„Der gemeinen Judischheit Befehlshaber in Teutschland“

Von den wechselvollen Beziehungen zwischen Hofjuden und Herrschern im Mittelalter und der Neuzeit Europas

Samuel Oppenheimer (1630-1703) arbeitete am Hof Kaiser Leopolds I. in Wien.


Von Leo Poljakov

Über deutsche Juden des 16. Jahrhunderts zu berichten, ist nicht leicht. Gejagt und unglücklich, pflegten sie in dieser Epoche, unauffällig zu leben, während ihre Glaubensgenossen in Spanien und Portugal als „neue Christen“ sich auf den Finanzmärkten Italiens und der Niederlande etablierten und Pioniere des transatlantischen und levantinischen Handels wurden. Unüberwindbare Barrieren trennten zu dieser Zeit die deutschen Juden von diesen „marranos“ („Schweine“; so nannte man in Spanien die unter drohender Inquisition zum Christentum konvertierten Juden, - Anm. d. Übers.); für deutsche Juden waren diese gar keine Juden mehr. „Das ist ein Land ohne Juden“, notiert lakonisch Jossel von Rosheim (1476 – 1554, Elsass. - Anm. d. Übers.) während seines Aufenthalts in Antwerpen 1531, dabei gab es dort seit Anfang des 16. Jahrhunderts eine große Gemeinde von „marranos“.

 

Jossel von Rosheim

Jossel von Rosheim ist der einzige überlieferte Name eines deutschen Juden aus der damaligen Zeit. Dabei war er weder ein berühmter Rabbi noch ein erfolgreicher Financier. Er war ein unermüdlicher Vermittler (Schtadlan) und Vertreter, der sich für die dürftigen Rechte seiner Glaubensbrüder einsetzte und eine eigene Taktik im Umgang mit den Machthabern ausarbeitete.

Seine Karriere begann recht früh. Im Alter von 25 Jahren vertrat er bereits die Interessen jüdischer Gemeinden im Elsass, seit 1520 trat er im Namen aller jüdischen Gemeinden des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation vor dessen Machthabern auf. Bald darauf verlieh ihm Kaiser Karl V. den Titel „der gemeinen Judischheit Befehlshaber in Teutschland“.

Geschickt setzte er zwei Hauptargumente ein, auf die seine Nachfolger seitdem immer wieder zurückgriffen: Verteidigungsreden moralischer und theologischer Natur, und mit großer Umsicht verteilte Gaben.

Das Letztere erlaubte ihm während des Bauernkriegs vom Schlimmsten verschont zu bleiben, als die aufständischen Bauern und auch die reguläre Armee die Juden angreifen wollten. Sein erstes Argument wandte Jossel äußerst erfolgreich 1530 im Reichstag zu Augsburg an, wo er während eines längeren Disputs alle antijüdischen Standpunkte von Antonius Margaritha, eines zum Christentum konvertierten Juden, widerlegte und so die Rücknahme des Projekts über die Vertreibung von Juden aus Ungarn und Böhmen erreichen konnte.

Jossel von Rosheim berief eine Versammlung von Rabbinern ein, bei der ein Zehn-Punkte-Kodex über die Prinzipien jüdischer Handelsmoral festgelegt wurde. Seine Argumentation zeichnete sich durch einen klaren Verstand und Überzeugungskraft aus. „Ich werde alle dazu zwingen, diesen Kodex einzuhalten, wenn die Staatsmacht alles Nötige tut, damit wir in Frieden leben können, dem Exil ein Ende setzt, uns die Möglichkeit gibt, von Ort zu Ort zu ziehen und die Anschuldigungen des Mordes und des Blutvergießens beenden wird. Denn wir sind ebenfalls menschliche Wesen, Gottes Geschöpfe, von Ihm geschaffen, um auf der Erde neben euch zu leben.“

Fast 50 Jahre lang übte Jossel von Rosheim seine Tätigkeit aus – als Vermittler vor Katholiken wie auch Protestanten. Kaiser Karl V. hielt bis zu seinem Tod seine schützende Hand über ihn. Dieser bemerkenswerte Mensch war gewissermaßen ein Pionier, was seinen Umgang mit den Mächtigen betraf; diese Art des Handels fand in den nachfolgenden Jahrhunderten weite Verbreitung – bis in die Gegenwart.

 

Die Macht des Goldes

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts erstarrten, so schien es, die jüdischen Gemeinden des Heiligen Römischen Reiches in ihrem durch die Traditionen geprägten alltäglichen Leben. Die übrige Welt jedoch durchlief eine Zeit, die geprägt war von großen Veränderungen. Den jüdischen Gemeinden gelang es, die alten Bräuche unangefochten walten zu lassen, besser, als es bei den kirchlichen Institutionen und Gildenunternehmen, die ihre uralten Privilegien zu bewahren versuchten, der Fall war.

Die alte Ordnung war auch deshalb so beständig, weil eine gewisse Stabilität einsetzte: Vertreibungen und starke Veränderungen wurden immer seltener – aber gerade noch so oft, um die Juden ihre besondere Lage als Geisel der christlichen Welt nicht gänzlich vergessen zu lassen…

Die Zeit verging, und die enormen Reserven an unternehmerischem Geschick und Standhaftigkeit, gesammelt im Laufe der Jahrhunderte, begannen Früchte zu tragen. Die neuen Möglichkeiten resultierten aus mehreren Umständen. Es war beispielsweise das allmähliche Verschwinden großer Dynastien von erfolgreichen, namhaften Händlern, das wiederum auf die Resignation infolge des Dreißigjährigen Krieges zurückzuführen war; es war die neue soziale Schichtung innerhalb der jüdischen Gemeinden; hinzu kam die neue Mentalität der Ära des Absolutismus, wo nämlich der an der Spitze des Landes stehende Herrscher nicht mehr von traditionellen Strukturen und der Elite abhängig war, sondern, im Gegenteil, einen offenen Kampf mit ihnen führte.

Die nach Macht und Geld lechzenden unzähligen deutschen Fürsten begriffen rasch, in Juden ihre idealen Helfer gefunden zu haben: Sie sind hilfsbereit, bescheiden, verfügen über zahlreiche internationale Kontakte, sind völlig frei sowohl von jeglichen Bindungen an die christliche Welt als auch von Vorurteilen. So ist auf der historischen Bühne eine neue Figur aufgetaucht, deren Spuren in der deutschen Geschichte dieser Zeit bedeutsam werden sollten: Der Hofjude.

 

Hofjuden überall

An jedem königlichen oder fürstlichen Hof gab es einen eigenen Hofjuden, quasi einen Midas – sie alle besaßen die Reputation, alles, was sie berührten, in Gold zu verwandeln. Und das Gold war die Voraussetzung für eine absolute, uneingeschränkte Macht.

Als Beispiel dieser neuen Ordnung dient die Geschichte aus dem Jahr 1673: Kaiser Leopold I. lud den Heidelberger Juden Samuel Oppenheimer und ernannte ihn zum Armeelieferanten. 30 Jahre lang führte Oppenheimer diese Aufgabe äußerst erfolgreich durch, insbesondere während der türkischen Belagerung Wiens 1683 und während der endlosen Kriege mit Frankreich. Max von Baden schrieb, dass die österreichische Armee ohne Oppenheimer nicht hätte existieren können, und Prinz Eugen (Prinz Eugen von Savoyen, 1663 – 1736, legendärer Feldherr Österreichs, - Anm. d. Übers.) weigerte sich, auf Oppenheimers Dienste zu verzichten. Um sich ein Bild von seiner Tätigkeit in vollem Umfang machen zu können, genügt es, einen Auszug aus dem Brief des bereits in die Jahre gekommenen Oppenheimers an einen hochrangigen Höfling zu lesen: „Während meiner gesamten Wiener Zeit versorgte ich fast jedes Jahr zwei Armeen, welche die Türken und die Franzosen bekämpften, mit allem Notwendigen, darunter Nahrung, Mehl, Hafer und Geld für Rekruten sowie Munition, Schießpulver, Blei, Waffen, Artillerie, Lieferwagen, Pferde und Bullen; dabei ist es nie zu einem Verlust gekommen…“

Der berühmteste überlieferte Name – Jude Süß Oppenheimer (Joseph ben Issahar Süßkind Oppenheimer, 1698 – 1738, beim Hofe des Herzogs von Württemberg, dessen Leben als historische Vorlage für Lion Feuchtwangers Roman „Jud Süß“ und den gleichnamigen propagandistischen und antisemitischen Film während der Naziherrschaft diente - Anm. d. Übers.). Er reformierte Verwaltungs- und Finanzwesen des Herzogtums und wurde zum mächtigsten Mann im Land, bevor er infolge von judenfeindlichen Anschuldigungen am Galgen endete…

Es spielte keine große Rolle, ob der Hof katholisch oder protestantisch war, und ob der jeweilige Kaiser oder Fürst ein frommer Mann war oder in Sünde lebte. Überall gab es jüdische Agenten, Bevollmächtigte, Vermittler, sei es am Hof, wo die entscheidende Rolle den Jesuiten oblag, oder auch im Dienste von Bischöfen und Kardinälen. Juden verwalteten Finanzen, belieferten Armeen, versorgten den Hof mit Stoffen und Kostbarkeiten, organisierten neue Produktionen, stellten Textil- und Lederware her, prägten Münzen, boten Tabak oder Salz zum Verkauf an.

 

Auch der König selbst war ein Außenseiter

Manches Mal verband sie mit ihren Herrschern eine aufrichtige Freundschaft. Dies war nicht zuletzt dem Umstand geschuldet, dass ein Jude aus der Gesellschaft ausgeschlossen war – und der Souverän, auf einem unerreichbaren Podest stehend, ebenfalls sehr weit von der Gesellschaft entfernt war. Und so aßen Grandseigneurs, berühmte Feldherren, ja gar Angehörige der Königsfamilie mit den Juden an einem Tisch, übernachteten in jüdischen Häusern, wenn die unterwegs waren, empfingen sie in ihren Palästen und waren auf deren Hochzeiten anwesend.

Eine Freundschaft solcher Art dauerte jedoch nur so lange dieser Jude für den Herrscher nützlich war und über Reichtum verfügte. Mit anderen Worten, seine Lage war von der Schicksalslaune abhängig und somit äußerst fragil. Keinem der erfolgreichen Hofjuden ist es gelungen, seine Position an seine Nachfahren zu übergeben. Nicht wenige beendeten ihr Leben im Gefängnis oder wurden hingerichtet. Zum Symbol des Schicksals aller Hofjuden wurde die Geschichte und das tragische Ende des „Jud Süß“, die Gerichtsverhandlung und die Freude im ganzen Land über seinen Niedergang und seine Rückkehr im Angesicht des Todes zu den jüdischen Werten. Es gibt eine Anekdote über König Friedrich Wilhelm I., die offenbar die gesellschaftliche Stellung der Hofjuden widerspiegelt: Unterwegs in einer preußischen Stadt, erhält er eine Bitte von örtlichen Juden, ihn aufsuchen zu dürfen. „Niemals werde ich diese Halunken empfangen! Sie haben unseren Gott umgebracht!“, soll der König gerufen haben. Sodann flüsterte ihm ein Kammerherr, die Juden hätten wertvolle Gaben mitgebracht. Daraufhin meinte der König: „Nun, man kann sie ja hinein lassen; schließlich sind diese Juden ja damals nicht dabei gewesen, als Er gekreuzigt wurde!“ Ob erfunden oder wahr, beschreibt diese kleine Geschichte die gemischten Gefühle, die Juden in der Barock-Epoche auslösten.

Die Hofjuden kleideten sich entsprechend der damaligen Mode – Kleidung aus prunkvollen, reich verzierten Stoffen, gepuderten Perücken. Sie bauten sich prächtige Häuser oder sogar kleine Schlösser. Wolf Wertheimer, der Bankier am Hof im Freistaat Bayern, veranstaltete Jagden, an denen Adlige, Botschafter und auch Prinz Eugen teilnahmen; Süß Oppenheimer hatte eine adlige Geliebte.

Trotz alledem hielten sie an ihrem jüdisch-orthodoxen Glauben fest und versuchten stets, ihren vom Schicksal weniger verwöhnten Glaubensbrüdern zu helfen, wo sie nur konnten. Wie auch Jossel von Rosheim, waren sie alle Schtadlane – Vermittler. Die Aufhebung der Aufenthaltsbeschränkungen für Juden, das Verhindern von Ausweisungen – das war deren Wirken. Sie verwalteten die jüdischen Gemeinden, ausgestattet mit allen Machtbefugnissen und spielten dort eine dominierende Rolle; so konnten sie ihre Widersacher sogar ins Gefängnis bringen. Diese neuen Bedingungen verstärkten soziale Ungleichheiten, für die Diaspora ohnehin charakteristisch.

An der Spitze der sozialen Leiter bildeten Hofjuden eine besondere Kaste, und ganz unten erschuf der jüdische Pöbel seine eigenen Gemeinschaften und war ein Teil des deutschen Fußvolks.

 

Jüdische Räuber

Erwähnenswert ist auch das Auftreten zahlreicher jüdischer Räuber in dieser Zeit. Es ist anzumerken, dass die Hofjuden und jüdische Banditen etwas gemeinsam haben: Beide versuchen auf ihre Weise, ihrem Status als Unberührbare zu trotzen und nehmen dabei keine Rücksicht auf die Gesellschaft, die sie diskriminiert. Die einen agieren mit den Kombinierungsfähigkeiten ihres Intellekts, die anderen gehen gröber und direkter vor.

Es ist nicht überliefert, wann genau das jüdische Räubertum seinen Anfang nahm, wir wissen jedoch, dass es bereits in der lutherischen Epoche in der deutschen Gaunersprache einen hohen Anteil von Lehnwörtern aus dem Hebräischen gab. In vielen Fällen gingen die aus dem Hebräischen stammenden Wörter der Gaunersprache später in den Sprachgebrauch über, und stellen heute Teile des deutschen sprachlichen Erbes dar. In späteren Jahrhunderten existierten sowohl rein jüdische organisierte Banden, als auch gemischte, bestehend aus Juden und Christen. Interessante Beobachtungen machten Polizeioffiziere: Sie stellten fest, dass jüdische Räuber gute Ehemänner und Väter waren, ein geregeltes Leben hatten und ihre Überfälle nie an Samstagen (Schabbat) und an Feiertagen tätigten. Obwohl deren Anteil in der deutschen kriminellen Welt verschwindend gering war, hatten sie doch das Sagen.

Offenbar fanden junge Deutsche mit schlechtem Benehmen jüdische religiöse Traditionen anziehend; so forderten christliche Insassen eines Berliner Gefängnisses die Erlaubnis, an jüdischen Gottesdiensten anwesend zu sein. Ein berühmter Banden-Anführer des 17. Jahrhunderts, Domian Hessel, ehemaliger Schüler eines Priesterseminars, bat auf dem Schafott, einen Rabbiner zu seiner Hinrichtung zuzulassen.

Absurd ist das allerdings nicht. Der Gauner christlichen Glaubens brach das Gesetz und widersetzte sich so der Gesellschaft, ihrer moralischen und religiösen Werte. Das Judentum seinerseits bildete den Gegenpol zu dieser Gesellschaft bereits durch seine bloße Existenz.

 

Maria Theresia plante die Vertreibung der böhmischen Juden

Juden wurden immer seltener vertrieben, dennoch geschah es von Zeit zu Zeit. Selbstverständlich bemühten sich die Hofjuden, dies zu verhindern, und nutzten dafür ihre internationalen Verbindungen. Das charakteristische Beispiel dafür ist die Geschichte der Vertreibung der Juden aus Böhmen 1744, diesmal im Auftrag von Kaiserin Maria Theresia, der eifrigen Katholikin. Als Grund dafür diente eine Anschuldigung der Spionage zugunsten Preußens im Laufe des österreichischen Erbfolgekrieges. Sogleich begann eine abgesprochene, gut koordinierte Kampagne, geleitet von Wolf Wertheimer, dank seiner vielen Verbindungen in die christliche Welt. Die jüdischen Gemeinden in Frankfurt, Amsterdam, London und Wien wurden über die Vertreibungs-Pläne unverzüglich in Kenntnis gesetzt; die Gemeinde in Rom erhielt den Auftrag, die päpstliche Unterstützung zuzusichern. Aus Frankreich – aus Bayonne und Bordeaux – kamen Vorschläge, Geld für die Vertriebenen zu sammeln. Als Ergebnis all dieser Bemühungen sowie der Hilfe des Königs von England gelang es, die Kaiserin umzustimmen: Juden durften schließlich zurück in ihre Häuser, allerdings wurde dafür eine enorme Summe – 240.000 Goldmünzen – bezahlt.

 

Fettmilchaufstand

So endete die letzte breit angelegte Vertreibung deutscher Juden. Diese Lösung bezeugt auch deren wachsenden internationalen Einfluss. Die letzte spontane Vertreibung, initiiert und durchgeführt von der Bevölkerung, fand im Jahr 1616 in Frankfurt statt. Dies geschah im Rahmen des großen Aufstandes der Handwerktreibenden, der unter dem Namen Fettmilchaufstand – benannt nach dessen Anführer Vinzenz Fettmilch – in die Geschichte eingegangen ist. Das Frankfurter Getto wurde von den Aufständischen regelrecht belagert; nach mehrstündigen Verteidigungsversuchen stürzte das Tor zusammen und die Meute brach in die Judengasse ein; Juden wurden ausgeraubt, verprügelt, die Geschäfte geplündert; die Angreifer versuchten, Schuldscheine und Torah-Rollen in Brand zu setzen. Es verging einige Zeit, bis der Aufstand durch das Eingreifen der kaiserlichen Armee niedergeschlagen wurde. Die unversehrt gebliebenen Juden erhielten die Erlaubnis, die Stadt zu verlassen. Einige Zeit später folgte auch Worms dem Beispiel Frankfurts: Auch dort wurden Juden aus der Stadt vertrieben.

Die Unruhestifter genossen derart große Sympathien in der Bevölkerung, dass sogar die rechtwissenschaftlichen Fakultäten, als sie diese Geschehnisse bewerten sollten, ein Verdikt ausgesprochen haben, das Folgendes besagte: „Da die Ausschreitungen bei Tageslicht abliefen und gleichzeitig von Fackeln begleitet wurden, reihen sie sich in keine juristische Kategorie ein und können ergo auch nicht bestraft werden…“

Erst 20 Monate später konnten Juden nach Frankfurt zurückkehren – unter dem Schutz der kaiserlichen Armee. Es war eine feierliche, eine symbolische Zeremonie: Es tönten Trompeten und Flöten; man schritt in einer Kolonne, in jeder Reihe – sechs Menschen; geleitet wurde die Prozession von zwei Kutschen: In einer befand sich ein ehrwürdiger Rabbiner mit weißem Bart, in der anderen – kaiserliche Wappen.

Nach den Jahren des nationalsozialistischen Terrors gab es keine ebenbürtige Zeremonie.

Trotz der Feindseligkeit seitens der Bevölkerung kannte Deutschland seit der Frankfurter Vertreibung keine offenen antijüdischen Ausschreitungen mehr. Die Mächtigen hielten dagegen, und die deutsche Bevölkerung brachte ihre später legendär gewordenen Eigenschaften an den Tag – Diszipliniertheit und Pflichttreue. Diese Attribute werden mehreren Generationen deutscher Juden ein friedliches Leben sichern, solange es den Herrschenden beliebt – und werden die Judenvernichtung im 20. Jahrhundert wesentlich erleichtern, sobald eine andere Staatsmacht die entsprechende Entscheidung trifft.

 

Übersetzung aus dem Russischen: Irina Korotkina

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