Ein Jude allein gegen die DDR

Eine Rezension des Buches von Gabriel Berger

Von Dr. Nikoline Hansen

Auch wenn der Titel reißerisch klingt: Tatsächlich schildert das Buch den Kampf eines Einzelnen gegen ein System, das ihm keine Luft zum Atmen ließ. Und um es vorweg zu nehmen: Es ist ein wichtiges Buch. Gerade in Zeiten der „Ostalgie“ leistet es einen bedeutenden Beitrag gegen das Vergessen, und es erklärt dabei auch einige der undemokratischen Tendenzen, unter denen wir derzeit leiden, wie das Erstarken des Rechtsextremismus gerade in den sogenannten Neuen Bundesländern.

Dass das Buch geschrieben werden konnte, indem es zugleich zurückblickt und doch auch die Vergangenheit teilweise akribisch wiedergibt, ist dem System der unglaublich aufwändigen Bespitzelung in der DDR-Diktatur zu verdanken, wie der Autor in seiner Danksagung schreibt, da die „hier beschriebenen Ereignisse minutiös protokolliert und so vor dem Vergessen bewahrt“ wurden. Zeitweise wurde Gabriel Berger von drei IMs gleichzeitig beobachtet, darüber hinaus erhielt er regelmäßige Besuche einer „IM Bärbel“, die die Ergebnisse ihrer Recherchen ebenfalls zeitnah an ihre Stasi-Vorgesetzten übermittelte.

 

In Frankreich geboren, als Kernphysiker in der DDR

Berger gehörte in der DDR einer kleinen privilegierten Minderheit an. Als Kind jüdischer Eltern 1944 in Frankreich geboren, war er als Verfolgter des Naziregimes anerkannt, nachdem sein Vater sich aufgrund des in Polen unerträglichen Antisemitismus 1957 für das Leben in der DDR entschied. Er durfte studieren, wurde Physiker und arbeitete im Kernforschungszentrum Rossendorf. Schon während seines Studiums hatte er enge Kontakte ins befreundete sozialistische Ausland, insbesondere nach Polen, und war den real existierenden sozialistischen Regimen gegenüber kritisch eingestellt. Seinen Ausreisewunsch, der immer stärker wurde, begründete er mit ausgefeilten philosophischen Texten mit Bezug auf die Menschenrechte. Viele dieser Schreiben sind in den Akten der Staatssicherheit im Original enthalten und werden im Buch zitiert. So etwa der überaus lesenswerte Brief „Keine Toleranz mit Intoleranz“, den er an die Leitung seines Instituts richtete und in dem er unter anderem schreibt:

„Unter Toleranz verstehe ich die aus der menschlichen Unvollkommenheit folgende Anerkennung des Prinzips, wonach alle ihre Meinung äußern dürfen, auch diejenigen, von denen angenommen wird, dass sie sich irren. Dieses in der Naturwissenschaft selbstverständliche und allgemein anerkannte Prinzip der freien Meinungsäußerung wird in der Gesellschaftswissenschaft und in der gesellschaftlichen Praxis oft zugunsten des Diktats einer herrschenden Meinung missachtet. ... Das Prinzip der Toleranz setzt notwendig eine aktive Verteidigung der Toleranz voraus.“

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