Mit einem jiddischen „Handelsreisenden“ im Abteil dritter Klasse

Scholem Alejchems „Ajsnban-geschichtess“ wurden vom Jiddistik-Institut der Universität Düsseldorf neu herausgegeben.

Scholem Alejchem© WIKIPEDIA

Von Theodor Joseph

Jiddisch ist eine Kultursprache. Die ostjüdischen Volksdichter wie Yitzack Leib Perez, Schalom Asch, Mendele Moicher Sfurim, An-Ski (Salomon Rappaport) oder Isaac Bashevis Singer (der einzige jiddisch-schreibende Schriftseller, der den Literatur-Nobelpreis erhielt), um nur fünf herausragende Namen zu nennen, haben in ihren jiddisch-sprachigen Erzählungen, Romanen und Stücken Weltliteratur geschaffen. Diese Dichter waren bei den Ostjuden verwurzelt und ein ganzes Volk war ihr „begeisterter, dankbarer entflammter“ Leser. (Arnold Zweig)

Lebendig ist Tewje, der Milchmann, in Anatevka, der so gerne reich wie Rothschild geworden wäre. Antatevka ist ein Musical, das die Bühnen der Welt erobert hat und sein Schöpfer ist Scholem Alejchem (1859-1916), der vielleicht bekannteste und populärste Schriftsteller jiddischer Sprache. Er, der eigentlich Scholem Jankew Rabinowitsch hieß, vermied jedweden belehrenden Ton, schrieb über die ihn umgebende ostjüdische Welt als eine Welt des Übergangs, in der nichts mehr ungefragt gilt, alles ins Wanken gerät.

 

Mit 15 Jahren übersetzte er Robinson Crusoe

Zu Beginn seiner Karriere schrieb Alejchem Hebräisch und übersetzte im zarten Alter von nur fünfzehn Jahren „Robinson Crusoe“ ins Hebräische. Als er dazu überging Jiddisch zu schreiben, legte er sich ein Pseudonym zu – Schalom Aleichem, die traditionelle jüdische Grußformel mit der Bedeutung: „Friede sei mit Dir“. Der Grund für diesen Namenswechsel war, dass er nicht wollte, dass seine Verwandtschaft und seine Freunde erführen, dass er in einer Sprache schrieb, die im literarischen Bereich als nicht salonfähig galt. Das war eine gute Entscheidung, denn sein Pseudonym war ihm durchaus von Nutzen, als er Kaufmann wurde und in Kiew mit einflussreichen Bürgern zu tun hatte, die keinen Schriftsteller gebrauchen konnten – ganz zu schweigen von einem Schriftsteller, der auf Jiddisch schrieb.

In seiner Dankesrede aus Anlass der Verleihung des Literatur-Nobelpreises hat Issac Bashevis Singer 1978 in Stockholm darauf hingewiesen, dass das Jiddische sein letztes Wort noch nicht gesprochen habe und es Schätze berge, wie sie die Welt noch nicht gesehen habe. Wie sehr Singer mit dieser Aussage recht hatte, bezeugen Scholem Alejchems „Eisenbahngeschichten“, die dieser während einer Genesungszeit nach einem Blutsturz und dem Ausbruch einer offenen Lungentuberkulose 1908 fertig diktierte, im gleichen Jahr in der Warschauer Zeitschrift „Di naje welt“ und der New Yorker Zeitschrift „Der amerikaner“ veröffentlichte und die jetzt, lange unbeachtet, vom Jiddistik-Institut der Universität Düsseldorf unter dem Titel „Ajsnban-geschichtess. Jiddsch un dajtsch“ neu herausgegeben wurden – ein editorischer Glücksgriff. Das liegt nicht zuletzt an dem fundierten (77 Seiten umfassenden) Einführungsessay von Dan Miron.

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