Der linke Antisemitismus des Goethe-Instituts

Antisemitische Erfahrungen aus erster Hand mit dem weltweit tätigen deutschen Kulturinstitut in Tel Aviv und Jerusalem: Eine private Chronique scandaleuse

Johannes Ebert, der Chef des Goethe-Instituts.© WIKIPEDIA

Von Chaim Noll

„Das Goethe-Institut genießt seit über 70 Jahren im In- und Ausland einen hervorragenden Ruf als Dialogpartner Deutschlands mit der Welt und unterstützt Projekte mit herausragendem Profil und hoher Wirkung in der Öffentlichkeit.“ (Goethe Institut/Über uns)

„Das Goethe-Institut wird überwiegend aus dem Bundeshaushalt finanziert (…) Das Jahresbudget des Goethe-Instituts belief sich 2015 auf rund 387 Millionen Euro, wovon rund 229 Millionen Euro Zuwendungen des Auswärtigen Amts aus den Mitteln für die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik darstellten.“ (Wikipedia)

Unter den auf der Website des Instituts aufgelisteten „FörderInnen“ finden sich die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, Allianz Kulturstiftung, Deutsche Bank, Axel Springer Stiftung, Bayer AG, Bertelsmann, Daimler-Benz, BMW, Continental, Robert Bosch Stiftung, Volkswagen AG, Verlagsgruppe Holtzbrinck, Siemens AG und zahlreiche andere deutsche Unternehmen und Stiftungen.

Im April 1993 lud mich das Goethe-Institut Jerusalem zu einem Vortrag ein, Thema: Wie ich als Jude das heutige Deutschland sehe. Ich lebte zu dieser Zeit noch in Rom, zwei Stunden Flugzeit, und freute mich, ein paar Tage in Israel verbringen zu können. Als ich am Nachmittag landete, wehte der heiße, scharfe Wüstenwind Sharav, der neben anderen unangenehmen Wirkungen eine leicht gereizte Stimmung verbreitet. Vielleicht war das der Grund, warum Herr R., Leiter des Goethe-Instituts Jerusalem, der mich vom Flughafen abholte, die ganze Autofahrt über schimpfte.

In mein Tagebuch notierte ich: „Unterwegs erzählt mir R., wie ungern er hier lebt. Er vermisse ‚Kultur‘, Israel wäre ‚langweilig‘ und ‚primitiv‘. Er gibt sich als junger Deutscher vom neuen Schlag, gemäßigt links, früher Lehrer in Wuppertal. Die Israelis nennt er ‚verroht‘ und ‚brutal‘ durch die ständigen Kriege. ‚Ihnen fehlt Kultur‘, sagt er später nochmals, den Wagen durch den dicken Nachmittagsverkehr manövrierend. Hat es Sinn, ihn über den Beitrag der Juden zur Weltkultur aufzuklären? Und besonders zur deutschen? Ich beschließe, seine Gesellschaft zu meiden, mir selbst ein Bild zu machen. Schönes Hotel im türkischen Kolonialstil, Zimmer über Eck. Später Empfang auf der Jerusalem Book Fair, Rede von Lord Weidenfeld. Wegen meines morgigen Vortrags gibt es schon jetzt Probleme, ein Professor Z. vom Deutschen Kulturrat, der mit mir auf dem Podium sitzen soll, möchte vorher das Manuskript lesen, ‚um sich vorbereiten zu können‘. Hat meine wenig begeisterte Reaktion auf R.s Reden (ein Art Eingangs-Test) sein Misstrauen geweckt? Nach längerer Verhandlung sage ich zu, an der Rezeption meines Hotels bis morgen Vormittag zehn Uhr eine Kopie zu hinterlegen.“

Stolz, kein Hebräisch zu können

Das war zu spät, um den Vortrag, der für drei Uhr nachmittags angesetzt war, noch abzusagen, falls mein Text Missfallen erregen sollte. Und da ich wusste, was ich geschrieben hatte, hielt ich das für sehr wahrscheinlich. „Mein Vortrag am Nachmittag verlief turbulent“, heißt es im Tagebuch, die Ereignisse eher beschönigend. Ich sprach über den latenten Antisemitismus, den ich im vereinigten Deutschland spürte, vor allem unter angepassten Intellektuellen, unter Linken. (Dabei waren „Spiegel“ und „Süddeutsche“ damals noch nicht zu ihrer richtigen Form aufgelaufen.) Professor Z. und Mitarbeiter des Goethe-Institutes versuchten, die Diskussion abzuwürgen, die sehr aufregend verlief: Zustimmung von einigen Israelis, heftige Angriffe durch anwesende deutsche Diplomaten, Professoren, Kirchenleute. „It was a shame to hear this“, sagte ein älterer Deutscher. Meine Antwort: „Maybe, but not my shame.“ Kurz, es war nicht das, was man sich vorgestellt hatte. Einige Tage später traf ich nochmals mit Herrn R. vom Goethe-Institut zusammen, an der Rezeption des Hotels, wo er eben meine Rechnung bezahlte. Er wies auf die Kosten hin, die mein Aufenthalt in Jerusalem verursacht hätte, und fügte anklagend hinzu: „Und dann hatten wir so viel Ärger ihretwegen.“ Laut Tagebuch beschäftigte mich schon damals die Frage: „R. vom Goethe-Institut erwähnt mit einem gewissen Stolz, dass er kein Wort Hebräisch spricht, obwohl er seit Jahren hier lebt. Auch sein Englisch ist schauderhaft. Nach welchen Gesichtspunkten werden solche Stellen besetzt?“

Beim Abflug war ich sicher, niemals mehr vom Goethe-Institut eingeladen zu werden. Da ich damals schon meine Auswanderung im Blick hatte, nahm ich es nicht allzu tragisch. Übrigens war es dann nicht so leicht wie gedacht, mich aus den Aktivitäten des Goethe-Instituts zu eliminieren, da gelegentlich ahnungslose Dritte meine Teilnahme an Veranstaltungen vorschlugen. Und in einigen Fällen, wenn „Drittmittel“ im Spiel waren, auch durchsetzten. Ich nahm solche Einladungen meistens an, mit dem besonderen Vergnügen, den Funktionären des Goethe-Instituts ein Ärgernis zu sein.

So kam es im Juli 2010 auf Veranlassung der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft zu meiner Teilnahme an einer Konferenz im Goethe-Institut Tel Aviv. Ich lebte damals schon lange im Süden Israels und fuhr mit dem Zug, „unter blauem Himmel, mit Blick auf offene Wüste“, wie ich notierte, also in bester Laune. Dann saß ich mit einigen gestandenen Israel-Kritikern auf dem Podium, mit dem eloquenten Tel Aviver Soziologie-Professor Moshe Zuckermann (beliebter Referent des Goethe-Instituts, Autor des Buches „Israels Schicksal. Wie der Zionismus seinen Untergang betreibt“) und einem ehemaligen israelischen Botschafter in Deutschland, Avi Primor (Träger hoher Auszeichnungen wie des Bundesverdienstkreuzes „mit Stern und Schulterband“). Sie trugen wie üblich ihre scharfe Kritik an Israels Politik und Entwicklung vor, Zuckermann erklärte wörtlich, Israel stünde „am Abgrund“, daher seien Intellektuelle moralisch verpflichtet, Widerstand gegen die israelische Regierung zu leisten. Mein Statement galt auch hier dem latenten Antisemitismus der deutschen Mainstream-Linken, den ich, wie ich sagte, seit meiner Jugend bestens kannte, „auch in all seinen modischen Verkleidungen“, da ich selbst aus der Linken stamme.

 

Mosche Zuckermann brauchte Wasser

Als ich den Gedanken aussprach, Israel-Kritik sei heute „eine beliebte Tarnung für die alten antijüdischen Ressentiments“, erlitt Moshe Zuckermann einen cholerischen Anfall, der uns ernsthaft um seine Gesundheit bangen ließ. Nach einigen schreiend hervorgestoßenen Sätzen lief sein Gesicht rot an, er begann am ganzen Körper zu zittern, dann sprang er auf und lief aus dem Saal. Avi Primor entzog sich einer weiteren Diskussion, indem ihm plötzlich, mitten in der Veranstaltung, ein wichtiger Termin anderswo einfiel und er sich eilig verabschiedete. In der Tür stieß er mit Zuckermann zusammen, der sich offenbar auf der Herrentoilette kaltes Wasser über den Kopf gegossen hatte und nun, immer noch tropfend, aufs Podium zurückkehrte. Der damalige Leiter des Goethe-Instituts Tel Aviv, Dr. B., ertrug höflich meine Anwesenheit bis zum Ende der Veranstaltung, gab mir jedoch beim Abschied zu verstehen, dass er nicht damit rechne, mich jemals wiederzusehen.

Dennoch trat ich im November 2010 nochmals im Goethe-Institut Jerusalem auf, in einer Veranstaltung, die der Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung Hamburg, Dr. D., organisiert hatte. Im Tagebuch finde ich die kurze Notiz: „Vortrag Goethe-Institut vor sympathischer deutscher Gruppe, Jung-Politiker, Bundeswehroffiziere, Juristen. Karsten D. umarmt mich zum Abschied, verabredet drei Tage Veranstaltungen in Hamburg mit mir für kommenden Mai. Kurzes, heftiges Zusammentreffen mit der Leiterin des Goethe-Instituts Jerusalem, Frau L., die nachträglich so tut, als hätte sie nicht gewusst, dass ich in ihren Räumen auftrete. Die Veranstaltung sei ohne ihre Kenntnis durch Dr. D. von Hamburg aus ‚mit einer Mitarbeiterin‘ vereinbart worden. ‚Ich weiß natürlich, wer Sie sind‘, sagt sie und wirft mir einen vernichtenden Blick zu. Zuerst wirkt sie nur neurotisch und zänkisch, doch allmählich beschleicht mich das Gefühl, sie hätte wirklich Angst. Wovor? Muss sie sich irgendwo verantworten, weil ich, offenbar im Goethe-Institut persona non grata, ihre Räume betreten habe? Schon die dritte Leiterin dieser vom Auswärtigen Amt unterhaltenen Einrichtung, die ich kennenlerne, alle drei unfähig zu einem vernünftigen Dialog. Seltsame Personalpolitik.“

 

Gehört anti-israelische Gesinnung zu den Auswahlk riterien des Goethe-Instituts?

Mochte ich nun im Goethe-Institut Unperson sein, so sandte uns diese Einrichtung dennoch regelmäßig Referenten ans Deutsche Studienzentrum der Ben-Gurion-Universität in Beer Scheva. Da ich zu den Gründern des Zentrums gehöre, wurde ich gelegentlich gebeten, solche Veranstaltungen zu leiten und auf diese Weise doch wieder mit einer Einrichtung, die mich eigentlich in Bann getan hatte, zu kooperieren. Humanitatem nobis. Die Gäste waren deutsche Akademiker oder Autoren, die das Goethe-Institut nach Israel eingeladen hatte und die sich alle Mühe gaben, dieser Ehre gerecht zu werden. So auch Esther Dischereit, eine wenig bekannte jüdische Schriftstellerin aus Heppenheim an der Bergstraße, die seit 1993 immer wieder „Lese- und Vortragsreisen auf Einladung verschiedener Goethe-Institute in die USA, nach Medellín/Kolumbien und in europäische Länder“ absolviert, wie die biographische Notiz verhieß. In Beer Scheva in der Wüste Negev gibt es nur ein winziges deutschsprachiges Publikum, wir sind froh, wenn – neben einer Handvoll Universitäts-Mitarbeiter – zehn Zuhörer zu einer solchen Kultur-Veranstaltung erscheinen. Zu unserer Überraschung begann Esther ihre angekündigte Lesung experimenteller Prosa mit einer politischen Tirade gegen die Politik Israels im Nahen Osten.

Und während wir uns ihre zwar wenig sachkundige, doch emotional geladene Kritik an unserem Land anhörten, überkam mich wieder, wie schon bei Frau L., der Leiterin des Jerusalemer Goethe-Instituts, der Eindruck einer Pflichtübung. Gehören solche Bekundungen zu den Bonus-Punkten, wenn man vom Goethe-Institut als Mitarbeiter eingestellt oder als Referent eingeladen werden will? Ist das gemeint, wenn sich das Goethe-Institut, wie es auf seiner Website erklärt, für „wirksame und glaubwürdige Verständigungsprozesse“ in Israel einsetzt? Auf das kleine universitäre Publikum in Beer Scheva hatte die politische Belehrung eher gegenteilige Wirkung. Eine ältere Dozentin, aus der früheren Sowjetunion eingewandert, äußerte ihr Befremden, statt der angekündigten literarischen Texte eine Verurteilung Israels vorgesetzt zu bekommen. Sie mokierte sich darüber, wie ungeschickt diese Art deutsche Regierungspropaganda hier in der Negev-Wüste wirke.

 

Ende der Nicht-Einmischung

Für mich wurde Esthers Auftritt zum unerwarteten Impuls. Bis dahin überwogen meine Hemmungen, mich als im Ausland lebender Autor kritisch zur deutschen Politik zu äußern, derlei erschien mir wie ungebetene Einmischung in die Angelegenheiten eines Landes, in dem ich nicht mehr lebe. Doch während ich Esther Dischereits wie bestellt wirkender Agitprop-Rede zuhörte, schmolzen diese Skrupel dahin. Ich habe bald darauf begonnen, in den wenigen regierungskritischen Medien in Deutschland, auf der „Achse des Guten“ oder in der „Jüdischen Rundschau“, zu veröffentlichen und mich mit deutlichen Worten in die Affären meines fernen Geburtslandes einzumischen. Was sich das Goethe-Institut herausnimmt, kann man mir nicht verwehren.

Das Goethe-Institut wird inzwischen vom Simon-Wiesenthal-Center zu den weltweit auffälligsten antisemitischen Einrichtungen gezählt. Eine Einstufung, die viele für übertrieben halten. Eine solche Geldverbrennungsanlage hat natürlich zahlreiche Fürsprecher, auch einige jüdische. Ist das vom deutschen Auswärtigen Amt bezahlte Goethe-Institut tatsächlich judenfeindlich? Aus meiner Erfahrung muss ich bestätigen, dass es Israel-feindlich ist, auf eine ganz selbstverständliche, verinnerlichte Weise. Die heiß diskutierte Frage, ob eine Ablehnung Israels „automatisch“ judenfeindlich ist, kann hier nur gestreift werden. Wenn ich in Betracht ziehe, dass der Staat Israel das Rückgrat der kleinen, weltweit verstreuten jüdischen Minderheit ist, gibt es für mich wenig Zweifel.

Die deutsche Linke ist dem Judenhass ihrer verehrten Gründerväter wie Marx und Kautsky treu geblieben. Wenn Johannes Ebert, gegenwärtiger Generalsekretär des Goethe-Instituts, mit Boykott-Bewegungen gegen Israel sympathisiert und ihren Vertretern seine millionenschwere Einrichtung zur Verfügung stellt, liegt er ganz in der Tradition der ihn prägenden Ideologie. Er ist seit dreißig Jahren Mitarbeiter des Goethe-Instituts und kann eine Kreatur dieser Einrichtung genannt werden. Aus Mitgefühl mit den deutschen Steuerzahlern, die für 200-250 Millionen Euro Jahresbudget aufkommen müssen, sei hier mein wichtigster Einwand gegen das Goethe-Institut genannt: dass es plump und dilettantisch vorgeht, auf gestrige, bereits gescheiterte Konzepte setzt und Deutschlands Ansehen schadet. Insofern ist es ein typischer Vertreter derzeitiger deutscher Politik.

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