Ignatz Nacher: Der jüdische Bierkönig

Vom Chef des zweitgrößten deutschen Brauereikonzerns zur Flucht am Bettelstab

Die Engelhardt-Brauerei in der Danckelmannstraße in Berlin-Charlottenburg© WIKIPEDIA

Von Dr. Joseph Heid

Am 26. Juni 1913 kommt der in Detmold ansässige Brauereidirektor Ignatz Nacher bei der Hohen Fürstlichen Regierung in Detmold „gehorsamst“ mit dem Gesuch ein, seine „Naturalisation geneigtest vornehmen“ zu wollen. Naturalisation ist der Begriff, der in der Sprache der damaligen Zeit das bezeichnet, was in der Gegenwart „Einbürgerung“ genannt wird. Er sei österreichischer Staatsangehöriger und nach den Gesetzen seiner bisherigen Heimat „dispositionsfähig“, womit er seine Geschäftsfähigkeit darstellt, und über seine „untadelige“ Führung im In- und Auslande werde er noch einen Beweis erbringen.

Tausende, aufgrund der diskriminierenden Verhältnisse im zaristischen Russland oder im österreichischen Galizien ins Deutsche Reich geflohenen Juden, haben den Wunsch, sich naturalisieren zu lassen. Indes ist die Einbürgerung für die ausländischen Juden in Preußen bzw. in das Deutsche Reich durch immer weitere behördliche Auflagen zu einem nahezu unerreichbaren Ziel geworden. Kurz: Die Einbürgerung von Ostjuden in Preußen-Deutschland ist unerwünscht.

Die meisten Einbürgerungswilligen begründen ihren Antrag mit dem Hinweis auf ihren jahre- oder jahrzehntelangen Aufenthalt im Deutschen Reich. Durch die lange Zeitspanne, meinen viele, sei ihre kulturelle und geistige Bindung mit der alten Heimat verlorengegangen und an deren Stelle ein Empfinden und „Gefühl“ für Deutschland getreten, wohlwissend, dass diese Haltung im Einbürgerungsverfahren ein ausschlaggebender Faktor ist. Da eine „deutsche Gesinnung“ allerdings keine messbare Größe ist, dient der Zweifel daran einzelnen Beamten als Vorwand für eine Ablehnung. Auf der anderen Seite ist der Wunsch vieler ausländischer oder staatenloser Juden, sich durch Einbürgerung aus ihrer unsicheren Rechtslage zu befreien, nur allzu verständlich. Ebenso einsichtig die Begründung vieler Antragsteller, durch die Sicherung ihres staatsbürgerlichen Status die Zukunft ihrer in Deutschland geborenen Kinder garantiert zu wissen.

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