Die zögerliche Entnazifizierung Deutschlands von den 50er Jahren bis heute

Eine Chronik der meist verschleppten und weitestgehend unzureichenden Bewältigung der Nazi-Vergangenheit in der Bundesrepublik.

Besucher im Berliner Museum "Topographie des Terrors"© John MACDOUGALL , AFP

Von Dr. Nikoline Hansen

12 Jahre dauerte in Deutschland das sogenannte Tausendjährige Reich. Zwölf Jahre, in denen mit Terror und neu installierten Netzwerken Machtstrukturen aufgebaut und Menschen in sogenannten Konzentrationslagern gefoltert und ermordet wurden. Menschen, die oftmals willkürlich aus religiösen, politischen oder anderen Gründen nicht in die neu erfundene „Volksgemeinschaft“ passten. Zwölf Jahre, die ausreichten, um Menschen, die zuvor in unbefriedigenden Verhältnissen gelebt hatten, mit den entsprechenden sozialen Programmen zu Wohlstand und Macht zu verhelfen. Dazu gehörten Programme wie „KdF“, das Ferien mit dem wohlklingenden Namen „Kraft durch Freude“ versprach, Jugendorganisationen wie die Hitlerjugend oder der „Bund Deutscher Mädel“, das Müttergenesungswerk und andere Annehmlichkeiten – darunter auch die „Arisierung“, die Aneignung jüdischen Eigentums.

Jene, die sich auf die Seite der Nationalsozialisten stellten, konnten mit Vorteilen rechnen. Dieses Vorgehen hatte den Vorteil, den Zusammenhalt der Gemeinschaft zu fördern, indem eine ganze Gruppe, in erster Linie Juden, die es teilweise durch die in Preußen gewährten Freiheiten zu erheblichem Wohlstand und Vermögen in Deutschland gebracht hatten, ausgegrenzt und zum Feind stilisiert wurde. Die Massenvernichtung dieser Menschen war eines der Programme, das mit großer Konsequenz verfolgt wurde und nur auf wenig Widerstand, aber – sicher auch auf einer antisemitischen Tradition aufbauend – durchaus auf breite Zustimmung stieß.

Es ist wichtig, diese Struktur zu verstehen, um sich bewusst machen zu können, was nach dem verlorenen Krieg am 8. Mai 1945 in Deutschland geschah. Deutschland war militärisch besiegt worden. Ein kleiner Teil der Elite war tot: Hitler und Goebbels hatten sich bereits Ende April in Berlin umgebracht. Anderen Verantwortlichen wurde vom 20. November 1945 an in Nürnberg der Prozess gemacht. Die Urteile gegen die Hauptkriegsverbrecher erfolgten am 30. September und 1. Oktober 1946; Reichsmarschall Göring entzog sich dem Todesurteil durch Selbstmord.

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