Vor 78 Jahren: Verzweifelter Todeskampf im Warschauer Ghetto

Im April 1943 begannen die Juden der polnischen Hauptstadt den bewaffneten Aufstand gegen die NS-Besatzung. Fast einen Monat lang hielten sie trotz ihrer aussichtslosen Lage den Deutschen stand.

Ein Modell der 1943 zerstörten Großen Synagoge in Warschau© WOJTEK RADWANSKI / AFP

Von Samira Kley

Vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges im Jahre 1939, war eine Großstadt in Polen das Zentrum jüdischen Lebens in Europa: Warschau. Fast vierhunderttausend Juden lebten in der polnischen Hauptstadt.

Herz der jüdischen Gemeinschaft war die geschichtsträchtige Große Synagoge, ein klassizistischer Sakralbau, geschaffen nach dem Vorbild des Brüsseler Justizpalastes. Der prachtvolle Gebetssaal hatte die Form einer Emporenbasilika. Die Errichtung dauerte von 1875 – 1878, ganze drei Jahre.

Doch im September 1939 nahm das friedliche Leben der Juden in Warschau ein Ende. Nach den Angriffen der Nationalsozialisten auf Warschau und der folgenden Kapitulation der polnischen Armee, besetzte die deutsche Wehrmacht das Stadtzentrum. Unzählige jüdische Politiker, Geistliche und Intellektuelle verließen unterdessen die Stadt. Die meisten von ihnen flohen in die Sowjetunion. Wichtige jüdische Organisationen und Parteien, wie der „Allgemeine Jüdische Arbeiterbund“ oder „Poale Zion“, verloren ihre Führungspersönlichkeiten und waren somit dem Niedergang geweiht. Die übriggebliebenen Mitglieder waren nun ziellos und chaotischen Zuständen ausgeliefert.

 

Errichtung des Ghettos

Kurz nach der Besetzung Warschaus, befahlen die Nationalsozialisten der jüdischen Gemeinschaft den Umzug in den Westen der Stadt. Dort lag das Ghetto, in dem Juden von der übrigen Stadtbevölkerung separiert werden sollten.

In großen Häuserkomplexen zusammengepfercht mussten sie dort ab jetzt unter harten Lebensbedingungen ausharren. Unter Zuteilung von viel zu wenig Nahrung und Bloßstellung durch Kennzeichnung mit dem Judenstern, war die jüdische Gemeinschaft nun die am meisten diskriminierte ethnische Gruppe der Stadt.

Nach knapp drei Jahren Besatzung durch die Nationalsozialisten begann am 22. Juli 1942 die große Deportation von Juden aus dem Warschauer Ghetto in das Vernichtungslager Treblinka. Die Deportationen dauerten bis in den September desselben Jahres an. In dessen Verlauf fanden über 265.000 Menschen den Tod entweder in Treblinka selbst oder auf dem Weg dorthin.

Die ausgehungerten Bewohner des Ghettos wurden, um sie problemlos aus der Stadt transportieren zu können, teilweise unter Vorspiegelung falscher Tatsachen, zum sogenannten Umschlagplatz an dem an das Ghetto angrenzenden Bahnhof gelockt. Die Nazis versprachen den Juden, die sich freiwillig zum Transferort begeben würden, Brot und Wasser. Viele ließen sich darauf ein, da ihr Hunger zu einer immer unerträglicheren Bürde wurde. Gleichzeitig wurden Ghettobewohner von den Deutschen gejagt, wenn sie sich nicht freiwillig fügten. Straßen wurden abgesperrt, Häuser umzingelt, und wer nicht gehorchte, wurde noch an Ort und Stelle erschossen.

Sie können diesen Artikel vollständig in der gedruckten oder elektronischen Ausgabe der Zeitung «Jüdische Rundschau» lesen.

Vollversion des Artikels

€ 0,75 inkl. MwSt.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser!

Hier können Sie

die Zeitung abonnieren,
die aktuelle Ausgabe oder frühere Ausgaben kaufen
oder eine Probeausgabe der Zeitung bestellen,

in gedruckter oder elektronischer Form.

Vollversion des Artikels

€ 0,75 inkl. MwSt.
Zugang erhalten

Sehr geehrte Leser!

Die alte Website unserer Zeitung mit allen alten Abos finden Sie hier:

alte Website der Zeitung.


Und hier können Sie:

unsere Zeitung abonnieren,
die aktuelle oder alte Ausgaben bestellen
sowie eine Probeausgabe bekommen

in der Druck- oder Onlineform

Unterstützen Sie die einzige unabhängige jüdische Zeitung in Deutschland mit Ihrer Spende!

Werbung


Wie der Araber Hamouda zum Juden Baruch Mizrahi wurde

Wie der Araber Hamouda zum Juden Baruch Mizrahi wurde

Jüdischer Geist, jüdisches Schicksal: Die Geschichte eines Arabers, der zum Judentum konvertierte

In den Straßen der polnischen Bronx

In den Straßen der polnischen Bronx

Der polnische Autor Szczepan Twardoch entführt den Leser in seinem Roman „Der Boxer“ in Warschaus Unterwelt der Zwischenweltkriegsjahre.

1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland: „Die jüdische Gemeinde in Halberstadt war doch etwas ganz Einzigartiges“

1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland: „Die jüdische Gemeinde in Halberstadt war doch etwas ganz Einzigartiges“

Die Stadt Halberstadt am Harz war einst ein bedeutendes jüdisches Zentrum – das Berend-Lehmann-Museum stellt diese Geschichte vor.

Das Königsspiel

Das Königsspiel

Zum 80. Todestag des Juden Emanuel Lasker, des einzigen Schachweltmeisters aus Deutschland. Das Superhirn floh zuerst vor Hitler und dann vor Stalin und verstarb im Alter von 72 Jahren in New York.

Der unangepasste EKa

Der unangepasste EKa

Ein außergewöhnliches Leben verdient eine außergewöhnliche Biographie. Der deutsch-jüdische Mediävist Ernst Kantorowicz, in der Weimarer Republik ein Star in intellektuellen Kreisen, geriet nach seiner Emigration aus Nazideutschland in Vergessenheit. Dank der neuen Biografie des amerikanischen Mittelalterhistoriker Robert E. Lerner erlebt der 1963 in New Jersey verstorbene Ernst Kantorowicz ein Revival.

Waldemar Haffkine: der vergessene jüdische Impf-Pionier

Waldemar Haffkine: der vergessene jüdische Impf-Pionier

Der im zaristischen Russland geborene Waldemar Haffkine rettete die Welt vor der Pest und der Cholera und hat die Entwicklung neuer Impfstoffe revolutioniert. Die verdiente große Anerkennung wurde ihm jedoch vorenthalten. Er starb 1930 im Alter von 70 Jahren im schweizerischen Lausanne.

Verschollener Brief: Sun Yat-Sen, Gründer des modernen China, lobte Zionismus

Verschollener Brief: Sun Yat-Sen, Gründer des modernen China, lobte Zionismus

Der Revolutionär Sun Yat-sen gilt heute in China als Volksheld. Er wurde 1912 erster Präsident der Republik China und beendete so die mehr als zweitausendjährige Herrschaft der Kaiser. In einem kürzlich wiedergefundenen Brief outet er sich als Fan des Zionismus.

Ein KZ in Afrika

Ein KZ in Afrika

Ein Tagebuch erhält derzeit große Aufmerksamkeit. Während des Zweiten Weltkriegs schrieb es der in einem libyschen Konzentrationslager inhaftierte Jude Josef Dadusch. Besondere Beachtung fand das Schicksal dieses KZ-Insassen bei arabischsprachigen Nutzern der Sozialen Netzwerke, die sich nun eine Übersetzung in die arabische Sprache wünschen.

Joseph Schmidt – der jüdische Superstar Österreichs der 30er Jahre

Joseph Schmidt – der jüdische Superstar Österreichs der 30er Jahre

Einer der talentiertesten und bekanntesten Sänger der 1930er Jahre war der jüdische Tenor Joseph Schmidt. Mit seiner unverkennbaren Stimme eroberte er weltweit die Herzen.

Leo Weiss alias Muhammad Asad

Leo Weiss alias Muhammad Asad

Die beeindruckende Geschichte eines österreichischen Juden, der im 20. Jahrhundert das Gesicht der islamischen Welt mitprägte – in einer Zeit als der Islam fortschrittlicher war, als er es heute ist.

Der jüdische Rächer aus Davos

Der jüdische Rächer aus Davos

Vor 85 Jahren erschoss der aus Deutschland zwangsemigrierte Jude David Frankfurter in der Schweiz den Nazi-Gruppenleiter Wilhelm Gustloff

Wie die Balfour-Erklärung zustande kam (Teil 2)

Wie die Balfour-Erklärung zustande kam (Teil 2)

Die Historiker diskutieren bis heute über die Balfour-Deklaration und über die doppelzüngige Politik der britischen Regierung. Ohne Balfour-Erklärung gäbe es keinen jüdischen Staat. Wenig bekannt ist die Geschichte, wie es zu dieser Erklärung kam. Eine besondere Rolle bei deren Zustandekommen spielte der spätere Präsident Israels Chaim Weizmann.

Werbung

Alle Artikel
Diese Webseite verwendet Cookies, um bestimmte Funktionen zu ermöglichen und das Angebot zu verbessern. Indem Sie hier fortfahren, stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Mehr dazu..
Verstanden