Juden in Hebron trauern um Miriam Levinger

Im Alter von 83 Jahren stirbt die Siedlerpionierin Miram Levinger in der Erzväterstadt am Tag nach Jom Kippur. Staatspräsident Rivlin würdigt die Verstorbene ganz im Sinne der jüdischen Stammmütter als „Mutter der Rückkehrer nach Hebron“.

(Israelnetz) Sie gehörte zu den Pionieren der jüdischen Wiederbesiedelung in der Erzväterstadt Hebron: Miriam Levinger, die mit 83 Jahren in Jerusalem gestorben ist. Sie war vor dem Großen Versöhnungstag Jom Kippur ins Hadassa-Krankenhaus im Stadtteil Ein Kerem gebracht worden, weil sie sich nicht gut fühlte.

Ihr Sohn Mal’achi Levinger würdigte die Verstorbene laut der Zeitung „Yediot Aharonot“ mit warmen Worten: „Mutter war ein Leuchtturm des Glaubens, die eine ganze Generation lehrte, was Selbstverneinung und Liebe zu Israel ist. Sie war ein Symbol und ein Vorbild für Aufopferung und Pioniergeist, und sie trug mit eigenen Händen zur Erlösung der Erzväterstadt bei. Zweifellos werden ihre Pioniertaten für immer im Buch der Geschichte Israels und des jüdischen Volkes aufgeschrieben sein.“ Ähnlich äußerte sich auch die jüdische Gemeinschaft in Hebron.

Miriam Levinger war die Witwe von Rabbi Mosche Levinger, der als Gründervater der jüdischen Besiedelung in Hebron nach dem Sechs-Tage-Krieg gilt. Neun Monate nach den Kampfhandlungen, im März 1968, zogen sie vor dem Pessach-Fest mit anderen Juden ins „Park-Hotel“ der Stadt und feierten dort den Sederabend. Die Israelis blieben drei Jahre unter Militärschutz in Hebron, dann lebten sie in der nahe gelegenen Siedlung Kiriat Arba.

Elf Jahre nach diesem Vorstoß ließ sich eine Gruppe von Frauen und Kindern im „Beit Hadassa“ in Hebron nieder. Dieses Haus hatte ursprünglich die jüdische Gemeinde als Krankenhaus für Juden und Araber in der Stadt erbaut. Doch nach den Pogromen von 1929 und 1936 mussten die jüdischen Bewohner auf Anweisung der Briten die Stadt verlassen. Nach der Eroberung der Stadt im Juni 1967 nutzte die israelische Armee das Gebäude als Hauptquartier. Mittlerweile stand es leer.

 

Inspiration durch Wochenabschnitt der Tora

Im Juli 2020 erinnerte Miriam Levinger in einem Kommentar zum Wochenabschnitt „Pinchas“ (4. Mose 25,10–30,1) an die Aktion der Frauen: Um 3 Uhr morgens holte ein Lastwagen sie in Kiriat Arba ab und brachte sie zu dem Gebäude gebracht. Sie kletterten über eine Leiter in den Innenhof und legten die Kinder wieder schlafen. „Das war der Anfang. Unsere Bedingungen waren furchtbar. Kein fließendes Wasser oder Elektrizität. Wir hatten nur chemische Toiletten und viel Schmutz, Staub und Schimmel.“ Heute gehören zu dem Wohnkomplex ein Kindergarten, eine Synagoge und ein Besucherzentrum.

In dem Wochenabschnitt geht es auch um die fünf Töchter des Zelofhad, der keinen Sohn hatte. Nach dem Tod ihres Vaters erwirken sie, dass auch sie als Frauen Anrecht auf ein Erbe erhalten. Doch dies sei sehr theoretisch gewesen, da sich das Volk Israel noch auf der Wüstenwanderung befand und es im Land Israel kein Erbe zu verteilen gab. Dennoch habe sie sich ihnen verbunden gefühlt: „Es war eine besondere Ehre, dass G-tt erklärte, dass die Frauen recht hatten. Es gab Elemente in der Armee, Polizei und Knesset, die Kampagnen gegen uns führten. Ich fühlte mich sicher im Wissen, dass die Juden vor 4.000 Jahren im Gehorsam gegenüber G-ttes Befehl Israel besiedelt hatten.“

Miriam Levinger wurde 1937 in den USA geboren und wanderte 1956 nach Israel ein. Sie besuchte eine Krankenpflegeschule und heiratete 1959 Mosche Levinger. Er stammte aus Jerusalem, seine deutschen Eltern waren 1933 vor den Nationalsozialisten ins Mandatsgebiet Palästina geflohen. Sie bekamen elf Kinder. Er galt als kompromisslos in seinem Kampf um das Recht auf jüdische Besiedelung in Hebron und anderswo. Deshalb wurde er der „Sheriff von Hebron“ genannt. Er starb 2015 und wurde – ebenso wie jetzt seine Ehefrau – in der Erzväterstadt beigesetzt.

Staatspräsident Reuven Rivlin kondolierte der Familie Levinger: „Ich betrauere das Hinscheiden der ersten Mutter der Rückkehrer nach Hebron, der Rabbinerin Miriam Levinger seligen Andenkens“, schrieb er am Dienstag auf Twitter. Sie habe ein Leben mit einer Mission geführt. „Gemeinsam mit dem Rabbi widmete sie sich der Herausforderung, das jüdische Volk nach Hebron zurückzubringen, nicht als vorübergehende Gäste und als Besucher, sondern als Söhne, die nach Hause zurückkehren.“

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