Der Jom Jeruschalaim

Jerusalem ist nicht nur die Hauptstadt von Israel, sondern auch spirituelles Zentrum des Judentums und seit Jahrtausenden Sehnsuchtsort der jüdischen Diaspora. Am Jerusalemtag, feiert Israel die Befreiung der Stadt von arabischer Fremdherrschaft im Jahr 1967.

1967 konnten die israelis ihre Hauptstadt Jerusalem vollständig von den Arabern zurückerobern.© Emmanuel DUNAND, AFP

Von Dr. Nikoline Hansen

 

Jerusalem – das ist die Stadt, die das Herz der jüdischen Religion repräsentiert. Seit König Salomon vor 3.000 Jahren dort den Ersten Tempel errichten ließ, werden Gebete und Synagogen nach Jerusalem ausgerichtet, und seit der Zerstörung des Zweiten Tempels beten religiöse Juden an den Werktagen täglich für Jerusalem: „Habe Acht auf Jerusalem, deine Stadt. Lass deine Gegenwart in ihr wohnen und lass es bald und noch in unseren Tagen eine Stadt sein, in der deine Gerechtigkeit wohnt. Möge sie ein Zentrum des Gebets sein für alle Völker. Gepriesen seist du, Ewiger. Du baust Jerusalem.“

 

In Psalm 122 spielt Jerusalem die zentrale Rolle. Die Stadt ist Hoffnungsort und Vision, ihr Wohlergehen ist gleichsam angestrebtes Ziel, die Vision eines Zusammenlebens in Frieden.

In Psalm 137 heißt es schließlich „Wenn ich dich je vergesse, Jerusalem, dann soll mir die rechte Hand verdorren. Die Zunge soll mir am Gaumen kleben, wenn ich an dich nicht mehr denke, wenn ich Jerusalem nicht zu meiner höchsten Freude erhebe“. Und einmal im Jahr, am Ende des Pessachmahls, wünscht man sich „Nächstes Jahr in Jerusalem“ – und das tun selbst die sonst eher säkular lebenden Juden.

 

Die Ersten, die auferstehen werden

Jerusalem, das ist ganz wörtlich auch die Stadt des Friedens (ir schalem), und die Stadt der Visionen, wie es in Isajah 2:3-4 heißt: „Denn das Gesetz wird aus Zion kommen und das Wort G’ttes aus Jerusalem“ und „Sie werden aus Schwertern Pflugscharen und aus ihren Speeren Sicheln machen“. Die Vision vom Frieden ist mit der Stadt so eng verbunden, wie in den deutschen Medien die Bilder orthodoxer Juden in der Altstadt oder steinewerfender arabischer Jugendlicher – sicher besonders beeindruckende Bilder, aber die besonders umstrittene Altstadt ist nur ein kleiner Teil der Realität. Der andere ist eine hochmoderne Straßenbahn, die vom Herzlberg bis nach Ostjerusalem fährt, jenem Teil der Stadt, in dem die arabische Bevölkerung überwiegt, der wunderbar bunte und vielseitige Mahane-Yehuda-Markt, der größte Markt Israels im westlichen Teil der Stadt, der sich abends in eine Bar- und Partygegend verwandelt, ein Busbahnhof, von dem aus man in alle Teile des Landes kommt, der israelische Parlamentssitz Knesset sowie eine reiche Kunst- und Museenlandschaft.

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