„J‘accuse!“

Rezension zum neuen Film „Intrige“ über die Dreyfuss-Affäre zu Ende des 19. Jahrhunderts

© WIKIPEDIA

Von Simone Schermann

Quand on est mort, c’est pour longtemps. Ach, besonders wenn es einen Lebendigen trifft, dann ist er für lange Zeit tot. (Theodor Herzl)

Am 6. Februar 2020 war in Deutschland Kinostart für „Intrige“. Nun ist der Film auf Amazon Prime erschienen und wird in die Kinogeschichte eingehen, da er ästhetisch und cineastisch ein Hochgenuss ist. Er führt uns sowohl die nostalgische Atmosphäre der Belle Époque wie in einer Traumsequenz vor Augen, fordert parallel aber alle Sinne für die fesselnden Details der Handlung ein.

Der französische Originaltitel lautet „J’accuse!“, nach dem berühmten offenen Brief von Émile Zola, der für die Wiederaufrollung des wohl berühmtesten Justizskandals Frankreichs und die Begnadigung eines unschuldig Verurteilten sorgt. Roman Polanski präsentiert mit seiner Erzählung über den jüdischen Hauptmann Dreyfus einen Kriminal- und Spionagefilm, der um Fragen von Moral und Gerechtigkeit kreist, aber auch um Mut und Zivilcourage, sich entschieden einem Geflecht aus Denunziation und antijüdischen Ressentiments entgegenzustellen, das von Staat, Justiz, Militär und Medien ausgeht.

„Intrige“ ist aber weit mehr als das. Der Film ist eine Parabel auf aktuelle antisemitische Ressentiments, wie sie derzeit in ganz Europa beobachtet werden können. Er legt den Finger in die Wunde Frankreichs, die als „L’Affaire“ in die Geschichte der Grande Nation einging und bis heute nachwirkt.

 

Die Vergangenheit ist niemals tot

Paris während des Goldenen Zeitalters der Belle Époque, in dem man in Gedanken durch Klimt-Gemälde traumwandelt. Die Zeit der Salons, der Wintergärten mit Palmen, Orchideen und anderen exotischen und tropischen Pflanzen. Man flaniert auf Kieswegen, die Herren tragen Zylinder, und die Damenmode ist atemberaubende Haute Couture, bis hin zur Unterwäsche aus Spitzen, Seidenrüschen und Volants. Die Herren picknicken im Anzug, ihre Damen tragen überdimensionale Hüte. Die Etikette gibt vor, dass die Damen sich mehrfach am Tage umziehen. Und dennoch befindet sich alles im Wandel.

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