Israel bleibt ein Staat der Juden

Der israelische Autor Yoram Hazony beleuchtet in seinem neuen Buch „Nationalismus als Tugend“, warum Israel sich im Gegensatz zu zahlreichen EU-Staaten nicht vom Konzept der Nation verabschieden will und kann.

Von Hein Tiede

In seinem Lied „Imagine“ schwärmt John Lennon davon, dass es keine Staaten mehr geben möge. „Nothing to kill or die for“ – nichts wofür man töten und sterben müsse. Dass diese Sicht auf den Nationalstaat viel zu kurz gegriffen und falsch ist, weist Yoram Hazony in seinem Buch „Nationalismus als Tugend“ nach.

Richtig gelesen: Hazony bemüht nicht den „aufhübschenden“ Begriff Patriotismus, sondern vermittelt auf 272 Seiten, inklusive rund 50 Seiten Anmerkungen und Quellenangaben, ein ganz anderes Bild als das geläufige. Den Begriff „Nation“ definiert der Autor als „eine gewisse Anzahl von Stämmen mit gemeinsamer Sprache oder Religion und einer Geschichte des Zusammenwirkens als Einheit zum Zwecke der gemeinsamen Verteidigung…“

Demgegenüber heißt es allenthalben von Politikern, wenn sie beispielsweise die Errungenschaften der EU und internationaler Vereinbarungen hervorheben, Nationalismus sei die Ursache für Krieg und Unterdrückung anderer Menschen und Völker, führe zur Drangsalierung eigener Minderheiten.

Deutlich unterscheidet Hazony zwischen nationalen und imperialen Staaten. Letztere haben ihren Willen anderen aufgezwungen, sich überdehnt und sind letztlich gescheitert. Dieses Scheitern haben alle großen Reiche hinter sich: das Ägypten der Pharaonen, das Römische Reich, Napoleons Hegemonialstreben, das Britische Empire und auch Hitler, der den umliegenden westlichen Nationen seinen Willen aufzwingen und die östlichen versklaven wollte.

Dass Nationalismus eine selbstbeschränkende Tugend ist, weist Hazony anhand der biblischen Geschichte nach. Moses wurde auf dem Weg ins Gelobte Land nur ein ganz bestimmtes zugewiesen. Andere Gebiete, in denen beispielsweise die Nachfahren Lots lebten, durfte er nicht besiedeln.

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