Neue hoffnungsvolle Alzheimer-Therapie der israelischen Neurowissenschaftlerin Michal Schwartz auf dem Weg zur klinischen Erprobung

Eine von einer israelischen Forscherin entwickelte Antikörpertherapie gegen Alzheimer wird derzeit einer aussichtsreichen klinischen Studie unterzogen. Sollte die Behandlung erfolgreich sein, könnte sie den Krankheitsverlauf entscheidend verändern und das Fortschreiten der Krankheit verhindern.

Betreuerinnen im Altenheim© WILL OLIVER , AFP

Von Redaktion Audiatur

Die Therapie, die von ImmunoBrain Checkpoint (IBC) entwickelt wurde, einem biopharmazeutischen Unternehmen, das sich auf Immuntherapien für neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer spezialisiert hat, basiert auf über 20 Jahren Forschung eines Teams am Weizmann Institute of Science unter der Leitung von Professor Michal Schwartz von der Abteilung für Neurobiologie.

Prof. Schwartz leistete Pionierarbeit im Bereich der Gehirnforschung und erbrachte den Nachweis, dass ein Gehirn zu seiner Erhaltung und Reparatur einen lebenslangen gesunden Dialog mit dem Immunsystem führt. Das Gehirn brauche das Immunsystem, um zu funktionieren, sagte sie gegenüber dem Nachrichtenportal über Innovation und Technologie aus Israel NoCamels.

Ihr Team stellte die zentrale Rolle des systemischen Immunsystems für die gesunde Funktion und Reparatur des Gehirns fest. Insbesondere zeigte das Team, dass sowohl Monozyten als auch T-Zellen für die Reparatur von verletztem ZNS-Gewebe benötigt werden. Prof. Schwartz sagt, dies habe ihr Team zu der Entdeckung veranlasst, dass die Rolle des Immunsystems für die Aufrechterhaltung der Gehirngesundheit unerlässlich ist.

„Eine wichtige Entdeckung, die uns bei der Erforschung der Alzheimer-Krankheit weiterbrachte, machte mein Team in den Jahren 2004 und 2006, als wir zum ersten Mal bemerkten, dass die Gehirnfunktion – Plastizität des Gehirns, kognitive Fähigkeiten und viele andere Funktionen des Gehirns – von der Integrität des Immunsystems abhängt“, sagt sie. „Das war eine große Überraschung, denn das Immunsystem ist nicht Teil des Netzwerks des Gehirns.“

Auf der Grundlage dieser Forschung entwickelte das 2016 gegründete Unternehmen ImmunoBrain Checkpoint einen Antikörper zur Aktivierung des Immunsystems. In der Phase-I-Studie wird der firmeneigene Antikörper IBC-Ab002 getestet, um das Immunsystem zu stärken und Reparaturprozesse im Gehirn bei Personen mit Alzheimer-Krankheit auszulösen.

Schwartz‘ Team hat gezeigt, dass bei einem geschwächten Immunsystem mit Hilfe von Antikörpern, die auf hemmende Immunkontrollpunkte abzielen (die häufig von erschöpften Immunzellen stammen), die Kommunikation zwischen Gehirn und Immunsystem neu gekoppelt und dadurch das Gehirn vor Funktionsverlust geschützt werden kann.

Während die Studien von Prof. Schwartz die Grundlage für ihre jüngste Entwicklung dieser neuartigen Immuntherapie lieferten, konnte der neue Ansatz die Symptome reduzieren und sogar den kognitiven Verlust bei Mäusen mit Alzheimer-Erkrankung rückgängig machen.

Alzheimer-Behandlung

Bei der Alzheimer-Krankheit handelt es sich um eine Degeneration des zentralen Nervensystems. Die Krankheit, eine langsame und fortschreitende Degeneration von Nervenzellen im Gehirn, die sich durch einen starken Rückgang der kognitiven Fähigkeiten, insbesondere des Gedächtnisses, ausdrückt, wurde erstmals 1906 von dem deutschen Psychiater und Neuropathologen Alois Alzheimer beschrieben und nach ihm benannt.

Gegenwärtig gibt es keine zugelassenen Therapien für die Alzheimer-Krankheit, die ihren Verlauf ändern können. Laut Prof. Schwartz handelt es sich bei allen gegenwärtigen Therapien um symptomatische Behandlungen, die auf die Alzheimer-Symptome abzielen, einschließlich derer, die derzeit verfügbar sind, nachdem sie im Alzheimer- Behandlungszentrum in der Abteilung für Neurologie des Hadassah-Universitätskrankenhauses in Jerusalem entwickelt wurden.

„Die Behandlung ändert den Verlauf der Krankheit nicht“, erklärt sie NoCamels. „Ich würde sogar sagen, dass es keine Behandlung gibt, die den Verlauf der Krankheit verändert.“

Der therapeutische Ansatz von IBC konzentriert sich darauf, möglicherweise einen Weg zu finden, den Krankheitsverlauf zu modifizieren, indem „ein gemeinsamer Reparaturpfad aktiviert wird, anstatt einige, aber nicht die gesamte Toxizität, die von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein kann, zu neutralisieren“, so Prof. Schwartz.

Der Antikörper „ist fast reif für eine klinische Studie“, sagt Prof. Schwartz. Das Unternehmen befindet sich jetzt auf der Suche nach finanziellen Mitteln, aber Prof. Schwartz gibt zu, dass die aktuelle Coronavirus-Pandemie dies erschwert hat. Das Unternehmen „hat bereits mehrere Millionen aufgebracht“ und benötigt etwa 9 bis 10 Millionen Dollar, um die klinische Studie zu beginnen.

„Ich denke, dieser Ansatz kann auch zur Bekämpfung anderer neurodegenerativer Krankheiten eingesetzt werden“, sagt Prof. Schwartz und bemerkt, dass sie ihn gerne bei ALS und der Lou-Gehrig-Krankheit eingesetzt sehen würde. „Ich bin recht optimistisch.“

Prof. Michal Schwartz ist bekannt für ihre revolutionären Beiträge zur Hirnforschung. Ihre Forschung auf dem Gebiet der Neuroimmunologie hat die lange Zeit vorherrschende Meinung geändert, dass das Gehirn durch die Blut-Hirn-Schranke vollständig vom Immunsystem isoliert ist. Ihre Erkenntnisse haben weitreichende Auswirkungen auf das Verständnis des Geheimnisses von Gehirnerkrankungen, einer Vielzahl von Geisteskrankheiten und neurodegenerativen Erkrankungen gehabt.

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