Der authentische jiddische Humor der Orthodoxen

Die Fernsehserie „Shtisel“ aus Israel kommt ohne Klezmer-Klischees und ohne Verurteilung der Orthodoxie aus. Gespräche zwischen orthodoxen Juden in authentischem Jiddisch zeigen dem Publikum wie sich realer, scharfzüngiger jüdischer Humor tatsächlich anhört.

Von Simone Schermann

Auf einer Parkbank schimpfen sie über schmutzige Badezimmer in der Lobby des Altersheimes. „Hast du deshalb geweint?“, fragt Großmutter Shtisel Rebbezin Eblich. „Hast du mich jemals weinen gesehen? Ich habe nicht einmal geweint, als mein Mann den Löffel abgegeben hat“, antwortet Eblich bissig.

Es darf laut gelacht werden, über jüdisch-orthodoxe Weisheiten und über das Leben. Frauen und Männer haben zwar zugewiesene Rollen, nichts hindert sie jedoch daran, sich über alles zu amüsieren, auch über tote Ehemänner.

Über Akiwa Shtisels Interesse an der zweifachen Witwe Elisheva ist der Heiratsvermittler entsetzt: „Sie ist wie ein eingefrorenes, aufgetautes und aufgewärmtes Schnitzel. Eingefroren, aufgetaut und in der Mikrowelle aufgewärmt. Serviert auf einem Pappteller“, so Kenigsberg.

Mit „Shtisel“ ist Ori Elon und Yehonatan Indursky ein einfühlsam-humorvoller Einblick in das ultra-orthodoxe Judentum gelungen. Die Serie kommt auf leisen Sohlen daher, ohne jegliche Action oder Anzüglichkeiten aus und ist dennoch ein Publikumserfolg des Streaming-Dienstes Netflix, von dem schon bald eine dritte Staffel folgen wird.

Es ist ein Glücksfall, dass die Serie deutsch untertitelt ist, was dazu beiträgt, die Lebenswelt ultra-orthodoxer Juden authentisch abzubilden, da ein ständiger Wechsel von Jiddisch zu Hebräisch stattfindet. Ein Ohrenschmaus für Kenner beider Sprachen und für jene, die es werden wollen. Dem synchronisationsverwöhnten deutschen Zuschauer wird zwar Einiges abverlangt, doch mit der Konzentration auf dieses Wechselspiel ungewohnter Sprachen taucht man in die Welt der strenggläubigen Juden Jerusalems ein.

Der Thora- und Talmudlehrer Shulem Shtisel (der Vater von Akiwa) liebt seine Kinder. Giti, die von ihrem Mann kurzzeitig wegen einer Schickse verlassen wurde, versucht er zu trösten, wie ein Vater eine kleine Tochter tröstet: er schneidet Grimassen. Die Menschlichkeit hinter dieser Szene ist ergreifend, weiß doch der Zuschauer, dass Shulem nichts vom Seitensprung des Schwiegersohnes ahnt, da Giti alles für sich behält, woran sie innerlich zu zerbrechen droht.

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