In Erinnerung an Dr. Manfred Gerstenfeld: Wahrheit gegen Mythos

Der kürzlich verstorbene niederländisch-jüdische Autor Manfred Gerstenfeld war eine der wichtigsten konservativen Stimmen des israelischen Journalismus.

Nahm keine Rücksicht auf journalistische Tabus: Dr. Manfred Gerstenfeld© www.youtube.com

Von Ben Cohen

Doch die Wahrheit – dass in den Niederlanden während des Krieges die Kollaboration mit den deutschen Besatzern weit verbreitet war, dass viele Menschen die Augen davor verschlossen haben, dass die überwältigende Mehrheit der Juden des Landes deportiert und vernichtet wurde – können nicht für immer verborgen bleiben, egal wie sehr wir versuchen, uns selbst und andere zu täuschen.

In dieser Hinsicht war Dr. Manfred Gerstenfeld, der am 25. Februar im Alter von 84 Jahren in Jerusalem verstarb, ein unübertroffener Meister der Kunst, Mythen zu dekonstruieren, um die nackte Wahrheit zu enthüllen. Er tat dies durch seine unzähligen Bücher und Artikel, in denen er das Fortbestehen des Antisemitismus nach dem Holocaust analysierte, vor allem in den verschiedenen Ländern Europas, dem Kontinent, in dem er geboren wurde und den größten Teil seines Lebens verbrachte.

Ich kannte Manfred Gerstenfeld persönlich seit fast 20 Jahren als Freund und intellektuellen Mentor. Äußerlich war er der Inbegriff eines europäischen Gentlemans, immer tadellos gekleidet und mit einem Akzent, der seine Wiener Wurzeln verriet. Auf mehreren Reisen nach Jerusalem besuchte ich ihn in der Wohnung, wo er mit seiner Frau lebte, und wo ich – in seinem mit Büchern vollgepackten Wohnzimmer sitzend und mit einem Glas Scotch in der Hand – seinen Erkenntnissen über die Ausbrüche von Antisemitismus lauschte, die immer öfter in Europa und anderen Ländern auftraten, wobei ich Gerstenfelds Fähigkeit bewunderte, die Ideen und Themen auszumachen, die scheinbar unzusammenhängende Ereignisse miteinander verbanden.

Als der sogenannte „neuen Antisemitismus“ um die Jahrhundertwende an Fahrt aufnahm, waren nur wenige Wissenschaftler, darunter Gerstenfeld, in der Lage zu erklären, dass der Wein zwar neu, die Schläuche aber alt waren. „Das weit verbreitete Wiederaufleben des europäischen Antisemitismus nach dem Holocaust deutet darauf hin, dass er in der europäischen Kultur und den europäischen Werten verankert ist“, stellte er in einem Artikel von 2005 klar. Wie das Ballett, so fuhr er fort, habe der europäische Antisemitismus viele Kritiker und Verleumder, und doch – wiederum wie das Ballett – sei seine Bedeutung für die Entwicklung der europäischen Kultur unbestreitbar, und er hätte eine große Zahl von Bewunderern bewahrt. „Die Statistik würde wahrscheinlich zeigen, dass die Zahl der europäischen Antisemiten bei weitem jene übersteigt, die Ballett mögen“, bemerkte er.

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