Wie die Balfour-Erklärung zustande kam (Teil 1)

Ohne Balfour-Deklaration gäbe es keinen jüdischen Staat. Wenig bekannt ist die Entstehungsgeschichte dieses berühmten Dokuments. Die JÜDISCHE RUNDSCHAU berichtet in mehreren Folgen darüber.

Chaim Weizmann, der später erster Staatspräsident Israels wurde

Von Karl Pfeifer

1913 lebten 300.000 Juden in Großbritannien, von denen lediglich 8.000 Mitglieder einer zionistischen Organisation waren. Die überwiegende Mehrheit der britischen Juden waren Einwanderer oder die Kinder von Einwanderern, die den Pogromen in Osteuropa oder der Armut in Südeuropa entkommen waren. Sie wohnten in London, oder in anderen großen industriellen Städten wie Manchester und Leeds und arbeiteten sehr oft als Schneider, Kürschner und Näherinnen. Einigen gelang es kleine Geschäfte oder Betriebe zu eröffnen. Konfrontiert mit Existenzproblemen hatten sie wenig Zeit für Zionisten, die über ein entferntes Land sprachen. Die meisten wollten die jüdische Tradition bewahren, aber nur wenige waren bereit einer utopischen Bewegung beizutreten.

Juden, deren Familien mehr als zwei Generationen in Großbritannien lebten, waren noch weniger an der zionistischen Bewegung interessiert. Einige waren erfolgreiche Geschäftsleute, andere hatten einen freien Beruf gewählt. Unter dieser glücklichen Minderheit gab es einige wenige, die sehr reich waren. Beispielsweise die Rothschilds, die Montefiores, Samuels und Montague, um einige der Prominenten zu nennen. Nur wenige wurden als Abgeordnete ins Parlament gewählt, und saßen auf beiden Seiten des Hauses. Die Cousins Herbert Samuel und Edwin Montagu waren Mitglieder in der liberalen Asquith-Regierung. Diese Juden lebten wie andere Engländer ihrer Klasse, nur getrennt durch die von ihnen praktizierte Religion. Der britische Antisemitismus war verglichen mit dem anderer europäischer Länder mild und die britischen Juden waren Patrioten eines Landes, dass ihnen seit 1858 die gleichen Rechte gewährte. Sie fühlten sich als jüdische Briten und nicht als britische Juden und hatten in der Regel nichts übrig für Zionisten, die darauf bestanden, dass Juden ein Volk bzw. eine Nation sind. Dies bedeutete aber keine Gleichgültigkeit gegenüber den Juden, die in Eretz Israel lebten. Sie glaubten jedoch nicht daran, dass die jüdische Präsenz dort zur Lösung des „jüdischen Problems“ in Russland oder Rumänien beitragen könne.

Die britischen Juden wurden durch den 1760 gegründeten Board of Deputies repräsentiert, der aus von Synagogen gewählten Delegierten bestand. Einer ihrer Präsidenten, Moses Montefiore wurde bekannt, als er versuchte auf die Verfolgung von Juden im Ausland aufmerksam zu machen. Doch dies tat er als Privatperson und nicht als Vertreter des Boards. Es gab auch die 1871 gegründete Anglo-Jewish Association (AJA), in der die Mitgliedschaft eine Guinea (ein Pfund und ein Shilling) – eine damals beträchtliche Summe – kostete. Diese Organisation von britischen Juden, ging davon aus, dass die jüdische Religion eine unter vielen in Großbritannien sei.

Der Board of Deputies und die AJA gründeten 1878 das Conjoint Foreign Committee of British Jews, um die britische Außenpolitik zu beeinflussen. Konkret ging es darum, dass die Briten den Berliner Kongress 1878 zur Garantie der religiösen Toleranz im Nahen Osten und auf dem Balkan, insbesondere in Rumänien, veranlassen sollten. Zunächst schien es, als ob die britischen Bemühungen erfolgreich sein würden, doch in der Praxis wurde das insbesondere in Rumänien bis 1914 nicht beachtet.

Im 20. Jahrhundert spielte der Direktor von AJA, Lucien Wolf, eine Rolle bei der Bekämpfung des Zionismus. Er war der Sohn eines böhmischen Fabrikanten, der an der Revolution 1848 teilgenommen hatte und nach England flüchtete. Der 1857 in London geborene Wolf wuchs in einem liberalen Haus auf, ging in Brüssel und Paris in die Schule und konnte Französisch und Deutsch sprechen und schreiben wie Englisch. Er wurde ein erfolgreicher Journalist und interessierte sich für jüdische Angelegenheiten, aber den Zionismus lehnte Wolf ab, weil dieser davon ausging, dass der Antisemitismus nicht beseitigt werden kann.

Als sich zwischen 1908 und 1914 die Juden des Balkans in ständiger Gefahr befanden, gelang es Wolf gute Kontakte mit führenden Beamten des Foreign Office herzustellen und sie zu überzeugen, die von den Großmächten auf dem Berliner Kongress postulierte religiöse Toleranz erneut durch eine Erklärung vom 28. Juli 1914 zu bestätigen. Eine Woche später kam es zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges.

 

Herbert Samuel

Wesentlich mehr Einfluss auf die britische Außenpolitik hatte Herbert Samuel, Mitglied der Regierung des liberalen Ministerpräsidenten H. H. Asquith. Samuel, der Sohn eines erfolgreichen Bankers, hatte das Balliol College in Oxford mit Auszeichnung absolviert. 1889 nahm er an der erfolgreichen Wahlkampagne seines älteren Bruders Stuart teil, der das East-End-Viertel Whitechapel im Stadtrat von London vertreten wollte. In diesem schmutzigen und heruntergekommenen Viertel lebten tausende jüdische Einwanderer. Diese schrecklichen Bedingungen bewegten Samuel, dessen Maxime es war: Regierungen gibt es, um die Lebensbedingungen der Armen zu verbessern. Seine ersten politischen Beziehungen knüpfte er mit dem radikalen Flügel der liberalen Partei und mit dem gemäßigten Fabian-Flügel der Sozialisten. 1902 publizierte er „Liberalism: Its Principles and Proposals“, das einige Jahre später zur Grundlage der von der Regierung Asquith durchgeführten Reformen wurde. Im gleichen Jahr wurde er Mitglied des Parlaments und 1909 Mitglied der Regierung. Er trat ein für die Eingrenzung körperlicher Züchtigung und für Jugendgerichte. Sein Biograph vermerkte, „Samuels Zionismus war die einzige politische Leidenschaft in seiner einmalig leidenschaftslosen Karriere“.

Eine ganz andere Geschichte hatte Chaim Weizmann, der bis auf den ersten zionistischen Kongress an allen teilnahm und beim 11. Kongress in Basel Großbritannien repräsentierte. 1874 in Motol (Weißrussland) als Sohn eines Holztransporteurs geboren, beschrieb er in seinem autobiografischen Buch „Trial and Error“, Motol als eine Mischung aus einem Dorf und einer Stadt, die nächste Bahnstation war 30 km entfernt. Hie und da gelangte eine hebräische Zeitung in den Ort, die buchstäblich zerlesen wurde. Seine Familie war fest verankert in der jüdischen Tradition, in der die Rückkehr nach Zion eine große Rolle spielte.

Von den zwölf Weizmann-Kindern fanden neun ihren Weg nach Eretz Israel.

Zwischen den Söhnen und Töchtern und ihren Schulkameraden kam es zu lebhaften Diskussionen zwischen Zionisten, Assimilationisten, Sozialisten und Anarchisten. Die sehr religiöse Mutter war tolerant, und wenn nötig versteckte sie die revolutionären Flugblätter im Garten und begegnete den Polizisten mit solch Würde und Unschuld, dass sie nicht weiter im Haus blieben. In der Bibliothek befanden sich der Talmud neben den Büchern von Gorki und Tolstoi, und die Schulbücher für Chemie und Medizin neben hebräischen Romanen sowie zionistischen Zeitschriften.

Im Cheder begeisterte er sich für die Propheten und wurde als 11-Jähriger in eine russische Schule nach Pinsk geschickt, wohin die Familie später übersiedelte. Die Chibat Zion (Liebe zu Zion)-Bewegung hatte auch in dieser Stadt mit 30.000 Einwohnern ihre Anhänger. 1881 nach der Ermordung von Zar Alexander kam es zu Pogromen und die Gesetze gegen Juden wurden verschärft, insbesondere kam es zum Numerus clausus. Die jüdischen Schüler lasen hebräische Tageszeitungen und Zeitschriften sowie moderne jiddische Klassiker wie Scholem Aleichem.

Als Absolvent des Gymnasiums wollte Weizmann nicht die Entwürdigung von jüdischen Studenten an russischen Hochschulen erdulden.

 

Chaim Weizmann zog nach Hessen

Er bekam an einem jüdischen Internat in Pfungstadt (Hessen) einen Posten als Russisch- und Hebräisch-Lehrer. Für zwei Stunden Unterricht erhielt er Kost und Logis sowie 300 Mark pro Jahr. Pfungstadt war weniger als eine Stunde mit dem Zug von Darmstadt entfernt, wo es eine Universität gab.

Um aus Russland herauszukommen hätte er einen Reisepass benötigt. Er fand aber Arbeit beim Holztransport auf dem Fluss nach Danzig und sparte sich so die hohen Kosten. In Thorn, der ersten deutsche Station nahm er seine Sachen. Die Ordnung und die Sauberkeit machten einen großen Eindruck auf ihn, allerdings war er überrascht, dass sein Pinsker Jiddisch von den Deutschen nicht verstanden wurde.

Die Verpflegung im orthodoxen Internat war miserabel. Der orthodoxe Internatsbesitzer Dr. Barness beschrieb sich als Deutscher mosaischer Konfession. Weizmann wunderte sich über die Reaktion der deutschen Juden auf den starken Antisemitismus und machte sich lustig über die Naivität deutschen Juden, die meinten mit ein wenig Aufklärung würde der Antisemitismus beseitigt werden. Weizmann antwortete einmal „Herr Doktor, wenn ein Mann etwas im Auge hat, dann will er nicht wissen, ob das ein Stück Dreck oder ein Stück Gold ist, er wird es entfernen wollen“.

 

Purim und die Studenten von Berlin

Weizmann wurde von Avdut betoch Cheruth („Sklaverei in der Freiheit“), dem Essay des Begründers des kulturellen Zionismus, Ascher Ginzburg, der sich unter dem Namen Achad Ha-am mit den assimilierten Juden des Westens auseinandersetzte, beeinflusst. Zum Glück waren sein Vater und sein Schwager erfolgreich in Pinsk, so dass sie Chaim aufforderten sich an der Universität Berlin einzuschreiben und ihn mit monatlich 100 Mark unterstützten. Bereits Jahre vor seiner Ankunft in Berlin gab es dort einen „Jüdisch-russischen wissenschaftlichen Verein“, dessen Aktivisten wie Schmarya Levin, Leo Motzkin und Nachman Syrkin eine wichtige Rolle in der zionistischen Bewegung spielen sollten. Sie trafen sich am Samstagabend im Hotel Zentrum am Alexanderplatz, um endlose Diskussionen zu führen, besuchten aber auch Theater und Oper. Felix von Weingartner war damals der bekannteste Dirigent und ein Platz während der Generalprobe der Neunten Symphonie Beethovens kostete nur ein paar Pfennig. Es war das fröhliche Purimfest, und die jüdischen Studenten aus Russland saßen ganz oben auf den billigsten Plätzen. Als es zum Gesang kam, standen sie auf und sangen begeistert mit dem Chor. Weingarten war neugierig, wer diese Leute waren, er stieg hinauf und die Studenten sagten ihm wie sehr sie ihn bewunderten und dass Purim sei. Weingarten lud alle ein in die nahe Bierhalle und bezahlte ein Bier und „Würstchen“.

1898 übersiedelte Weizmann nach Freiburg (Schweiz), wo er 1899 sein Doktorat mit summa cum laude machte. Er wurde dann Privatdozent an der Universität Genf und dank eines Patents, dass er IG-Farben verkaufte, hatte er ein paar Jahre ein unabhängiges Einkommen. Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit war er auch äußerst aktiv in der zionistischen Bewegung, er war Mitglied der demokratischen Fraktion, die den praktischen Zionismus im Gegensatz zum politischen befürwortete. Nachdem Herzl Uganda für die Ansiedlung von Juden empfohlen hatte, hat Weizmann heftig widersprochen. Er übersiedelte 1904 nach England und begann in einem chemischen Labor an der Universität Manchester zu arbeiten. Dort wurde er später Professor und 1910 britischer Staatsbürger.

 

Netzwerken in England

In Manchester traf er drei Männer, die in der Entwicklung des Zionismus eine bedeutende Rolle spielen sollten: Harry Sacher, Israel Sieff und Simon Marks.

Der bekannte Journalist Nachum Sokolow

Sacher wurde 1881 in London als Sohn von eingebürgerten polnischen Juden geboren. Sein Vater arbeitete als selbständiger Schneider und er war ein ausgezeichneter Schüler, der am New College in Oxford aufgenommen wurde, wo er seinen ersten akademischen Grad in Geschichte erwarb, er setzte seine Studien fort an den Universitäten in Berlin und Paris. Als er aber an seinem alten College in Oxford kein Stipendium erhielt, begann er beim liberalen „Manchester Guardian“ als Journalist zu arbeiten. In London war er kurze Zeit Rechtsanwalt. Sacher blieb immer ein Mitarbeiter von Weizmann, auch wenn die beiden manchmal heftig miteinander diskutierten, blieben sie ihr ganzes Leben lang enge Freunde.

Simon Marks und Israel Sieff waren sieben bzw. acht Jahre jünger als Sacher, sie spielten keine große Rolle bei den zionistischen Diskussionen über Politik und Strategie, doch eine wichtige Rolle beim Fundraising und der Organisation.

Die beiden sind in der gleichen Straße in Manchester aufgewachsen, haben in den Schulen in der gleichen Klasse gelernt und wurden Geschäftspartner, die das Warenhaus Marks & Spencer gründeten.

Sieff hatte – ohne dafür eine Bezahlung zu erhalten – als Helfer für Weizmann agiert. Er schrieb später, dass Weizmann ihn bei der ersten Begegnung mitriss und um diesen zu beeindrucken brüstete er sich mehr Geld für Weizmann sammeln zu können als jeder andere. Weizmann hat ihn getestet, denn er brauchte einen „Schnorrer“. Sieff bewies seine Fähigkeit.

Neben Weizmann spielte auch der 1860 in Ostpolen geborene Nachum Sokolow eine wichtige Rolle bei der Erlangung der Balfour-Erklärung. Er kam aus einer Familie berühmter Rabbiner und sollte diesen Beruf ebenfalls ergreifen. Doch das wollte er nicht, und so verließ er sein Schtetl und ging nach Warschau, wo er Sprachen lernte und eine Karriere im Journalismus machte. 1913 war er Zeitungsinhaber und einer der bekanntesten Journalisten. Er war auch tätig in der Leitung der Zionistischen Weltbewegung in Berlin. Seine diplomatischen und politischen Fähigkeiten haben vielleicht sein Talent als Autor überragt. Er hatte diese in den Salons von Warschau, Köln und Berlin entwickelt.

Am 3. März 1913 stand ein elegant gekleideter, monokeltragender Nachum Sokolow vor dem Gebäude des Foreign Office in White Hall. Er hatte vorher drei Monate warten müssen, und am 12. Februar notierte ein Beamter „jemand sollte ihn sprechen, aber desto weniger wir mit Zionisten zu tun haben, umso besser“. Als Sokolow erfuhr, dass Sir Arthur Nicolson keine Zeit für ihn hatte und er mit dessen Privatsekretär, dem Earl of Onslow sprechen werde, ließ er sich seine Enttäuschung nicht anmerken, sondern schilderte charmant die Entwicklung der jüdischen Siedlungen und deren Schwierigkeiten mit den Türken. „Es ist zum Vorteil von Großbritannien, wenn das jüdische Element stärker in der Nähe Ägyptens wird.“ Sein Gespräch dauerte 90 Minuten.

 

„Die Juden waren nie gute Landwirte.“

Doch Sokolows Argumentation wurde nicht akzeptiert. Nach seiner Besprechung mit seinem Sekretär bemerkte Nicolson, „Die Juden waren nie gute Landwirte. Auf alle Fälle sollten wir nicht die Zionisten unterstützen, denn da gibt es verschiedene Ansichten in der Türkei. Die alten Türken und die Araber verabscheuen die Zionisten.“

Sokolow versuchte im Juli 1914 wieder mit dem Foreign Office zu sprechen. Auf sein Ansuchen stand gekritzelt „es ist wirklich nicht notwendig, dass jemand seine Zeit vergeudet, doch weil Herr Sokolow schon einmal empfangen wurde, sollten wir ihm mitteilen, dass wir glücklich sein werden, ihn wieder zu empfangen. Doch ich bin dagegen, selbst das Opfer zu sein.“ Der zuständige Beamte entschied, „wir können antworten, dass wenn er gut genug wäre uns einen schriftlichen Bericht zu liefern, wir diesen aufmerksam lesen werden.“ Sokolow hat diesen nicht geschrieben, doch ein paar Monate später hat das Foreign Office doch Interesse am Zionismus gezeigt.

So wie die Sozialisten der verschiedenen Länder in den Ersten Weltkrieg zu den Schützengräben marschiert sind, so machten das auch die Juden und die Zionisten als loyale Bürger ihrer Staaten. Der „Jewish Chronicle“ hängte auf sein Gebäude am 14. August ein Plakat, „England tat alles, was es konnte für die Juden, jetzt werden die Juden alles für England tun“.

Am 9. November 1914, eine Woche nach dem Eintritt der Türkei in den Krieg traf Samuel den Foreign Secretary Sir Edward Grey. Diesmal war es kein russischer Jude, der mit einem unwilligen Beamten sprach, sondern ein Mitglied der britischen Regierung und ein Zionist.

Er hatte sich gut vorbereitet und kam sofort zum Wesentlichen. „Vielleicht kommt es zu der Erfüllung eines alten angestrebten Ziels des jüdischen Volkes und die Wiedererrichtung eines jüdischen Staates.“ Und Samuel zählte auf, weshalb Großbritannien dieses „alte angestrebte Ziel“ unterstützen sollte.

Das wichtigste, „die geographische Lage von Palästina und insbesondere die Nähe zu Ägypten wären wichtig für das britische Weltreich“. Wenn man Russland überzeugen könnte, dies zu unterstützen, würde das ein Grund sein für die Juden ihrer Regierung beizustehen. Das würde auch den britischen Verbündeten guttun und Samuel argumentierte, eine prozionistische Politik würde die jüdische öffentliche Meinung in der ganzen Welt positiv beeinflussen.

Samuel schrieb über sein Gespräch: „Diese Idee war für ihn immer gefühlsmäßig attraktiv. Die historische Anziehungskraft war sehr stark. Er bejaht den Vorschlag und wäre bereit dafür einzutreten, wenn es eine Gelegenheit gibt.“

Noch am gleichen Tag hatte Samuel ein Gespräch mit einem anderen Kollegen, dem Schatzkanzler (Finanzminister) David Lloyd George. Ein Jahr zuvor im April 1913 beschrieb dieser Samuel als „einen habgierigen und ambitionierten Juden mit all den schlechtesten Eigenschaften seiner Rasse“. Am 9. November 1914 antwortete Lloyd George, er wäre „begeistert dort einen jüdischen Staat etabliert zu sehen.“ Das ermutigte Samuel ein Memorandum für alle Regierungsmitglieder vorzubereiten.

 

Helfen die Rothschilds?

Weizmann bemühte sich um die Unterstützung des Bankhauses Rothschild. Seine Vorkriegsbemühungen um eine Hebräische Universität in Jerusalem brachten ihm die Begegnung mit Edmond de Rothschild in Paris. Er besuchte diesen gerade bei Kriegsausbruch. Weizmann kannte auch den Sohn des Baron, James, ein hochgewachsener, eleganter, monokeltragender Liebhaber des Pferderennens und Besitzer mehrerer preisgekrönter Pferde, der als 35-Jähriger die 17-jährige Dorothy (Dolly) Pinto heiratete. Bei Ausbruch des Krieges ging Baron James zur französischen Armee, seine Frau blieb in London.

Weizmann hatte zwei lange Gespräche mit Dorothy und fragte sie, ob Juden, wie der englische Lord [Nathan Mayer] Rothschild und sein Kreis bereit wären etwas zu tun. Dorothy schrieb ihm „Ich habe mit Herrn Charles Rothschild, nicht offiziell gesprochen und während unseres Gesprächs hatte er völlig der Idee [eines jüdischen Palästina] zugestimmt, tatsächlich meinte er, das wäre die einzig mögliche Zukunft.“ Charles war der zweite Sohn von Nathan Rothschild und der jüngere Bruder von Walter Lionel Rothschild, der später Lord Rothschild wurde und an den die Balfour-Erklärung adressiert war.

Weizmanns Charme hatte eine Faszination für die britische Elite. Rozsika Rothschild stellte Weizmann Robert Cecil vor, einem Cousin von Arthur Balfour, der als parlamentary under secretary of state for foreign affairs fungierte. Cecil berichtete seinem Vorgesetzten über den guten Eindruck, den ihm die Erläuterungen Weizmanns gemacht haben, im Gegensatz zu „seinem doch etwas schäbigen Äußern.“ So reagierte das britische Establishment auf den zionistischen Führer zu Kriegsbeginn.

Nach Eintritt des Osmanischen Reiches in den Krieg an der Seite der Mittelmächte hatte sich die Haltung des Foreign Office zu der zionistischen Bewegung diametral geändert.

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