Die viel zu späte Anklage der deutschen Bundesanwaltschaft gegen die IS-Rückkehrerin Omaima A.

Erst drei Jahre nach ihrer Einreise nach Deutschland wurde die Helferin der sadistischen Terrororganisation „Islamischer Staat“ verhaftet. Ihr Fall beleuchtet ein lange verdrängtes Problem: Die islamistischen Täter leben unbehelligt unter uns.

Der 1975 in Berlin geborene und 2018 in Syrien getötete 
Ex-Rapper und Islamist Deso Dogg war mit der jetzt verhafteten Omaima A. verheiratet.© ru.wikipedia.org

Von Birgit Gärtner

Die IS-Unterstützerin Omaima A. konnte im Januar 2015 unbehelligt ins IS-Kalifat aus- und im September 2016 wieder nach Deutschland einreisen, obwohl ihre Familie bereits 2012 ins Visier des Verfassungsschutzes geraten war. Erst durch die Recherchen der libanesischen Journalistin Jenan Moussa wurde der Fall im Frühsommer 2019 bekannt, Omaima A. im September 2019 schließlich verhaftet und in Untersuchungshaft genommen. Am vergangenen Montag erhob die Bundesanwaltschaft Anklage.

 

Eine „wirklich gläubige“ Muslimin

Ihre Vita liest sich wie aus einem Lehrvideo zur Ausbildung rechtgeleiteter Dschihadistinnen: Bereits 2011 hing sie nachweislich der salafistischen Ideologie an, 2012 trat ihre Familie mit dem Ansinnen an die zuständigen Behörden, im Hamburger Stadtteil Harburg ein Einkaufszentrum „for muslims only“ zu errichten. Noura A., vermutlich ihre Mutter, betrieb zu diesem Zeitpunkt einen Internetshop, den „Mumin-Shop“ – Mumin steht für „wirklich gläubig“.

Im Mai 2012 organisierte Omaima A. eine Spendenkampagne für einen „Bruder“, der wegen Polizistenmordes angeklagt war, 2015 folgte sie ihrem ersten Ehemann mitsamt den gemeinsamen Kindern in das IS-Gebiet. Nachdem dieser bei Kämpfen um Kobane ums Leben kam, heiratete sie nach islamischem Recht den Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert alias Deso Dogg, den ranghöchsten deutschen IS-Funktionär. Sie versuchte per Email, Frauen für das Kalifat anzuwerben und hielt sich laut Anklage ein jesidisches Mädchen als Sklavin.

Als sie zum vierten Mal schwanger wurde und sich wohl zudem mit Deso Dogg überwarf, verließ sie das Kalifat und ließ sich unbehelligt wieder in Hamburg nieder. Darüber hinaus wollte sie einer als salafistisch eingestuften Organisation Spenden zukommen lassen. Business as usual einer Gotteskriegerin in Friedenszeiten.

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