Viele Polen suchen nach ihren jüdischen Wurzeln

Innerhalb von nur zehn Jahren hat sich in Polen die Zahl der sich als Juden definierenden Menschen verachtfacht.

Junge Polin bei Aufräumarbeiten auf einem jüdischen Friedhof© JANEK SKARZYNSKI, AFP

Von Marzin Dsersanowski

Die genaue Adresse wird nicht genannt. Im Internet heißt es lediglich: „In Warschau, nahe Zgoda-Straße“. Es handelt sich um das erste polnische Moses-Haus – etwas zwischen Bürgerzentrum und Herberge. Dort wohnt eine Gruppe junger polnischer Juden, viele davon Studenten. Sie feiern gemeinsam Schabbat, organisieren Gesprächsrunden mit einem Rabbiner oder den Professoren der Uni. „Das ersetzt uns ein jüdisches Heim“, erzählt Helena, die Judaistik studiert. „Die meisten von uns konnten keine Erziehung im Geiste der jüdischen Tradition genießen, unsere Eltern pflegten sie nicht.“

Es gibt kein Schild an der Eingangstür – aus zweierlei Gründen: Zum einen der Sicherheit wegen, zum anderen, damit das Private auch privat bleibt. „Das ist unser Zuhause“, betont Helena. Sie seien auch für ihre Freunde da, offen für sie – und viele dieser Freunde seien nicht jüdisch. Das Moses-Haus und das jüdische Thema allgemein weckt Interesse, die Veranstaltungen im Haus sind sehr populär. Es entspricht in einer gewissen Art dem Zeitgeist, sich für das Judentum zu interessieren; Helena ist froh darüber, schließt jedoch nicht aus, dass dies für viele nur ein Hobby ist.

Die vor Kurzem durchgeführte Volkszählung zeigt: In Polen leben etwa 8.000 Juden. Das ist nicht viel für ein Land, das vor dem Zweiten Weltkrieg drei Millionen Juden zählte. Wenn man allerdings diese Zahl – 8.000 – mit den Ergebnissen der vorherigen Volkszählung, die neun Jahre zurückliegt, vergleicht, dann ist der Unterschied groß: Vor neun Jahren bezeichneten sich lediglich 1.133 Menschen als Juden. Anna Schyba, die Mitarbeiterin des Zentrums der jiddischen Kultur bei der Stiftung „Schalom“, erklärt: „Dieses Wachstum ist ein Effekt der dritten Generation. Die erste Generation bildeten die Holocaustopfer und -überlebende; die zweite – die nach dem Krieg Geborenen, deren Eltern Zeitzeugen waren. Diese beiden Generationen wollten ihr Trauma um jeden Preis vergessen. Die heutigen 20 – 30-jährigen haben keine traumatischen Erinnerungen. Sie beginnen Fragen zu stellen, ihre familiäre Geschichte ist für sie interessant, aber nicht so belastend; oft helfen sie ihren Eltern und Großeltern ihre Identität wiederherzustellen.“

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