Das Erstaunlichste am Zeitungssterben ist das Erstaunen der Journalisten darüber

Mangelnde Glaubwürdigkeit und Belehrungsjournalismus: Der österreichische Moderator und Journalist Michael Fleischhacker über das heutige Siechtum und Sterben von Medien.

Michael Fleischhacker von Servus TV© Odd ANDERSEN , AFP

Von Peter Sichrovsky

Während des Schreibens des Porträts des Journalisten Michael Fleischhacker fiel mir bei der Bearbeitung des Interviews und dem Lesen seiner Publikationen ein Satz auf, den er auf Twitter veröffentlichte:

 

„Schon auch ein bisschen traurig, wenn man nicht einmal das eigene Sterben versteht.“

 

Schrieb er als Antwort auf eine Veröffentlichung des „Deutschen Journalisten Verband“ mit folgender Meldung:

„Zum Auftakt der 20er Jahre setzt sich das Zeitungssterben fort. Das ist nicht nur Ausdruck einer Medienkrise. Es ist auch Folge eines ungezügelten Kapitalismus, der sich seit Ende des Kalten Krieges vor 30 Jahren vom demokratischen System entkoppelt hat.“

Ein einziger Satz, selbstkritisch und anklagend gegenüber den Kollegen/Innen mit dem Vorwurf, den Grund des „Sterbens“ der Zeitungen woanders zu suchen und zu finden anstatt bei sich selbst, macht Michael Fleischhacker dennoch nicht den Eindruck eines „Sterbenden“, im Gegenteil er wirkt lebendig und optimistisch, als ob diese Berufskrise der Journalisten ihn zwar beschäftigen, jedoch nicht belasten würde.

Sein Karriereweg liest sich wie eine Wanderung durch Österreichs Medien-Wald, um dann letztlich dort anzukommen, wo er immer sein wollte und das umzusetzen, was er sich vielleicht vor langer Zeit vorgenommen hatte.

1969 in Sankt Lambrecht in der Steiermark geboren, beginnt er trotz ursprünglichem Kindheits-Wunsch Priester zu werden 1991 bei der „Kleinen Zeitung“, wo er es zum stellvertretenden Chefredakteur und Verlagsleiter schafft. 2000 wechselt er zum „Standard“ als Chef-Vom-Dienst wenige Tage vor Beginn der FPÖ/ÖVP-Koalition und übernimmt 2004 bis 2012 die Chefredaktion und Geschäftsführung der „Presse“. Nach einem kurzen Gastspiel bei der Österreich-Ausgabe der „Neuen Zürcher Zeitung“ (NZZ) leitet er ab 2014 als Moderator die TV-Diskussion „Talk im Hangar-7“ des Privatsenders ServusTV.

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