Das Königsspiel

Zum 80. Todestag des Juden Emanuel Lasker, des einzigen Schachweltmeisters aus Deutschland. Das Superhirn floh zuerst vor Hitler und dann vor Stalin und verstarb im Alter von 72 Jahren in New York.

Emanuel Lasker 


Von Dr. Alexander Gordon

Ein Spieler, Philosoph, Psychologe, Mathematiker, Schachtheoretiker, Schachweltmeister für 27 Jahre in Folge (länger als jeder andere), Kettenraucher – Emanuel Lasker war einer der bedeutendsten Persönlichkeiten, die die Schachwelt je kannte. Er war eine große Figur und nicht nur auf dem Schachbrett. „Emanuel Lasker war zweifelsohne einer der interessantesten Menschen, denen ich in den letzten Jahren begegnet bin“, schrieb Albert Einstein.

Lasker, der zweite Schachweltmeister, ist 1868 in Berlinchen (Preußen) geboren. Sein Vater war Kantor in der Synagoge, sein Großvater Rabbiner. Der ältere Bruder des zukünftigen Schachweltmeisters brachte ihm das Schachspielen bei als Emanuel nach Berlin zog, um Mathematik zu studieren. 1901 veröffentlichte er seine Dissertation „Über Reihen auf der Convergenzgrenze“, die der berühmte deutsche Mathematiker jüdischer Herkunft Max Noether betreute. 1902 wurde ihm der Doktortitel in Mathematik verliehen. Seine bekannteste mathematische Arbeit wurde 1905 veröffentlicht und beschäftigte sich mit der Theorie der Moduln und Ideale. Dieses Theorem wurde später von der herausragenden Mathematikerin Emmy Noether (der Tochter von Max Noether) verallgemeinert und erhielt den Namen „Satz von Lasker-Noether“. 1907 veröffentlichte Lasker die Schrift „Kampf“, in der er seine Sicht auf die Spieltheorie darstellt, die er auf die Wirtschaft erweitert.

 

Albert Einstein

In einem der Gespräche hat mir Professor Nathan Rosen, ein Mitarbeiter von Einstein im Princeton University folgende Geschichte erzählt, die er vom großen Physiker hörte. 1927 hat Einstein Lasker in Berlin kennengelernt, den er den „Menschen der Renaissance“ nannte. Rosen erwähnte die fehlerhafte Rezeption Laskers, was die Relativitätstheorie anging. Schon nach der Veröffentlichung der astronomischen Beobachtungen, die ihre Geltung bewiesen, setzte Lasker seine Unterschrift unter die Broschüre „100 Autoren gegen Einstein“ (1931), die die Relativitätstheorie kritisierte. Der große Mathematiker akzeptierte die Relativität der Zeit nicht, da er das wichtigste Postulat der Theorie – die Konstanz der Lichtgeschwindigkeit im Vakuum – anzweifelte. Im Vorwort zur Lasker-Biografie von Jacques Hannak erwähnt Einstein die originelle und fehlerhafte Kritik der Relativitätstheorie von Lasker. Als jemand, der feste philosophische Überzeugungen hatte, konnte Lasker sich nicht mit der „Umstellung“ abfinden, die die Relativitätstheorie bezüglich der Sicht auf Raum und Zeit mit sich brachte. Während der gemeinsamen Spaziergänge sprach hauptsächlich Lasker. In vielerlei Hinsicht war der Weltmeister eine befremdliche Person für Einstein, obwohl er an dem großen Schachspieler die „seltene Unabhängigkeit der Persönlichkeit“ schätzte, die mit einem „regen Interesse für alle großen Probleme der Menschheit“ einherging. Die Philosophie von Lasker, die er in seinem Buch „Die Philosophie des Unvollendbar“ darlegte, störte ihn dabei die neue Theorie anzunehmen.

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