do – un sing im … sing dos letzte lid fun letztn jidn im, gelebt, geshtorbn, nischt bagrobn un nischto …

„Sing, heb hoch nach oben deine entzweite und zerbrochene Stimme, such ihn auf dort oben, ob er noch anwesend ist – und sing für ihn … sing ihm das letzte Lied vom letzten Juden. Gelebt, gestorben, ohne Grab und nichts von ihm mehr da.“

 

Anklage gegen Gott

Was als Kaddischgesang beginnt, entwickelt sich zur Anklage gegen Gott, diese Welt und das Universum. Die Sonne sollte ob der Ermordung seines Volkes ebenfalls verlöschen, wie die Anwesenheit Gottes zuvor erloschen ist. Ginge es nach dem Dichter, so ließe er das Licht auf ewig sich verdunkeln; dann fährt er mit den Worten fort:

Schrajt arojs fun chajes-ingewajd in wald, fun fisch in tajch – sej hobn ajch gegesn. Schrajt fun kalehojwns, schrajt klejn un grojs, ich will a gwald, a wejgeschreij, a kol, ich will a kol fun aich, schraj, ojgeharget jidisch folk, schraj, schrai arojs!

Diese Zeilen entfalten exemplarisch die beinahe gewalttätige Tonart in der Sprachauswahl Katzenelsons. Sein letztes Werk wirkt in Schüben geschrieben, in überdrehter und dröhnender Lautstärke verfasst. Es ist eine von immenser Verbitterung, Zorn und Schmerz getriebene Dichtung. Den Gedanken folgen Assoziationen, ihnen folgen Ausrufe und Aufschreie; oder sind es Aufrufe und Anklagen? Sie gellen aus den Tiefen der Krematorien, aus den Tiefen der toten Seelen oder den tiefsten Tiefen der mit Asche gefüllten Seen um die Vernichtungslager herum.

Jeder Leser wird das selbst für sich entscheiden können, da die jiddische Sprache exakt diesen Spielraum dafür zulässt. Die Übersetzung dieser Verse lässt aber unweigerlich sprachlos und erschüttert zurück. Ohne viele Pausen ist das Werk nicht zu bewältigen.

„Schreit heraus aus den Gedärmen wilder Tiere, aus den Fischen im Teich – sie haben euch gefressen. Schreit aus den Todesöfen, schreit, ihr Kleinen und Großen. Denn schaut: Ich brauche eure Hilfe und euer Wehgeschrei und ich will dafür alle von euch. Alle. Schrei, ausgerottetes jüdisches Volk, schrei laut heraus!“

In den letzten drei Strophen des ersten Liedes wird das Kaddisch zu einer fantastischen Totenbeschwörung. Der Dichter fordert die Millionen Ermordeten seines Volkes auf, sich um ihn zu versammeln und noch einmal eine letzte Todesklage auszustoßen.

Anfang Mai 1944 wird Jitzchak Katzenelson im Auschwitz-Birkenau ermordet. Bereits bei der Verfassung dieser Zeilen stellt er sich in die Reihe der Toten und hat mit seinem Leben abgeschlossen, noch bevor er die Gaskammer betritt.

Kumt ale fun Treblinki, fun Sowibor, fun Oschwentschim, fun Belziz kumt, kumt fun Ponari un fin noch, fun noch, fun noch!

Mit ojgn ojfgerisn, fargliwert a geschrej, a gwald un on a schtim, fun sumpn komt, fun blotes ajngesunken tif, fun fojln moch.

Kumt, getriknte, zemolene, zeribene, kumt schtelt sich ojs, in a karohod, a rod a grojsn arum mir, ejn grojse reif – sejdes, bobes, mames mit di kinderlech in schojs – kumt, bejner jidische fun poschkes, fun schtikelech seif.

Wajst mir, bawajst sich ale mir, kumt ale, kumt, ich will ajch ale sen, ich will ajch onkukn, ich will oif majn folk majn ojsgehargetn, a kuk ton, schtum, farschtumt – un ich wel singen … jo … aher di harf … ich schpil!

„Kommt alle von Treblinka, von Sobibor, von Belsetz, kommt. Kommt von Ponari und von allen anderen Orten. Die Augen aufgerissen, mit erstarrtem Schrei, der gewaltig, aber ohne Stimme ist. Entsteigt den Sümpfen, aus den Tiefen, eingesunken, entsteigt dem faulen Moos. Kommt, ihr ausgetrockneten, zermahlenen und zerriebenen! Kommt und stellt euch auf, damit man euch sieht. Versammelt euch um mich und zeigt die Größe eurer Anzahl.

Großväter, Großmütter, Mütter mit euren Kindern auf dem Schoß. Es soll niemand von euch fehlen. Kommt, ihr jüdischen Gebeine, entsteigt der Asche und dem letzten Stückchen Seife. Zeigt euch mir und beweist euer aller Vernichtung. Kommt alle, kommt. Ich will mein ausgerottetes Volk ansehen, stumm und verstummt, wie ihr seid, will ich euch alle anschauen. Und ich will singen. Ja! Reicht die Harfe mir! Ich spiel!“

Sein Gedicht Dos Lid funm Ojsgehargetn Jidischn Folk begann Katzenelson im Oktober 1943 und vollendete es im Frühjahr 1944 im Lager von Vittel.

Das war möglich, da er auf Schleichwegen aus dem Warschauer Ghetto herausgeschmuggelt worden war. Den jüdischen Partisanen erschien gerade sein Leben erhaltenswert. Er, der Dichter, sollte die Geschehnisse der Nachwelt kundtun. Die jüdische Kampforganisation verschaffte Katzenelson gefälschte honduranische Papiere und schleuste ihn in den „arischen Teil“ von Warschau, wo er, wie viele andere, vergeblich hoffte, in die Freiheit zu gelangen. Stattdessen kam er in ein Sonder-KZ nach Vittel am Rande der Vogesen. Dort fand die Fertigstellung des Manuskripts am 18. Januar 1944 statt, das er, in Flaschen verpackt, gemeinsam mit der Mitgefangenen Miriam Novitch, die überlebte, unter einem Baum begrub. Nach der Befreiung Vittels am 12. September 1944 durch die Alliierten konnte eine Kopie des Manuskripts von der Überlebenden Ruth Adler, in einem Koffergriff eingenäht, 1944 nach Palästina geschmuggelt werden, zusammen mit Briefen an einen führenden Protagonisten des zionistischen Jeschuw, Jitzchak Tabenkin.

Im Fundament versteckt

Weitere Manuskripte Katzenelsons wurden zusammen mit Aufzeichnungen der zionistischen Organisation Dror aus dem Fundament des Gebäudes in der Dzielna-Straße Nr. 34 in Warschau geborgen, wo Dror sein Hauptquartier hatte, und nach Israel verbracht. Sie befinden sich in den Archiven des Museums „Beit Lohamei Haghetaot“, dem Museum für die Ghettokämpfer. Es ist der verkürzte Name des „Ghetto Fighters’ House – Itzhak Katzenelson Holocaust and Jewish Resistance Heritage Museum“ und somit explizit auch dem Verfasser des „Liedes vom ausgerotteten jüdischen Volk“ gewidmet.

Das 15. und letzte Lied trägt den Namen Noch alemen! („Nach allem!“). Es führt den Leser in die dunkelsten Stunden, zwischen Himmel und Hölle, dem Verlangen nach Rechenschaft, der wiederholten Klage um die Abwesenheit von Gott und die nicht enden wollende Anwesenheit der Mörder und ihrer Taten.

Ir sich ojs do, lejgt di klejder ojf an ort, di schich zi por, lost iber alz do, wos ir hot, ir wet doch alz noch darfn, di klejder un die schich un alz (…)

Gejt nemt a bod! Un s’wern tojsnt in a sal arajngelosn, un tojsnt wartn naket bis di erschte tojsnt wert derschtikt.

„Ausziehen, legt die Kleider auf einen Ort, legt die Schuhe paarweise hin, lasst liegen, was euch gehört. Ihr werdet doch alles noch gebrauchen, die Schuhe, Kleider, nichts geht euch verloren.

Geht und nehmt ein Bad! Und zu Tausenden werden sie in den Saal gelassen und tausend warten nackt, bis das erste Tausend erstickt.“

A majse fun Amalek’n un bis an ergeren fun im, dem dajtsch … o himl wajt, o brejt di erd, o jamim grojs – nit balt zusamen in ejn knojl sich un nit farnicht di schlechte ojf di erd, soln sej farnichtn sich alejn!

„Kennt ihr das Märchen von Amalek? Oder das vom Deutschen, der noch schlimmer war? O Himmel, Meere der Welt, du, Erde in deiner ganzen Breite – wieso rächt ihr alle nicht mein Volk und vernichtet das Schlechte von diesem Erdboden? Wenn das so ist, dann sollt ihr euch selbst vernichten!“

In Vittel trifft Katzenelson einen Freund aus früheren Lodzer Tagen, Dr. Nathan Eck (gestorben in Tel Aviv am 22. Februar 1982), der ebenfalls im April 1944 von Vittel nach Auschwitz deportiert werden sollte, dem es aber gelang, vom Zug abzuspringen und nach Paris zu entkommen. Bereits im Februar 1945, noch vor Kriegsende, gibt er Katzenelsons Werk im jiddischen Original heraus und hat somit sein Versprechen eingelöst, Dos Lid herauszugeben, sollte der Dichter den Krieg nicht überleben.

 

Gerettet

Es überleben seine von Heine inspirierten sentimental-ironischen Gedichte, die ins Hebräische übersetzt und auch zu Kinderliedern oder israelischen Volksliedern werden. Katzenelson wird im Mai 1943 in das französische Lager Vittel verbracht und von dort im April 1944 nach Auschwitz deportiert, wo er zwischen dem 1. und 3. Mai gemeinsam mit seinem Sohn vergast wird.

Dos Lid ist ein Trauergesang über eine unwiederbringlich verlorene Welt. Über Menschen, die in Jeschiwas lernten, edlen und blassen Thoragelehrten: klejne jidelech mit grojse kep. Es handelt von verlorengegangener chassidischer Weisheit, zerstörtem Thorawissen, von vernichteten großen Dichtern der Haskala: fun schrajber grojse. Von armen Hausierern, entleerten Judengassen, still gewordenen Marktplätzen, auf denen keine Juden mehr gehen.

Sie und ihre Lebensweise sind entschwunden ins Nichts. Aber wir können diese Menschen in der jiddischen Sprache heraufbeschwören, beim Lesen jeder einzelnen Strophe von Dos Lid funm Ojsgehargetn Jidischn Folk. Es ist das Jiddische, wo noch die ostjüdische Seele wohnt, wenn man liest: is gewen amol a folk. Lasst uns in die Sprache eintauchen, die die Welt der Ostjuden wieder zum Leben erweckt und dem Jidischn folk beim Leben und Sterben lauschen. Strophe für Strophe, Zeile um Zeile.

Ein geflügeltes Wort des ostjüdischen Widerstands sollte keinesfalls Vergessenheit geraten: Sej du kejn schof, wet er nit sejn kejn wolf!

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