Das Zyklon B kam mit den Wagen des Roten Kreuzes

Über die Befreiung von Auschwitz am 27. Januar 1945 und die deutschen UNO-Beschlüsse gegen Israel

Gefangene in Auschwitz© Murat KULA / TURKISH PRESIDENTIAL PRESS SERVICE / AFP

Von Simone Scherman

„Wir lagen in einer Welt der Toten und der Larven. Um uns und in uns war die letzte Spur von Zivilisation geschwunden. Das Werk der Vertierung, von den triumphierenden Deutschen begonnen, war von den geschlagenen Deutschen vollbracht worden.

Mensch ist, wer tötet, Mensch ist, wer Unrecht zufügt oder leidet; kein Mensch ist, wer jede Zurückhaltung verloren hat und sein Bett mit einem Leichnam teilt. Und wer darauf gewartet hat, bis ein Nachbar mit Sterben zu Ende ist, damit er ihm ein Viertel Brot abnehmen kann, der ist, wenngleich auch ohne Schuld, vom Vorbild des denkenden Menschen weiter entfernt als der roheste Pygmäe und der grausamste Sadist.“

So schreibt Primo Levi in „Ist das ein Mensch?“, seinem Buch über Auschwitz. Eine Episode aus dem Inferno, oder wie Levi es sagt, eine Episode aus dem „Gift“ von Auschwitz; es ist der Vortag der Befreiung des Lagers, der 26. Januar.

Zum 76. Mal jährt sich 2021 die Befreiung von Auschwitz, als Soldaten der Roten Armee ungefähr 8.000 Menschen befreiten. Oder eben das, was von ihnen, den Überlebenden, noch übrig war. Befreit wurden die Zurückgelassenen, jene, die nicht mehr Mensch genug waren, um zu laufen.

 

Das Zyklon B wurde mit Wagen des Roten Kreuzes angeliefert

Diese Menschen befanden sich in den drei Hauptlagern von Auschwitz: im Stammlager Auschwitz, im Arbeitslager Auschwitz-Monowitz und im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. In Auschwitz wurden 1,3 Millionen Frauen, Kinder und Männer ermordet und dann verbrannt. Die Todesfabrik arbeitete mit fünf Krematorien 24 Stunden am Tag und kam in den Krematorien II und III auf eine Tagesleistung von 1.440 Leichen, in den Krematorien IV und V auf 768 Leichen. Die Gaskammern hatten dabei eine weit höhere Kapazität und konnten 3.000 Menschen töten. „Die Möglichkeiten der Vernichtung hatten auch in Auschwitz ihre Grenzen“, bedauerte Lagerkommandant Rudolf Höß später. An „ruhigen“ Tagen, worunter Eisenbahntransporte mit weniger als 500 Menschen fielen, ließ er sie mit Kleinkalibergewehren erschießen, um das Zyklon B zu sparen, das mit den Wagen des Roten Kreuzes angeliefert wurde.

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