Was bleibt vom Glück des Mauerfalls?

30 Jahre nach der friedlichen Revolution verspielt Deutschland erneut die Freiheit seiner jüdischen und nicht-jüdischen Bürger.

© AFP

Von Paul Möllers

Ein Detail fiel ins Auge bei der Berichterstattung über die geplanten Feierlichkeiten anlässlich des Jubiläums des Mauerfalls: Der Hinweis auf die erhöhten Sach- und Personalkosten aufgrund der zu treffenden erhöhten Sicherheitsmaßnahmen. „Seit dem Anschlag vom Breitscheidplatz“ seien die Sicherheitsanforderungen gestiegen – an dieser lapidaren Erklärung nimmt jedoch fast niemand mehr Anstoß, der Verlust an Sicherheitsgefühl wird nur ungern zum Thema gemacht.

Als besonders betroffene Gruppe haben zuletzt die Vertreter der jüdischen Gemeinden auf diesen Punkt hingewiesen. So wurde der fehlende Schutz an Synagogen bemängelt, nur durch einen glücklichen Umstand konnte ein Massaker in der Synagoge in Halle verhindert werden. Die Bitten der Gemeinden um mehr Polizeischutz blieben unerhört.

 

Bedrohte Werte

Auch die Berichterstattung über die veränderte Quantität und Qualität von antisemitischen Attacken bewirkte zunächst nur Aktionismus und Lippenbekenntnisse. Über die Bedrohung durch Antisemitismus von rechtsextremer Seite hat man sich bislang keine Illusionen gemacht. Man tut sich aber schwer, den zunehmenden islamischen Antisemitismus, insbesondere den „palästinensischen“ Antisemitismus, zu thematisieren und ist geneigt, aus einer falsch verstandenen Multiperspektivität diesen Antisemitismus auch im Bildungsbereich zu tolerieren, wie die Antisemitismusforscher Samuel Salzborn und Alexandra Kurth in einem Gutachten Anfang des Jahres feststellen.

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